"150 Euro als Pauschalvergütung für eine undokumentierte Nutzung über sechs Monate ist eine Ohrfeige" Nina George: (M)ein Brief an die Branche – und an Lufthansa und Amazon-Audible

Nina George : „Haben Sie eigentlich noch alle Propeller in der Düse?“ Foto: ©NinaGeorge0417

Nina George hat sich gestern auf Facebook über einen Deal zwischen Lufthansa und Amazon-Audible aufgeregt. Hier begründet die streitbare Kämpferin für ein gerechtes Urheberrecht in einem (Liebes?)brief an die beiden Unternehmen ihren Zorn:

Liebe Lufthansa, liebes Amazon-Audible,

Ihr habt mir gestern erst einen Lach- dann einen mittelgroßen Wutanfall beschert.
Das kommt, zugegeben, in der Kombination selten vor.
Ich rege mich im Prinzip schon lange nicht mehr auf; wer sich ehrenamtlich in der politischen Arbeit für Autoren- und Autorinnen engagiert, läuft bei der Vielfalt an kleineren und größeren Absurditäten sonst Gefahr, mit einem ständigen Adrenalin-Überschuss herum zu hecheln, komplizierte Folgekrankheiten zu entwickeln und sich nicht mehr auf seine Romane konzentrieren zu können. Und selbst die verständigste Krankenkasse, Verlegerin und/oder Ehepartner hätten dafür eines Tages keine Geduld mehr.

Wie auch immer, ihr habt es heute geschafft. Glückwunsch. Oder vielleicht auch nicht. Auslöser war Euer Angebot, wie es vermutlich hundertfach in den letzten Monaten an Verlage und ihre Autorinnen gegangen ist. Es lautet:

Audible möchte diesen Titel gerne Lufthansa für das Bord-Entertainment-Programm anbieten. Dabei handelt es sich um eine reine Marketingkooperation, keine Lizenz, für die Audible von Lufthansa honoriert werden würde.
Audible ist seit 2016 Kooperationspartner der Lufthansa. Mit ca. 70 Millionen Passagieren im Jahr bietet die Lufthansa ein riesiges Potenzial, Titel und Autoren bekannt zu machen und einer großen Hörerschaft zu präsentieren. Durch kommunikative Maßnahmen weist Lufthansa seine Kunden natürlich auf das Entertainment-System und seine Inhalte hin.  Die Einbindung in das Bord-Entertainment-System bietet damit eine tolle Möglichkeit für den Erstkontakt mit dem Medium Hörbuch. Wir glauben daher, dass sich die enorme Präsenz und Reichweite, die wir durch die Kooperation für die Titel schaffen, positiv auf die Verkäufe bei uns auswirken wird. Aktionszeitraum 01.11.2017 – 30.04.2018. Da der Titel von den Passagieren zwar nicht dauerhaft erworben werden kann, aber in voller Länge abspielbar ist, bietet Audible eine Marketingvergütung an. Diese orientiert sich an den Lizenzerlösen in einem vergleichbaren Zeitraum zur Marketingaktion. Für Nina George entspricht das einer Vergütung von 150 Euro (pauschal).

Liebe Lufthansa, liebes Audible, Sie haben es vermutlich schon mitbekommen, dass meine Antwort: „Nein, danke“ lautete. Aber eins muss ich jetzt schon mal fragen:

Haben Sie eigentlich noch alle Propeller in der Düse?

Sie beide wollen also Kulturwerke in dem Lufthansa-Bordservice sechs Monate lang, für in dieser Zeit rund 35 Millionen Passagiere anbieten (Gut, nehmen wir mal „nur“ alle deutschsprachigen, bleiben „nur“ noch einige Millionen), aber nicht dafür zahlen. Sie argumentieren dies konzertant mit „Erstkontakt mit dem Medium Hörbuch“ und „enormer Reichweite“. Und behaupten dann noch, es handele sich sowieso nicht um eine Lizenz?

Interessante, aber leider unzutreffende Sichtweise. Ich erläutere Ihnen gerne meine Sicht: Sie, und das gilt für Lufthansa genauso wie für den Lizenznehmer Audible, sind per Gesetz verpflichtet, mir für jede Nutzung meines Werkes eine faire Vergütung zu zahlen. Sie sind außerdem verpflichtet, diese Nutzung nachzuweisen und transparent auf Abruf zu dokumentieren. Sie kommen, auch wenn sich Ihre Juristen und Juristinnen schon auf eine spitzfindige Auseinandersetzung freuten, nicht mit der Behauptung aus diesen Verpflichtungen heraus, es handele sich ha, ha, bei dieser wenig verheimlichten und gezielten Massennutzung gar nicht um eine Lizenz. Ach was! Wir schreiben einfach „Promo“ drauf und fertig! Und dann ballern wir sechs Monate aus allen Klinkensteckeranschlüssen, 35 Millionen Passagiere, Mann, die George müsste UNS was zahlen für diese Reichweite!

Ja, auf dieses Argument warte ich eigentlich noch. In Piratenkreisen hat sich das längst etabliert, dass illegaler Download doch voll die Promo ist und wir Autorinnen happy … egal.

@Audible. Ihre Behauptung, dass ich mittelfristig profitieren würde (Wir glauben daher, dass sich die enorme Präsenz und Reichweite … positiv auf die Verkäufe bei uns auswirken wird), in dem ganz bestimmt zum Beispiel all jene, die auf der Langstrecke Hamburg-San Fransisco mein Buch hören, im Nachhinein für eine Verkaufsexplosion im Hörbuch- und Buchhandel (bei Amazon, by the way?) sorgen, ist, höflich gesagt, als „Möhrenreligion“ zu bezeichnen: Mit der Lockrübe „Ist doch Werbung für Dich!“ werden bereits tausende Autorinnen und/oder Verlage an der Nase herum geführt, und ihre Leistungen gratis genutzt, ohne dass sich für den Autoren und die Autorin im Nachhinein ein messbarer und auf diese oder ähnliche „Promo-Aktionen“ hin nachweisbarer monetärer Zuwachs feststellen lässt.

@Lufthansa: Was Sie vorhaben, das ist keine Werbung. Werbung ist, wenn Sie alle Boeings nach New York mit meinem Cover verzieren. Schön in lila, wäre doch nett. Was sie aber vorhaben, ist Nutzung. Und das bekommen Sie nicht umsonst, mehr noch: Sie sollten sich schämen, dass Sie die Arbeit der Autorinnen und Autoren umsonst haben wollen.
Ja, schämen: Sie bieten Hörbücher in Ihrem Service an wie Tomatensaft und Kaffeekeks. Ist das Werbung für Granini? Nicht? Müssen Sie den Saft etwa nicht bezahlen? Was hat der Saft, was ich nicht habe? Wohl keinen Partner wie Audible, der Ihnen solche Un-Angebote macht?

Und, liebes Audible: das mag sich für Dich ja in der Masse und im Image lohnen, Audible macht’s möglich, was auf die Ohren über den Wolken, hu, sexy, modern, ja, ja – aber Du willst dieses Image auf meine Kosten. Auf meine und auf all die jener Kolleginnen und Kollegen, die sich auf diese halbgare Promo-keine-Lizenz-150-Euro-Illusion einlassen, und deren Werke dann hundert-, tausendfach genutzt werden, und sie nichts dafür erhalten.

Wissen Sie, was mich dabei außerdem aufregt? Sie beide, Sie sind nicht die ersten. Nicht die letzten, die die Arbeit von Autorinnen und Autoren, kaum das deren Werke digitalisiert sind, nutzen ohne anständig zu vergüten. 0-Euro-Aktionen. Leihmodelle- Ist-doch-Werbung. Paid Piracy. E-Books in bestimmten Zuglinien im „kostenlosem Mediapaket“. Die Leistung wird geliebt. Aber nicht die, die sie erbringen, die sollen mit Luftmöhren satt werden.

A propos Luftmöhre: Nach dieser Ist-doch-Werbung!-Logik, liebe Lufthansa, müssten Sie mir ein halbes Jahr lang Freiflüge ohne Limit gewähren, die ich meinen, na, seien wir großzügig, meinen 1500 Facebookfreundinnen überlasse. Oder meinen 1,5 Millionen LeserInnen weltweit. So oft, so weit diese wollen. Das ist DIE Chance für Sie! Ich meine – eine tolle Möglichkeit für den Erstkontakt mit dem Medium Flugzeug! Ich kann Ihnen 5 Euro dafür anbieten. Weil: Ist doch Werbung – und keine Nutzung. Oder, etwa doch?

Ach, und eine letzte Frage, liebe Lufthansa, liebes Audible: Wer von Ihnen zahlt eigentlich VG Wort-Geräteabgaben für diese Angebote der ständigen Vervielfältigung im luftigen Raum? Streaming ist das nicht, oder gibt’s inzwischen WLAN über den Wolken? Keine Sorge. Ich kümmere mich gern darum.

Ihre Nina George

Nina George (43), ist Schriftstellerin, Präsidiumsmitglied des PEN-Zentrums Deutschland, VS-Bundesvorstandsmitglied, Gründerin der Initiative Fairer Buchmarkt und VG Wort Verwaltungsrätin.

 

Kommentare (73)
  1. Danke Liebe Nina
    für diesen wunderbaren amüsanten ernsthaften und genau-auf-den-punkt formulierten Brief.
    Du bist eine großartige Schriftstellerin und eine erstklassische Kämpferin.
    PS: Bin auf das „weitergehen“ gespannt.
    Küsschen: Sewastos Sampsounis

  2. Danke Nina George! Auch unsere Agentur hat dieses Ansinnen abgelehnt – es ist eine krasse Geringschätzung für die kreative Leistung der Autoren. Bedenklich, dass Verlage dies den Autoren überhaupt vorschlagen.

  3. Hervorragend, liebe Nina.
    Ich kann Dir nur beipflichten. Ein herzliches Dankschön für deinen engagierten Text. Erhalte Dir Deinen Humor
    Liebe Grüße Dagmar Geisler

  4. Wahrscheinlich laufen alle Hollywood-Filme und Musik-CDs auch unentgeltlich im Bord-Entertainment.

    Eine gute und pointierte Antwort an ein unmoralisches Angebot.

    Klaus Humann
    Aladin Verlag

      • „Nein“ allein reicht eben nicht. Leistungen für NIX zu bekommen, nimmt in dieser unserer Gesellschaft leider immer mehr zu. Überall. Die Kids kennen schon fast nix anderes mehr. Und das was man an Reichtum so für nötig hält, beschafft man sich „hintenrum“, über Vitamin B etc., aber immer seltener für wirkliche Leistung. Zahlen muss am Ende immer einer, nur dann meist die Falschen.
        Bravo, Nina George! Würde mich über Verbreitung in FAZ, Welt etc. richtig freuen.

      • Dann haben Sie die Dimensionen und Auswirkungen dieses Verhaltens nicht verstanden. Für diese Thematik muß – gerade angesichts der wachsenden „Alles-ist-umsonst“-Mentalität vieler Kunst/Musik/Literatur-Rezipienten – eine Sensibilität hergestellt werden. Das hat Frau G. unglaublich anschaulich geschafft.

  5. Liebe Nina,
    auch an uns wurde dieses unanständige Anliegen für einen unserer Toptitel herangetragen – wohlgemerkt über die Lizenzabteilung eines angesehenen Verlags, deren Audiolizenzpartner sich über die versprochene Promotion durch Lufthansa freute.

    Als Agentur dürfen wir nur nein sagen und uns leise wundern – deswegen danke für Deine öffentliche Empörung!

  6. Gut gebrüllt Löwin, danke! Und ja, es ist erschreckend, wie sich diese unmoralische und tw. auch illegale Absahnermentalität verbreitet. Schön, dass dagegen auch mal öffentlich gesprochen und damit auch Bewusstsein bei KollegInnen geschaffen wird, die viel zu oft glauben, es müsse so sein.

  7. Liebe Nina George,
    danke für diesen fundierten Artikel, der genau beleuchtet, wie gering Urheberrechte geschätzt werden! Wenn wir Autor*innen oder Übersetzer*innen unsere Rechte immer gleich für lau oder Pfennigbeträge (eBook, Print on demand) abgeben sollen, wer verdient eigentlich daran?
    Kollegiale Grüße
    Katharina Schmidt

  8. Ja, Frau George, es gibt inzwischen WLAN im Flugzeug. Aber erst so seit fünf Jahren.

    Wenn es nach Menschen wie Frau George ginge, würden Bücher vermutlich bis heute von Hand abgeschrieben. Dabei wird dann so lange an alten Profitmodellen festgehalten, bis ganze Branchen plötzlich merken, dass sie unnötig geworden sind und das Geschäft von anderen gemacht wird. Die Erfahrung hat die Musikindustrie gemacht, jetzt gerade geht es den Tageszeitungen und dem linearen Fernsehen an den Kragen.

    Und dank technikfeindlichen Funktionären wie Frau George mit ihrer Maschinenstürmer-Rhetorik wird das wohl auch vielen Verlagen so gehen. Von der Dame habe ich jenseits von Gejammer über das böse, böse Internet noch nie auch nur einen irgendwie konstruktiven Satz gehört.

    • Ist klar – wehrt sich mal jemand, packt irgendeiner sofort die „Geh zurück in deine Höhle“-Keule aus. Ich nehme an, Sie machen Ihre Arbeit auch umsonst. Frau George hat sich weder gegen die Nutzung noch gegen das Internet ausgesprochen, sondern dagegen, dass die Lufthansa für die Nutzung nicht angemessen bezahlen will. Lesen Sie den Artikel doch einfach nochmal, vielleicht merken Sie es dann.

    • Tja, lieber @Peter,
      das mag dann wohl daran liegen, dass Sie sich nur selektiv informieren.
      Ich habe ja vom ersten Moment an auf einen negativen Kommentar männlicherseits gewartet – und voilà, Sie haben mich nicht enttäuscht.
      Schade, dass Ihnen gar nicht aufgefallen ist, dass Sie mit Ihrem Kommentar das Thema weit verfehlt haben. Aber das macht nichts, solange es Menschen wie Frau George gibt, die nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere kämpfen.
      Btw – handschreiben wird wieder modern. Das war es bei intelligenten und kreativen Menschen ohnehin immer …

      Mit besten Wünschen für einen Blick über den eigenen Tellerrand

      Laura Gambrinus

    • Schlagen SIE doch was Konstruktives vor, lieber Peter.
      Wenn Frau George an „alten Profitmodellen hängt“ (wie alle Urheber by the way), dann beglücken Sie uns doch alle mit Ihrem modernen Geschäftsmodell, damit wir verstaubten Geschichtenerzähler endlich den Anschluss ans neue Profitmodell finden.

      Die Piraten haben seit vielen, vielen Jahren darüber diskutiert (Stichwort „Kulturflatrate“ etc.) – nichts davon hat sich als praxistauglich erwiesen (Die Damen Marina Weisband und Julia Schramm, die am lautesten gegen das Urheberrecht gewettert haben, haben flugs ihre hehren Ideale über Bord geworfen, als der Verlagscheck auf den Tisch gelegt worden ist und sie plötzlich vom Urheberrecht profitiert haben).

      So, dann legen Sie mal los.

    • Nun, lieber Peter, ich schlage vor, Sie als zukunftsorientierter Mensch beschränken dann Ihren literarischen Anspruch auch auf Computergeschriebene Bücher (sind doch bestimmt gerade ganz groß im Kommen bei Technikfreaks wie Ihnen?) und lassen sie von Google in alle Sprachen übersetzen.
      Und für Audible auch von Siri oder ähnlich austauschbaren Objekten vorlesen.
      Der Computer kann mit 150,00 € gut gewartet werden.
      Ach nee, Momentchen. IT-Experte kostet glaube ich schon bald 180,00 €. Die Stunde.
      Das ist dann sicherlich die passende Unterhaltung für Sie.

    • Entschuldigung, aber deine Argumentation, die ich mir normalerweise ja gerne zu eigen mache, greift bei einem Angebot bei dem zwei Parteien, zwei Großkonzerne, enormen wirtschaftlichen Nutzen durch das Aufführen erhoffen, aber nicht nach Nutzung dafür bezahlen wollen meiner Meinung nach nicht.
      Die Hörbuch-Industrie hat meines Wissens auch keine besonderen Probleme, man hört selten von Abmahnwellen wegen Filesharing von Autoren oder ähnlichem. Das solche Lizenzierung als Werbung verkauft wird ist schon komisch.

    • Sehr geehrter Herr Peter Ich-geb-mal-hier-keinen-Namen-nicht-damit-ich-relativ-anonym-bleibe,

      alte Profitmodelle??? O.o Dass man für seine Arbeit eine Vergütung erwartet und auf seine Lizenzen nicht verzichtet, ist also technikfeindlich?
      Halleluja!
      Ich glaube, da sprechen Sie jedem Produkt- und Markenfälscher total aus dem Herzen! Warum weiten wir das nicht auf sämtliche Bereiche aus. Sie sehen, ich spinne das jetzt mal weiter, damit nicht (Zitat!) „[…]ganze Branchen plötzlich merken, dass sie unnötig geworden sind und das Geschäft von anderen gemacht wird[…]“
      Ich meine … Pharmaindustrie, Ingenieurswesen, Grafikdesign etc etc etc… Da gäbe es schon Potenzial, das man promo-mäßig für schlappe 150 Öken/per halbes Jahr einem riesigen Publikum zugänglich machen könnte.
      *Ironie aus*

      Thema verfehlt!
      Setzen! Sechs!

    • Ich bin auch über den letzten Absatz gestolpert.
      Das Thema Streaming und Download, „Vervielfältigung oder nicht“ ist im Detail kompliziert und verwirrend. Ich habe da genauso Fortschrittsfeindlichkeit zwischen den Zeilen gelesen. In der Tat: Die Urheber müssen sich mit Technologie auseinandersetzen und zumindest die Berufsverbände müssen Technologie verstehen um für die Verwerter ein Verhandlungspartner auf Augenhöhe zu sein.

    • Verdienen Sie Ihr Geld mit Schreiben, lieber Peter? Oder einer anderen kreativen Tätigkeit, z. Bsp. als Fotograf? Glauben Sie mir, hier geht`s nicht um WLAN und Technik, sondern um die Nutzung von geistigem Eigentum oder Lizenzen, egal ob ich das in Stein meißel oder eine App benutze.
      Die beiden Unternehmen würden nicht auf die Idee kommen z. Bsp. Disney so etwas zu fragen. Bei einer Einzelperson aber schon, weil da keine Marktmacht oder ein Konzern dahinter steht. Insofern kann man ja beim Autor mal frech nachfragen und die wirtschaftliche Abhängigkeit des Einzelnen ausnutzen. Wie gesagt, fragen kann man ja mal…. Gut gemacht, Frau George! Man muss sich nicht alles gefallen lassen.

  9. Wie erfrischend! Ja, danke für diesen „Rant“, der eigentlich die Dinge wieder vom Kopf auf die Füße stellt. Die Dreistigkeit solcher „Nutzer“ hat offenbar keine Grenzen. Und Peanuts anzubieten beweist die absolute Respketlosigkeit, die dahintersteht. Peter, hier ebenfalls kommentierend, setzt mit dem deplazierten Begriff „Technikfeindlichkeit“ noch einen drauf und faselt von „mit der Hand abschreiben“. Halloo?? Schon mal davon gehört, dass Bücher zu schreiben Arbeit ist, und zwar eine kulturell höherstehende, als so manche aufgeblasenen „Leistungsträger“ von sich behaupten? Dass Autoren ein Recht auf ein Mindestmaß von Respekt haben? Und der drückt sich wie bei jeder Arbeit in einem angemessenen Honorar aus.

  10. Mal rein interessehalber, wenn Audible Ihr Buch tatsächlich lizensieren würde für die 6 Monate und sich den ganzen Aufwand mit nachhalten wer das wie oft wann wo angehört hat betreibt…wieviel würde dann für einen einzelnen Aufruf üblicherweise bezahlt bzw. wieviele Aufrufe bräuchte sie um auf die 150€ zu kommen?

    • Gute Frage. Ich glaube, das die Anzahl der Aufrufe in etwa gleich bleibt (und somit auch die Vergütung), weil aufgrund des riesigen Angebots, von den Millionen potenziellen Hörern nur sehr wenige reale Hörer übrig bleiben. Die 150 EUR sind ja nicht aus der Luft gegriffen, wenn ich das richtig verstanden habe. „Diese [Vergütung] orientiert sich an den Lizenzerlösen in einem vergleichbaren Zeitraum zur Marketingaktion“. Nur weil mehr Menschen auf das Angebot hingewiesen werden, heißt es ja nicht automatisch, dass sich plötzlich auch mehr dafür interessieren.

  11. Was ich nicht verstehe (da ich die Gegenseite und deren Rechnungen absolut nicht einsehen kann), wie zum Beispiel massenweise nagelneue Filme im Flieger finanziert werden – sind das wirklich alles kostspielige Ausgaben der Airlines?

    Wenn man die Mail von Audible oben und das Angebot im Flieger zusammenzählt, könnte man darauf kommen, dass auch die Filmindustrie, die Airlines als Werbeplattform nutzt.

    Was für einen Sinn macht es, Ausgaben von mehreren zehntausend – hunderttausend (?) Euro für ein erstklassiges Entertainment-System zu generieren, wenn auch ältere Filme reichen würden? Nein, zu mind. 50% sind es welche, die gerade erst aus den Kinos kommen …

    Also … wage ich zu behaupten, dass es doch durchaus sein kann, dass Audible von der Lufthansa eher nichts für das Angebot bekommt. Und Audible zu den Werbekosten nun auch noch die Autoren etwas entschädigen will.

    Außerdem muss ich ehrlich gestehen, dass ich zwar äußerst gerne für meine Arbeit bezahlt werde, aber mir ein Hörbuch bei der Lufthansa lieber wäre als kein Hörbuch bei der Lufthansa, selbst wenn ich dafür sonst nichts bekomme.

    E-Book-Piraterie ist in diesem Zusammenhang ja auch gefallen und irgendwie ein witziges Beispiel. Tatsächlich werden ja aber vor allem die Autoren maßgeblich geschädigt, die sowieso schon sehr gut von ihren Einnahmen leben können. Wie sich das in der Verlagswelt verhält, weiß ich nicht.

    Punktum: ich weiß sehr wenig und werde es durch diesen Leserbrief auch nicht erfahren. Das könnten alles eine Reihe Anschuldigungen ins Blaue hinein sein.

    Ein Hörbuch, das ich im Flieger beginne zu hören und das mir gefällt, kaufe ich in jedem Fall später nach der Landung. Und wenn es so spannend ist, dass ich es bis zum Schluss höre, dann kaufe ich mehr von diesem Autoren oder Sprecher.

    Solange ich also nicht weiß, ob Audible die Millioneneinnahmen wirklich nur für sich behalten will, kann ich auch nicht urteilen!

    • Liebe Jana,

      „Tatsächlich werden ja aber vor allem die Autoren maßgeblich geschädigt, die sowieso schon sehr gut von ihren Einnahmen leben können.“

      Woher bitte nehmen Sie diese Behauptung? Ich kenne eine ganze Menge von AutorInnen, die „maßgeblich geschädigt“ werden, ohne, dass sie von ihren Einnahmen „sehr gut leben können“. Zu denen gehöre ich ganz nebenbei auch noch selbst.
      Und selbst FALLS Sie recht hätten – auch bei der Piraterie geht es – so wie bei diesem Fall hier – ums Prinzip.
      Warum um alles in der Welt sollte ich mich beklauen lassen, selbst wenn ich gut verdienen würde? Nach diesem Prinzip stünden ganz andere in erster Reihe, die man beklauen „dürfte“. Soll das mal einer mit Ihnen versuchen, gell?

      Aber lassen wir das. Was für Sie spricht, ist die Aussage, dass Sie ein Buch kaufen würden, wenn es Ihnen gefallen hat. Immerhin etwas, danke dafür (ernst gemeint).

      Viele Grüße
      Laura

    • Liebe Jana.. überlegen Sie mal..

      „Tatsächlich werden ja aber vor allem die Autoren maßgeblich geschädigt, die sowieso schon sehr gut von ihren Einnahmen leben können“

      Das verstehe ich so das Sie denken, das demjenigen ruhig geschadet werden kann der sowieso schon genug hat.

      Das ist eine Sache der Verhältnisse. Wenn Ihnen in Rom ihre Handtasche gestohlen wir von jemand der kein Geld hat.. der könnte genau so denken.. Macht ja nichts.. die hat ja schon ausreichend genug..

    • Liebe Jana.. ich habe mir nochmal die Mühen gemacht ihr Statement zu lesen. Besonders interessant fand ich die folgenden zwei Passagen..

      „Also … wage ich zu behaupten, dass es doch durchaus sein kann, dass Audible von der Lufthansa eher nichts für das Angebot bekommt. Und Audible zu den Werbekosten nun auch noch die Autoren etwas entschädigen will.“

      „Außerdem muss ich ehrlich gestehen, dass ich zwar äußerst gerne für meine Arbeit bezahlt werde, aber mir ein Hörbuch bei der Lufthansa lieber wäre als kein Hörbuch bei der Lufthansa, selbst wenn ich dafür sonst nichts bekomme.“

      Also entweder ist ihr Statement so aus dem Bereich Astroturfing.. wenn nicht das so bewundere ich Ihre Naivität..

    • Ja, für die Filme in den Fliegern zahlen die Airlines Lizenzgebühren in Millionenhöhe:
      „The largest international airlines sometimes pay more than $90,000 for a licence to show one movie over a period of two or three months. These airlines usually feature up to 100 movies at once, whereas 20 years ago they would have only 10 or 12. In the United States, airlines pay a flat fee every time the movie is watched by a passenger. Some airlines spend up to $20 million per year on content.“ Das ist, laut CNN, ein Billion-Dollar-Markt. (siehe: http://edition.cnn.com/travel/article/secrets-of-in-flight-movies/index.html)
      Es ist unwahrscheinlich, dass Audible seine Hörbücher an Lufthansa verschenkt. Schließlich will Audible mit dem Verkauf von Hörbüchern Gewinne machen und wird sich so eine Kooperation auch Geld kosten lassen, denn entgangene Verkäufe schaden ihnen genauso wie den Autoren.

      • @Sedamens
        Heißen Dank für diese willkommenen Informationen.
        Leider ein Grund mehr für die heiße Welle Wut, die mich da beim Gedanken an das unsägliche Angebot an Frau George überkommt.

        @Jana – haben wir das dann auch endlich kapiert?

  12. Zur Einordnung: ich bin kein Buchautor und von daher sehr vorsichtig mit Bewertungen bezüglich des geistigen Eigentums anderer.

    Ich mag Bücher und Hörbücher und fliege relativ viel – auch lange Strecke. Noch nie habe ich auch nur die Hälfte eines Werkes gehört. Und selbst München-San Francisco ist nach 12 Stunden beendet.

    Ich habe allerdings mehrfach Bücher, in die ich auf dem Flug reingehört habe, hinterher gekauft. Und dabei auch unbekannte Autorinnen und Autoren entdeckt.

    Sind 150 Euro für diesen Effekt genug? Kann ich nicht beurteilen. Scheint mir aber eine Diskussion mit mehr Graustufen zu sein, als in einen Rant reinpasst

  13. Danke, Nina. Ich werde meinen nächsten USA Flug nicht mehr mit Lufthansa machen. Ich hoffe, die melden sich und bringen diese Sauerei in Ordnung. Eine Schande ist das!!

    Da fange ich langsam an die Piloten zu verstehen mit ihren Streiks …

  14. Ein wunderbarer Kommentar und vielen Dank. liebe Nina, für das Eintreten für die Rechte von Autoren.
    Ich kann in dieser Aktion nur zwei Gewinner erkennen, ein Autor ist leider nicht darunter. Audible hingegen macht sich einen Namen, der dem Hörer nach dem Flug vielleicht wieder einfällt, wenn er an Hörbücher denkt.
    Und natürlich Lufthansa, für die es natürlich eine ganz wunderbar günstige Möglichkeit ist, ihre Passagiere an Bord zu unterhalten. Generell finde ich das Angebot klasse, den Passagieren Hörbücher anzubieten. Ich weiß gar nicht, ob das andere Airlines auch so machen. Dafür Daumen hoch. Dafür jedoch nichts bezahlen zu wollen und die Autoren zu übergehen, das ganz noch als Werbung schönzureden, dafür gibt’s zwei Daumen runter.
    Aber irgendwo müssen ein bis zwei Milliarden Gewinn pro Jahr ja herkommen :-(

  15. Früher nutze man den Begriff „Bauernfänger.“ Auch im digitalen Zeitalter sind die Bauernfänger auch sehr erfolgreich. Größtmögliche Gewinne bei kleinsten Abgaben für die Autoren.

  16. Ich finde den Unmut von Frau George sehr nachvollziehbar. Was ich nicht ganz in Einklang kriege, ist in dem Zusammenhang Frau Georges (in anderen Veröffentlichungen geäußerte) Unmut über AutorInnen, die nicht dem Druck folgen wollen, auf einen zuvor unrechtmäßig an Verlage überwiesenen VG-Wort-Anteil freiwillig auch weiterhin zu verzichten.

    • “ (in anderen Veröffentlichungen geäußerte) Unmut über AutorInnen, die nicht dem Druck folgen wollen, auf einen zuvor unrechtmäßig an Verlage überwiesenen VG-Wort-Anteil freiwillig auch weiterhin zu verzichten.“

      Das ist bzw. wäre genau so hirnrissig, den Anspruch auf das Geld, welches Verlage rechtswidrig erhalten haben, zu verzichten. Da wird natürlich auch über „Astroturfing“ schon mal die ein oder andere Meinung verbreitet um Autoren und andere Urheber gütlich zu stimmen.

  17. Ganz große Klasse …. Danke !
    Wir als Fotografen können über, sagen wir mal freundlich, phantasievolle Angebote zur Erschleichung unserer Leistungen auch nur schwärmen.

    • Das liegt aber auch daran das natürlich einige Fotografen auch an der Entwicklung des Marktes selbt nicht ganz unbeteiligt sind. BuyOut, Royalty Free, Mikrostock und die vielen anderen Spar- und Geschäftsmodelle – wer da liefert dem ist wirklich nicht weiter zu helfen.

      • Das finde ich jetzt allerdings interessant: Sie wollen für Ihre Arbeit bezahlt werden, das ist ja auch schön, aber ob daran jemand Interesse hat ist immer noch seine oder ihre Entscheidung.

  18. „Seid furchtbar und wehret Euch!“

    Wie war das noch als die Münchner S-Bahn und/oder MVG eine/n professionelle/n Sprecher/in suchte, der/die unentgeltlich alle Haltestellen (bayerisch eingefärbt?) ansagen sollte?
    Er/Sie würde ja dadurch bekannt werden …

    Oder die übliche Tour, wie mit Musikern umgegangen wird.
    Zitat:
    „Wir sind ein kleines Restaurant und suchen …“

    Immer wieder bin ich im Internet über Inserate „gestolpert“, in denen Restaurantbesitzer Bands suchen, die für lau Musik für ihre Gäste machen wollen. So nach dem Motto: „Ihr dürft gerne bei uns spielen, aber zahlen können wir leider nix. Wenn’s gut läuft, gibt’s dann etwas leckeres zu essen“. Das leckere Essen entpuppt sich dann oft als eine nicht durchgebratene Wurst mit einem Stück hartgewordenem Brot, natürlich ohne Senf.

    Ob die Inserate beziehungsweise die Motivation dahinter wirklich echt sind, bleibt unklar, da die ursprüngliche Quelle nicht bekannt ist. Das folgende Beispiel schwirrt aber immer noch im Internet herum.

    Anfrage: Wir sind ein kleines Restaurant und suchen auf diesem Wege Musiker, die bei uns spielen wollen, um bekannt zu werden. Wir können zwar keine Gage zahlen, aber wenn die Musik bei unseren Gästen ankommt, können wir auch an den Wochenenden Tanzveranstaltungen anbieten. Wenn Sie also bekannt werden möchten, melden Sie sich bitte bei uns.

    Als Musiker und Bandmitglied kennt man solche Anfragen natürlich zur Genüge. Antworten hat man immer wieder darauf gegeben, wahrscheinlich nur die falsche. Vielleicht hilft die folgende Antwort bei zukünftigen Verhandlungen mit Veranstaltern, die nicht wissen, dass auch Musiker ihre Rechnungen bezahlen müssen?

    Antwort: Wir sind eine Gruppe Musiker, die in einem recht großen Haus wohnt. Wir suchen ein Restaurant, das gelegentlich bei uns Catering macht, um bekannt zu werden. Wir haben zwar kein Geld, aber wenn Ihr Essen schmeckt, können wir das gern regelmäßig machen. Das wäre eine gute Reklame für Ihr Restaurant. Bitte, melden Sie sich bei uns.

    Vielleicht regt die Antwort den einen oder anderen Veranstalter zum Nachdenken an? Auf die Reaktionen sind wir auf jeden Fall gespannt :-)

    „Seid furchtbar und wehret Euch!“
    P.S. Danke, Frau George!

  19. Ausnahmsweise sind einmal nicht die Bibliotheken an allem Schuld. Oder finden Sie nicht auch hier noch eine Pointe, die dazu führt, sehr geehrte Frau George,,,

  20. Ein Angebot kann man ablehnen oder gegenverhandeln. Beides haben Sie anscheinend nicht getan.
    Ich kann Ihren Ärger nachvollziehen, kenne aber Ihre Preise nicht.

    Ich kann aber auch die Argumentation anderer Foristen nachvollziehen, die nach der Hörprobe ein Buch kaufen! Profitieren Sie dann nicht doch?

    Apropos Urheberrecht: Ist es eigentlich überflüssig Zitate der Mailkontakte richtig zu kennzeichnen?

  21. danke für diese klaren Worte! Ich habe ähnliche „Ist-doch-Werbung-Angebote“ schon abgelehnt und bin dabei auf völliges Unverständnis gestoßen. Nach dem Motto: wie kann man sich so ein tolles Angebot entgehen lassen. Von wegen Reichweite! Wir sind Autoren, keine Volltrottel, merkt Euch das.

  22. Sehr verwunderlich, dass nur Autorinnen angefragt wurden und keine Autoren.
    Es ist wirklich beängstigend wie wenig die Autorin isoliert um was es eigentlich geht und wie sie hierfür auch noch jede Menge Zustimmung erhält. Es ist doch maßlose Selbstüberschätzung zu glauben, dass alle Passagiere ihr Hörbuch hören würde, das würde letztendlich nur ein kleiner Bruchteil. Ein weiterer Bruchteil dieses Bruchteils würde länger als ein paar Minuten rein hören. Ein Buch am Stück auf einem Flug durchzuhören ist praktisch unmöglich, das schafft keiner. Was wird jemand, der das Buch gut findet und länger zugehört hat also tun? Richtig, er/sie würde es kaufen. Und wenn nicht, dann hätte er/sie es sowieso nie gekauft.
    Und was bedeutet das alles für die Autoren und Autorinnen? Vielleicht hören Menschen, die sowieso nie Geld dafür ausgegeben hätten eigenen Teil des Werkes kostenlos. Macht für den Autor finanziell keinen Unterschied. Vielleicht finden sich aber auch neue Leser/Hörer, die das Buch anschließend kaufen. Das wäre dann ein Gewinn. Das Angebot lautet also realistisch 150€ + x anstatt 0€ bei keinerlei Kosten und Risiko. Klingt jetzt nicht super, aber auch nicht so furchtbar wie hier getan wird.
    Von Verlagen lasst ihr euch seit Jahrzehnten abzocken und unterstützt sie auch noch dabei, aber bei neuen Vertriebsformen erstmal auf Panik machen. Letztendlich muss es der Kunde zahlen und der lässt auch nicht alles mit sich machen.

  23. Da prallen bei mir die Ansichten einer Autorin aus der tradierten Vertragswelt wie Nina George auf meine Erfahrungen und Ansichten als Selfpublisher. Und die gehen offensichtlich weit auseinander.

    Als Selfpublisher setze ich auf Serials und auf die Roman-Reihe. Eines der wichtigsten Vermarktungswerkzeuge ist dabei genau das, was Nina George verteufelt. Die Gratisaktion. Sie bringt mir Leser, die meine weiteren Episoden und später auch den Roman kaufen. Jede Aktion bringt messbaren, gesteigerten Umsatz nach der Aktion. Auch bei dem Roman, der gratis beworben wurde. Wieso? Das hat etwas mit dem „digitalen Skaleneffekt“ zu tun, wie ich das nenne. Jeder Gratisdownload bei Amazon füttert die Crosssellingfunktion, mein Buch erhält eine größere Sichtbarkeit. Größere Sichtbarkeit bringt mehr Umsatz. Mehr Umsatz füttert den Bestsellerrang. Ein Skaleneffekt entsteht.

    Die Frage, die sich aus Vermarktungssicht ein Autor stellen muss lautet: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass zufällig ausgerechnet aus meinem bestehenden Leserkreis jemand, der sich sowieso das Hörbuch gekauft hätte, auf diese Gratisaktion stößt? Die Antwort lautet: Gering.

    Hier wird also ein Hörbuch an jemanden abgegeben, der den Autor vermutlich nicht kennt. Das Hörbuch also nie gekauft hätte. Wir sprechen also nicht über verlorenen Umsatz. Sondern über Umsatz, der nie existiert hätte. Das ist der Logikfehler in der Argumentationskette, die mir nahezu immer bei tradierten Autoren begegnet, die über Gratiskaktionen sprechen.

    Sicher, als extrem bekannter Autor steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der jemand mein Hörbuch auswählt. Oder gekauft hätte.

    Aber wenn die Situation detaillierter betrachtet wird: Der Großteil der Mediennutzung in Flugzeugen geht auf Film und Seriennutzung. Nur ein Bruchteil wird auf Hörbücher entfallen. Viele Nutzer bringen eigene Medien mit. Bücher, Smartphones, iPads. Es nutzt längst nicht mehr jeder das Bordentertainment. Rechne ich die Vergütung von 150 Euro auf die ACX-Tantiemen bei Audible um, komme ich auf einen Gegenwert von rund 38 Verkäufen. Das klingt nach wenig, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich tausende von Hörbüchern umgesetzt hätte. Und ich weiß nicht ob Nina George das hätte. Sprechen wir also über echte, entgangene Umsätze – oder über Pseudoumsätze?

    Wo ich Georges Meinnung bin: Bei der Statistik. Wenn das eine Marketingaktion ist, dann will ich, dass der Erfolg messbar ist. Und ich würde mir proaktives Zutun von Audible wünschen. Einen minimalen Rabattgutschein auf Audibles Kosten für einen Roman dieses Autors im Beschreibungstext im Inflight-Entertainment und im Bordmagazin. Das würde dann auch messbare Erfolge ermöglichen.

    • Wenn man aber ein zusätzliches Angebot schaffen will, was spräche dagegen hier eine Vergütung nach gespielter Minute (zuzüglich eines Sockelbetrages vielleicht) zu veranschlagen? Offen gesagt wird der Autor danach wohl eher nicht mehr bekannt sein, die Vertreiberplattform, die wahrscheinlich überall ihr Logo hinpappt aber schon. Und ich nehme an, gerade bei bekannteren Autoren, werden sich die die ein Hörbuch kaufen weil sie es angefangen haben und die die es nicht kaufen weil es doch nicht das richtige ist oder sie es durchgeskippt haben vielleicht sogar die Waage halten.

    • Ich bin auch nicht als Autor tätig, wohl aber selbsständig und freiberuflich.
      Zwischendurch hatte ich auch mit diversen Marketing plattformen Kontakt und kann nachvollziehen, was es kostet, ein Produkt zu vermarkten. Als IT Dienstleister und Dozent bin ich auch auf Mundpropaganda angewiesen, weil ich mir ein Werberbudget mit entsprechender Breitenwirkung nicht leisten kann. Bzw. Der Aufwand steht in meinem Fall in keinem Verhältnis zum Erlös.
      Frau George muss selbst einschätzen, wie viel Umsatz sie nicht macht, wenn die Passagiere das Buch bei Lufthansa/Audible hören.
      Bzw. wie hoch der zusätzliche Umsatz sein kann, den sie macht, wenn die Aktion läuft.
      Natürlich kann man sich über die Übermacht und Großkotzigkeit von Amazon und Lufthansa beschweren. Bringt aber nix. Es wird schon einen Grund haben,warum diese Firmen diesen Rang haben.
      Aus meiner Sicht heraus als Otto Normalflieger glaube ich schon, dass der Effekt funktionieren würde. Langweiliger Flug, kein gscheites Programm im TV, oh ein Hörbuch, ich hör rein. Gefällt mir, kauf ich bzw. wenn ich es komplett gehört habe, kaufe ich andere Titel des Autors.
      So funktioniert Werbung.
      Marlboro verteilt kostenlos Zigaretten bei Konzerten (und zahlt dafür wahrscheinlich auch noch Geld an den Veranstalter), Pringles verteilt kostenlos neue CHipssorten im Supermarkt ( und zahlt auch hier an den supermarkt Gebühren), teilweise zahlen Firmen Geld dafür, dass ihr Produkt im Supermarkt an der richtigen Stelle steht, manchmal sogar überhaupt dafür, dass es verkauft wird.
      Warum sollte man nicht ein paar Gratisversionen eines Buches bei Lufthansa über audibel zur Verfügung stellen?
      Klar, eine Statistik über die Nutzung wäre hilfreich aber es gibt wahrscheinlich genug Autoren, die so clever sind, die Kurve der Verkaufszahlen mit dem Veröffentlichsdatum im Flieger zu vergleichen um zu sehen, ob es einen Knick nach oben gibt.
      Wenn ja ist es schön, wenn nicht kann man aus dem Vertrag ja wieder aussteigen.

      • Schlimm ist immer wenn Menschen Birnen mit Äpfel vergleichen. Sprich – vom Urheberrecht und Nutzungen von urheberrechtlich geschützen Werken eigentlich keine Ahnung haben. Spätestens beim Vergleich mit „Granini“ müsste aber auch jedem Laien die Erleuchtung kommen. Einfacher konnte man es nicht verbildlichen

  24. Guten Morgen,

    Ich danke erst einmal für die konstruktive Auseinandersetzung. Auch empfinde ich die Perspektiven der selbstverlegenden Kolleginnen und Kollegen als extrem nützlich, um das Thema abzurunden und zu vertiefen.

    Auf die Frage von Herrn Hinte, ob ich noch einen Dreh finde, die Bibliotheken anzusprechen: Wenn Sie es gern möchten? ;)

    Was die Frage nach WLAN angeht: Nicht alle AirLines bieten dieses; meine letzen Erfahrungen mit AirFrance Langstrecke etwa sind WLAN-frei. Ich hörte bereits, dass einige andere Airlines jedoch WLAN-Pässe anbieten, kostenfrei oder kostenpflichtig, nicht auf allen, aber manchen Strecken, wie NorwayAirlines etwa. Danke für diese Hinweise.

    Jedoch: Werden Hörbücher oder andere Kulturwerke über WLAN-Streaming abgerufen: ist es zumeist eine Lizenz innerhalb eines (Shop)Systems und der Abruf dokumentierbar.
    Werden Hörbücher aus dem bordeigenen System eingespeist, ist es Vervielfältigung und muss entsprechend vergütet werden.
    Auch die Verbreitung per App – z.B. das Mediapaket bei einer franz. Luftlinie, vor dem Boarding downloadbar – ist ein Vertrieb, für den es eine Lizenz geben muss. Lizenz heißt nicht immer (leider): Vergütung; jedoch erlaubt sie Bedingungen wie etwa Dokumentation des Abrufes, zeitliches Limit, sogar Mengenbeschränkung oder andere Absprachen.

    herzlichst, Ihnen allen einen angenehmen Freitag und ein gutes Wochenende.

    Nina George

    • Vielleicht blöde Frage, aber warum sollte der Abruf von Streams im bordeigenen System nicht dokumentierbar sein? Ist doch auch Streaming, bloß eher im Onboard-LAN und von einem Server an Board statt aus dem WAN. Aus technischer Sicht sehe ich kein Hindernis, hierbei nach Abrufen abzurechnen. Ob diese Funktion so in den gängigen Inflight-Entertainment-Backends implementiert ist, weiß ich nicht, könnte es mir aber (Spielfilme!) vorstellen.

  25. 1.) Natürlich kann man im Flieger WLAN haben. Je nach eingesetzter Technik (v.a. bei bestimmten Frequenzbändern) kann man es sogar produktiv nutzen. Bei meinem letzten Flug mit einer ME3-Airline war die Datenrate aber so kläglich, dass sie nicht einmal für Whatsapp-Nachrichten reichte.

    2.) Düsentriebwerke haben keine Propeller in der Düse. Man spricht von Triebwerksschaufeln. Eine Turbine kann aber einen Propeller antreiben (vgl. Turboprop), der dann aber nicht /in/ der Düse ist. (Wenn eine Triebwerksschaufel verlustig geht, hat das meist keine katastrophalen Folgen, führt aber zu einer Notlandung. Ein Sonderfall sind „uncontained engine failures“, bei denen eine Triebwerksschaufel es schafft, aus der Triebwerksgondel auszubrechen. Nicht gut.)

    3.) Im gegebenen Fall hat für mich Audible die Hauptverantwortung. Es scheint mir, als wollte die Plattform auf Lufthansa-Flügen Werbung machen – auf Kosten der Autoren. Toll für Audible wenn sie so ihre Abonnentenzahlen steigern können. Ob es den Autoren nun hilft, weiß ich natürlich nicht.

    P.S.: Schön ironisch, dass diese Website Skripte von s3.amazonaws.com nachlädt. ;-)

  26. Ein wunderbares Statement. Witzige kurzweilige Lektüre wäre der Anlass nicht so traurig.
    Ich komme ebenfalls aus dem kreativen Bereich und was hier „angeboten“ wird, wird leider in ganz vielen anderen Bereichen genauso versucht.
    Die Komparsen arbeiten für Mindestlohn und wer sich den nicht leisten will (manchmal scheint mir das die Masse der Filmschaffenden zu sein) der zahlt eine sogenannte Aufwandsentschädigung, die weit unter dem Mindestlohn liegt. Darunter viele Theater und zumindest auch eine öffentlich rechtliche Rundfunkanstalt.
    Dafür kann man ja mal in die Arbeit am Set reinschauen, einen vergnüglichen Tag verbringen, meist ohne Essen und Trinken, Erfahrung sammeln usw. ….. diese Branche bietet eine Fülle von diversen Ausbeutungsmöglichkeiten.
    Alle verdienen aber diejenigen, die dafür arbeiten bekommen nichts – außer vielleicht die Luftmöhren (super!).
    Für eine Kurzgeschichte hat mir vor einiger Zeit ein Verlag 30,- Euro geboten. Ich weiß nicht ob das ok ist. Ok fand ich es nicht mehr, dass im Vertrag dann ein umfängliches Nutzungsrecht für alle weiteren Verwertungen gefordert wurde. Am Ende noch ohne eine weitere Honorarzahlung. Ich habe abgelehnt.
    Ein book-on-demand Verlag hat auf meine Anfrage zur Erstellung eines Hörbuches eines ihrer Schützlinge geantwortet, daß der Markt sich nicht lohnt und sie hier keinerlei Rechte herausgeben. Der Autor ist dabei der Gelackmeierte.
    Drehbuchanfragen bekommt man in Massen, bezahlen möchte keiner. Vielleicht auf Rückstellung. Aber wer will das hinterher alles kontrollieren?
    Ich schreibe eine Rede und wenn ich die tatsächliche Arbeitszeit mit dem tatsächlich anzusetzenden Lohn berechnen würde …. ich hätte keine Aufträge mehr.
    Überall dort, wo man die Arbeit/den Arbeitsaufwand nicht sieht, wo er nicht greifbar ist, wird davon ausgegangen, daß das Endprodukt nichts kostet oder eben für „Luftmöhren“ zu haben ist.

    Ich hoffe, daß die Mehrheit der Autoren, denen dieses Marketingmärchen verkauft werden soll, so schlau sind, „NEIN“ zu sagen.

  27. Hallo Nina,
    wenn Lufthansa und Audible es als Werbung verstehen, dann könntest Du ihnen ja auch Werbung zusenden. Also einen „Klappentext“ mit Hörprobe und ein paar Rezensionen. Wenn ihnen Deine Werbung so wertvoll ist, können sie Dir gerne die 150 € dafür geben.
    BTW Eine Lizenz ist eine Nutzungsvereinbarung in der Du jemand anderem die Nutzung Deines Werkes erlaubst, wie weit die Nutzung geht oder ob dafür Geld oder ein anderer Gegenwert fließt ist Teil der Lizenz.
    Auch wenn es wo anders zu lesen ist, es gibt keine Lizenzfreien Werke! Wenn etwas ohne Lizenz öffentlich genutzt wird, ist es illegal.

  28. Bei dieser dreisten Übervorteilung, die Amazon-Audible und Lufthansa bei Autoren und Künstlern abziehen, noch Humor an den Tag zu legen und klare Ansage zu machen…liebe Nina, das ist stark.

    Falls es sowas wie ein natürliches Unrechtsempfinden gibt…meins ist getriggert: Hier missbrauchen Konzerne ihre Macht, erschleichen sich mit fadenscheinigen Argumenten Rechte und pfeifen auf Anstand und soziale Verantwortung. Ich glühe vor Wut!

  29. Alle digitalen Güter haben die Tendenz (leider) irgendwann nur noch zu Selbstkostenpreisen wahrgenommen und vermarktet zu werden.
    Die Entwertung mit Flatrates jeglicher Art beschleunigt diesen Weg nur noch.
    „Sind doch nicht einmal CDs – kann ja nicht soviel kosten.“
    Ich rate ALLEN meinen Autoren in meinem Verlag zu „Alle-you-can-eat“-Angeboten ab. Wer lesen will oder hören, der soll schön den vollen Preis zahlen. Nur das ist fair.
    Und wer das nicht möchte, der soll Goethe lesen.

  30. Nach Lesen des Statements von Nina und einigen Kommentaren von Selfpublishern möchte ich als Selfpublishing-Autorin doch auch gerne einen kleinen Kommentar dazu abgeben: Ein Buch ist Kunst. Genauso wie Musik. Und zunächst einmal Applaus für Nina: Kunst ist nämlich genauso ein Produkt wie ein Flug oder ein Orangensaft von Granini – wobei im Flugzeug ja meist Tomatensaft angeboten wird. Folglich sollte ein Buch oder Hörbuch und Musik auch genauso behandelt werden, sprich bezahlt werden.
    Marketingaktionen ja und gerne auch Preisaktionen, aber nicht zu Konditionen, die in keinem Verhältnis stehen. Wenn wir über eine millionenfache Nutzung sprechen, dann kann man den Autor nicht mit 150 Euro abspeisen. Erstens besteht absolut keine Garantie auf Nachzügler-Verkäufe und zweitens ist das Abzocke und Ausbeutung. Auch Selfpublisher sollten andere Wege als diese suchen, um bekannt zu werden. Zum Beispiel lieber mal den Paten bei der Lufthansa und Amazon-Audible vorbeischicken;)
    LG Sandra Vahle

  31. Herzlichen Dank – du hast es auf den Punkt bzw. Möhren gebracht. Mittlerweile bin ich wie viele nur noch frustriert vom schreiben. Was soll das Ganze? Die meinen, wir sind hirnlose Autoren und Autorinnen! Es reicht. Abzocker im großen Stil. Nicht mit uns bzw. mir als Autorin und Selfpublisherin.
    LG Caroline Régnard-Mayer (Rachel Parker)

  32. Das ist der Trend. Feudalismus der Neuzeit. Aber solange Autoren oder auch Fotografen und auch Musiker bereit sind umsonst zu arbeiten für eine Branche die Milliarden Gewinne verwirklicht mit User-generated content, ist allen nicht zu helfen.

  33. Lufthansa verdient viel Geld mit Hörbücher?
    Den Granini gibt es kostenlos an Board?
    Und was ist, wenn Granini zwar auf der Karte angeboten wird, aber die Fluggäste sich vermehrt für Schweppes entscheiden?
    Und was wäre, wenn die Lufthansa an Board, Pinnchen Graninisaft verschenken würde, und daraufhin 1/3 der Fluggäste Granini kaufen würden?
    Und: Fliegen mehr Gäste mit der Lufthansa, weil MEIN Buch dort als Hörbuch angeboten wird? Oder ist es nicht eher umgekehrt, daß die Bekanntheit des Autors oder gar der Verkauf seiner Werke davon profitert?

    Ich denke, man sollte die Ganze Lizenz- Nutzungsproblematik auch nicht überschätzen.

    Nur weil etwas als Hörbuch angeboten wird, bedeutet NOCH LANGE nicht, daß es auch genutzt/gehört oder noch Geld damit verdient wird.
    Kirche im Dorf lassen!

    Unser Urheberrecht inklusive Lizenz- und Nutzungsrechte enthält einen großen Teil übersteigerter Selbsteinschätzung:

    Nur weil das Urheberkartell der GEMA sich, bzw. ihre Mitglieder daran gewöhnt haben, überall die Hand aufzuhalten, wo ein pieps an Tönen läuft, bedeutet es noch lange nicht, daß es tatsächlich angemessen und berechtigt ist.

    Da ist – was die Ausgewogenheit betrifft – noch Luft nach oben.
    Auch wenn der Grundgedanke der Entlohnung absolut berechtigt ist und ich auch niemanden um Lohn und Brot bringen will!
    (Das ist die absolute Basis meiner ausführenden Gedanken!!)

    Man sollte bemüht sein, die ganze Angelegenheit realistisch zu betrachten, anstatt sich an teils unbrauchbaren Gesetzen des „GEMA Kartells“ ab zu reiben…

  34. Liebe Nina, schauen Sie doch mal hier..

    http://www.fotocommunity.de/blog/verschiedenes/deine-fotos-bald-auf-infoscreens-in-vielen-staedten-deutschlands

    Das sind Ideen.. schreiben Sie doch da mal was darüber.. Zielgruppe sind allerdings Fotoamateure. Denen ist meist der Wert ihrer Werke bzw. das was Brachenüblich gezahlt würde nicht unbedingt geläufig..

    Ob Produktionsunternehmen die für Fernsehanstalten Wetterberichte produzieren oder Zeitungsverlage die ihre Leserschaft auffordern Reisebilder zu senden..

    ..ich denke insgesamt ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten..

    Bis bald Nina..

    • Liebe Fotocommunity,

      ich arbeite als Neurochirug in einer großen Universitätsklinik.

      Das für mich sehr interessante Phänomen der digitalen Gesellschaft – das Menschen einzig für den Lohn der Anerkennung bereit sind umsonst zu arbeiten, habe ich mir von einer beruflichen Kollegin ( Dipl. Psychiaterin mit 30 Jahren Beruferfahrung ) die bei uns im Hause tätig ist, ausführlich erklären lassen.

      Ihre Meinung dazu: Den Umstand das die „Sucht nach Anerkennung“ größer ist als „Hunger und Durst“ nutzen manche ziemlich ausgiebig und einseitig für ihre Geschäftsmodelle aus. Menschliches Verhalten lässt sich vorab ganz einfach berechnen um damit zielgerichtet zu kalkulieren.

      Danke Nina für ihren erhellenden Beitrag in dieser Community.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.