10 Fragen an den Verleger Klaus Altepost, der Ethik für einfacher hält als die Religion „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“

Gerade erschien der neue Juli-BuchMarkt, u.a. mit dem Special Religion (ab Seite 58). Aus diesem Anlass sprachen wir mit dem Verleger Klaus Altepost, der sagt:  „Wer heute über Gott spricht ohne Liebe und Haltung, ohne Ethik und Hoffnung, ohne veränderte Lebenspraxis in schwierigen Zeiten, der sollte lieber schweigen. Deshalb machen wir in der Agentur Altepost 2015 Bücher, die Religion und Alltag zusammenbringen.“

Klaus Altepost: „Viele meinen, Religion verbiete nur, baue auf Angst und Verzicht. Das Gegenteil ist der Fall: Religion, richtig verstanden, baut auf Freiheit, Vertrauen, Liebe, Gerechtigkeit und Erfüllung“

BuchMarkt: Herr Altepost, hatte Ihr eigener Werdegang immer mit Religion zu tun?

Klaus Altepost: Nach dem Studium der katholischen Theologie und Philosophie war es für mich am Anfang konsequent, die Welt der Bücher bei dem damals noch sehr religiös ausgerichteten Patmos Verlag zu betreten. Der Wechsel 14 Jahre später zum Gütersloher Verlagshaus betraf dann nicht nur die Konfession, sondern stellte auch einen ersten Schritt in das kritische Sachbuch dar, das aber immer noch stark von christlichen Werten geprägt war. Wiederum 14 Jahre später löste ich mich dann mit meinem Sprung in die Selbstständigkeit zwar nicht von diesen Werten, erkannte aber, dass der jüdisch-christliche Kontext dafür nur einen von mehreren möglichen Nährböden bildet.

 Was gehört denn Ihrer Meinung nach zur Religion?

Alles, was Ja sagt zum Leben (Viva la vita), alles, was Ja sagt zur Liebe (Viva l’amore), und alles, was Ja sagt zum anderen Menschen, zur ganzen Schöpfung – und zu dir selbst.

Und was hat mit Religion nichts zu tun?

Das, was gegen die Liebe zu allem, das, was gegen Mensch und Natur, und das, was gegen das Leben selbst in seiner ganzen Schönheit gerichtet ist. Weniger pathetisch gesprochen: Wenn Waffen von Einzelpersonen oder Staaten „für Gott“ eingesetzt werden, wenn der Kapitalismus dazu beiträgt, Menschen zu unterdrücken, wenn wir Umwelt und Klima zerstören, handeln wir gegen unseren Rückbezug auf das große Ganze, gegen jede Religion.

Warum tun sich heute viele Menschen so schwer mit der Religion?

Weil Geld und Ware, Konsum und die schnelle Befriedigung wichtiger geworden sind als das wirkliche Leben. Viele meinen, Religion verbiete nur, baue auf Angst und Verzicht. Das Gegenteil ist der Fall: Religion, richtig verstanden, baut auf Freiheit, Vertrauen, Liebe, Gerechtigkeit, Erfüllung; aber für alle Menschen, nicht nur für meine Familie oder mein „Volk“. Wer wirklich liebt, liebt alle, und macht nichts falsch.

Welche Rolle haben die Kirchen?

Kirche, das waren immer Menschen, die zu allen Zeiten viele und große Fehler gemacht haben. Vielleicht war es der größte Fehler, dass die Kirchen sich nie so richtig als Menschen wie alle anderen, nicht mehr und nicht weniger, verstanden haben.

Was ist religiöse Literatur?

Es gibt Bücher, die Religionen, ihre Ursprünge und Wesensmerkmale erklären. Diese sind wesentliche Bestandteile unseres kulturellen Wissens. Dann gibt es Bücher, die versuchen, den Menschen zum Glauben an irgendwelche „geoffenbarte“ Inhalte zu führen. Hier erscheint es mir wichtig, diese Inhalte immer in Zusammenhang mit ethischen Maßstäben zu sehen. Schließlich gibt es das Sachbuch, das die Inhalte, Positionen und Diskussionen unserer Tage auf der ethischen Grundlage einer richtig verstandenen Religion behandelt; egal, ob es sich um das Thema Klima oder Ernährung, um Medizin oder Gerechtigkeit geht. Auch das ist für mich moderne „religiöse“ Literatur. Und sie ist wichtiger denn je.

Können die Religionen den Menschen Antworten geben?

Die „Inhalte“ der Religion sind nie Selbstzweck; es kann nur darum gehen, über ihren Kontext den Menschen zu überzeugen, in Achtung und Respekt vor der Würde jeder Pflanze, jedes Tiers und jedes Menschen zu leben – in Liebe zu sich selbst und zu allen anderen, mit einem hohen ethischen Anspruch. Das meint der Dalai Lama, wenn er davon spricht: „Ethik ist wichtiger als Religion“. Auf dem Weg dahin sollten Religion und Kirchen weniger starre Antworten geben als vielmehr die richtigen, kritischen Fragen an unsere moderne Gesellschaft stellen.

Haben alle Bücher Ihres Verlags also irgendwie mit Religion zu tun?

Ja, das sehe ich tatsächlich so – auch wenn es auf den Buch-Titeln um die Nordsee oder den Garten, um den Tanz oder die Ernährung, um das Leben oder die Liebe geht.

Zum Schluss – sind Sie selbst ein religiöser Mensch?

Im kirchlichen Sinne sicher nicht, wohl aber im Sinne der Ethik, der Liebe und des Lebens!

Was ist Ihr persönlicher Buch-Tipp für den Herbst?

Ein sachlich-kritisches Buch für den mündigen Verbraucher auf dem Einkaufsmarkt: Der Food-Plan vom Lebensmittel-Experten Dr. Helmut Leopold – echte Aufklärung gegen die übliche Desinformation und Manipulation der Lebensmittelindustrie. Ein echtes, hohes  Nutzenversprechen, kompetent und höchst unterhaltsam eingelöst vom Autor.

 

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