Die mit dem Kranichsteiner Literaturpreis 2019 ausgezeichnete Nora Bossong über ihren Roman "Schutzzone" (Suhrkamp) „Ein Roman, der sich raus traut in die Welt“

Nora Bossong © Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag

Der mit 30.000 Euro dotierte Kranichsteiner Literaturpreis wurde in diesem Jahr an Nora Bossong verliehen (wir berichteten). In der Begründung der Jury heißt es:

„Nora Bossong schreibt Romane, Gedichte, Essays und Reportagen –  und ist in all diesen literarischen Genres eindrucksvoll zu Hause (…) In ihrem Roman ‚Schutzzone‘ geht es nicht nur um das ‚Zögern in vielen Abstufungen‘, das das Leben einer jungen Mitarbeiterin der Vereinten Nationen in Genf bestimmt, vor allem dreht sich hier alles um eine grundsätzliche literarische Frage: ‚Sucht man sich ein Leben aus? Oder lebt man es nicht eher?‘

Anlass für uns mit der Autorin über die Bedeutung des Preises und ihren neuen Roman Schuttzzone (Suhrkamp) zu sprechen.

BuchMarkt: Vor einer Woche haben Sie den Kranicher Literaturpreis 2019 erhalten, der wie jedes Jahr vom Deutschen Literaturfonds vergeben wird. Was bedeutet dieser Preis für Sie?

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Nora Bossong: Eine große Freude! Ermutigung, mit der eigenen Arbeit weiter zu machen und finanzielle Unterstützung, um dies auch tun zu können.

Worum geht es in dem Buch Schutzzone?

Es geht um eine junge Frau, die bei den Vereinten Nationen arbeitet, um koloniale Schuld und globale Gerechtigkeit, aber auch um die Kraft des Dialogs und der Versöhnung. Nicht zuletzt geht es um eine große Liebe und darum, wie man weitermacht, wenn man weiß, dass Schutz immer wieder zerbricht.

Wie entstand die Idee, überhaupt über das Thema zu schreiben?

Ins Herz der Vereinten Nationen zu blicken und doch von Menschen, ihren Wünschen und ihrer Zerrissenheit erzählt, das hat mich gereizt. Die Vereinten Nationen als weltpolitische Arena, als möglicher Friedensbewahrer mit all den Hoffnungen, Enttäuschungen und ihrem Scheitern haben mich schon sehr lange beschäftigt. Für mich bündeln sich darin viele Fragen der Gegenwart.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Ein Roman, der sich raus traut in die Welt.

In welchem Abteil sehen Sie das Buch in der Buchhandlung passend platziert, in welchem literarischen Umfeld?

Da vertraue ich den Buchhändlern und Buchhändlerinnen, die kennen die Bücher, die ihnen am Herzen liegen und wie sie zueinander passen.

Welche Leserschaft wollen Sie damit erreichen?

Menschen, die über den eigenen Tellerrand sehen wollen.

Welche Reaktionen erhoffen Sie sich?

Dass sich jemand von der Geschichte berühren lässt, intellektuell oder emotional, am liebsten beides.

Ihr Appell an die Gesellschaft?

Sich selbst immer wieder hinterfragen und den einfachen Antworten misstrauen.

Und privat, was lesen Sie da gerne/aktuell?

Bei mir sind immer mehrere gleichzeitig Bücher aufgeschlagen, aktuell Marcel Beyers Essayband Das blindgeweinte Jahrhundert, Elias Canettis Masse und Macht, die Romane Die Liebe in den Zeiten der Cholera von Gabriel Garcia Marquez und von Annie Ernaux Eine Frau und noch ein paar mehr.

 

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