Autorin Monika Pfundmeier und ihre Lektorin Katrin Trometer (Benevento/Servus) zur Frage: Passionsspiele und Regio-Krimi, wie passt das zusammen?

„Eine junge Metzgerin, die mit Wort und Grant so manch Althergebrachtes auf den Kopf stellt. Ein Ort, der sich passioniert der Tradition verschreibt. Und das niedere Verbrechen, das auch vor Oberammergau nicht haltmacht.“ Darum geht es in „Kreizkruzefix“, dem ersten Regio-Krimi der Münchner Autorin Monika Pfundmeier. Die Weltmetropole der Herrgottsschnitzer als Mördergrube? Und das auch noch im Jahr der Passionsspiele? Anlass für den Buchmarkt, sie gemeinsam mit ihrer Lektorin Katrin Trometer zum Doppelinterview zu bitten.

Monika Pfundmeier (links) lebt als freie Autorin in München. Sie hat bislang zwei preisgekrönte historische Romane veröffentlicht („Blutföhre“, 2016, und „Löwenblut“, 2017) sowie zuletzt den Roman „Glück dich!“ (2018). Für die Krimireihe um Theres Hack verschlägt es sie nach Oberammergau – wo der schöne Schein der Tradition kräftig ins Wanken gerät./ Katrin Trometer war acht Jahre Lektorin im Insel Verlag in Berlin, bevor sie 2018 nach München zu Benevento Publishing wechselte. Dort betreut sie neben der Spannungsliteratur bei Benevento die neuen Regionalkrimis bei Servus. (c) Sebastian Rothfuss

 

BuchMarkt: Frau Trometer, Sie haben mit Servus im letzten Herbst eine neue Reihe von Regionalkrimis gestartet. Ist der Markt für diese Art von Belletristik noch nicht gesättigt?

Katrin Trometer: Was die Regionalkrimis anbelangt, da scheint mir das Leserinteresse ungebrochen. Unsere Servus-Krimi-Reihe ist allerdings nicht aus dem Gedanken heraus entstanden „Regiokrimis gehen gut, das machen wir jetzt auch“, sondern aus dem Servus-Gedanken heraus. Servus ist im Alpenraum und darüber hinaus sehr beliebt, sei es als Magazin, als Fernsehsender oder als Buchprogramm. Bei Servus geht es um die Menschen der Region, um das Leben und den Alltag, um Traditionen und Bräuche, um Natur und Landschaft, alles, was den Alpenraum eben auszeichnet. Da liegt die Überlegung nahe: Warum die Servus-Welt nicht auch in Form von Regionalkrimis zeigen? Krimis aus der Alpenregion, mit Lokalkolorit und Humor und vor allem mit eigenwilligen Protagonisten – Charakterköpfen, wenn man so will –, die den Leser mit an besondere Orte nehmen, ihnen „Land und Leute“ zeigen und manche „Abgründe“ vor Augen halten. Damit zielen wir einerseits auf die Servus-Leser ab, die auch mal durch die Spannungsbrille auf die Servus-Welt schauen wollen, andererseits auf all die Leser, die sich für den Alpenraum und/oder für regional gefärbte Krimis interessieren. Wenn man nicht „vor Ort“ ist, lässt man sich eben von unseren Krimis dorthin entführen.

Was wollen Sie anders machen als die Konkurrenten, die etwa mit Rita Falk oder Klöpfl/Kobr ja schon bedeutende Dickschiffe am Start haben?

Wir setzen auf den Servus-Appeal auf der einen Seite und auf das nach wie vor ungebrochene Interesse an der Alpenregion auf der anderen. Dabei steht für uns das Servus-Versprechen im Vordergrund, qualitativ hochwertige Unterhaltung zu liefern. Kurzum: großartige Autorinnen und Autoren zu finden, die ebenso großartige Regionalkrimis schreiben.

Ansonsten wollen wir gar nicht so viel anders machen – wir reihen uns gern ein in die Eberhofer- und Kluftinger-Erfolgsgeschichten.

Frau Pfundmeier sind Sie eine dieser Autorinnen?

Monika Pfundmeier: Genau – mit der Möglichkeit, das auf meine eigene, unverkennbare, spannende Weise zu erzählen.

Ihr erster Regiokrimi spielt in Oberammergau. Der Ort gilt ja gemeinhin eher als fromm. Wie sind Sie ausgerechnet auf diese Location verfallen?

Fromm und auch traditionell, genau. Besonders dann finde ich es spannend – wenn gewisse Labels, Erwartungen oder Vorurteile zu etwas entstanden sind –, einen Blick dahinter zu werfen, zu entdecken, was an „Mehr“ und an Wahrheit darin liegt. Passt fromm noch in unsere Zeit – oder: Was passt eigentlich zu uns in unsere Zeit? Wo helfen uns Traditionen, wo hindern sie uns?

Zum anderen hat Oberammergau natürlich auch bis zu dem kleinen katholischen Dorf in Bayern gestrahlt, in dem ich aufgewachsen bin – in dem übrigens auch der aktuelle Jesus-Darsteller der Passionsspiele in seiner Jugend ein paar Jahre gelebt hat. Dann ist es, auch im Krimi, natürlich auch spannend herauszufinden, wie die Passionsspiele überhaupt entstanden sind.

Passionsspiele und Regio-Krimi, wie passt das zusammen?

Ganz hervorragend, aus meiner Sicht! Da prallen jahrhundertealte Traditionen auf ihre moderne Vermarktung, ein kleiner, idyllisch gelegener Ort auf die weite Welt, große Visionen auf den Alltag eines kleinen Dorfes. Außerdem wirken bei den Passionsspielen Hunderte von Menschen mit – wenn es da mal nicht ordentlich brodelt hinter den Kulissen.

Frau Trometer, wie ist das eigentlich: Freuen sich die Orte, an denen in Ihren Krimis plötzlich das Böse umgeht, über diese Art von Publicity? Oder ist man dort eher verschnupft?

Verschnupft war bislang noch niemand, im Gegenteil. Das Schöne im Krimi ist ja, dass das Böse ein Ende nimmt. Und die Orte sind ja nicht die Bösen, sie liefern vielmehr eine schöne und interessante Kulisse und spannende Charaktere, in die man – trotz Kriminalfall – als Leser eintauchen kann. Wir machen gewissermaßen Werbung für die Orte. Das ist doch ein Grund zum Freuen!

Frau Pfundmeier, Sie sind ja spätestens mit Erscheinen des Buchs so etwas wie ein Weltstar in Oberammergau. Haben Sie sich schon ein würdiges Domizil dort gesucht?

Ich hätte da schon was im Kopf, aber München ist die Stadt, in der ich gerne in Cafés schreibe, mich wohlfühle – und schnell bei meiner Lektorin bin, um mich mit ihr auszutauschen.

Aber Sie haben im Vorfeld ja sicher intensiv vor Ort recherchiert. Wie haben Sie die Oberammergauer denn erlebt im Vorfeld der kommenden Passionsspiele?

Ja, und die Vor-Ort-Recherche war für mich sehr wichtig und hilfreich – für lebhaftere und stimmige Szenen im Buch. Beeindruckt hat mich, wie sehr jede*r in Oberammergau sich für die Passionsspiele einsetzt, mit wieviel Herzblut und Engagement jede*r mitwirkt – und auch, wieviel jeder zurückstellt, um dieses besondere Ereignis möglich zu machen.

 Ist das ein Motiv für Sie gewesen, Frau Trometer, die Passionsspiele? Erwarten Sie sich von dem Ereignis Synergieeffekte?

Absolut. Die Passionsspiele sind ein sehr publikumswirksames Ereignis, das ja nur alle zehn Jahre stattfindet. Und es ist ein Ereignis, das die Geschichte und die besondere Tradition des Ortes in sich vereint. Es lockt sehr viele Menschen an, ist in aller Munde, auch überregional. Das schafft Aufmerksamkeit, die wir für den Krimi auch gut nutzen können.

Und als nächstes folgt dann die Krimi-Serie bei ServusTV?

Das wäre eine großartige Sache! ServusTV ist seit der ersten Krimi-Eigenproduktion „Meiberger“, von der bereits zwei Staffeln ausgestrahlt wurden, ständig auf der Suche nach neuen Inhalten – dass man sich da mit den Servus Krimis als potenzielle Stofflieferanten beschäftigt, liegt quasi auf der Hand.

Das heißt, Sie schreiben schon am nächsten Band, Frau Pfundmeier?

Genau. Mir macht es unheimlich Spaß, diese kantigen Charaktere zu begleiten und zu entdecken. Allen voran die seltsame Metzgerin, die alles auf den Kopf stellt. Sie kämpft weiter mit den Vorurteilen gegen ihre veränderungswütigen Pläne und mit den Geheimnissen ihrer Familie. Dabei stören immer wieder diese Todesfälle in ihrer Umgebung. Das Rätsel um den Tod einer Freundin, was die Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ in Murnau und eine alte Dorffehde damit zu tun haben, muss also dringend gelöst werden.

Da nehme ich die Leser gerne mit, die Lust haben, sich in ein unterhaltsames Lesevergnügen zu stürzen.

 

 

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