Heinrich von Berenberg und Antje Haack über die neue Paperback-Reihe bei Berenberg „Neues und Etabliertes kann auch gut Hand in Hand gehen“

Heinrich von Berenberg (c) Cordula Giese

Am 25. Februar erscheinen im Berenberg Verlag die ersten beiden Titel einer neuen Paperback-Reihe, die „leicht und farbenfroh“, ein echter Kontrast zu den klassischen Berenberg-Büchern sein soll. Wir sprachen dazu mit Verleger Heinrich von Berenberg und Antje Haack von der Agentur Lichten aus Hamburg, die die Reihe gestaltet hat.

 

„Es muss nicht immer Halbleinen sein! (Oder Fadenheftung.)“, schreiben Sie in Ihrer Vorschau auf den Seiten, auf denen sie eine neue Reihe ankündigen. Das sind neue Töne?

Heinrich von Berenberg: Ja, das sind neue Töne, die jeder Verlag von Zeit zu Zeit hören lassen sollte.  Es sind im Laufe der Zeit bei uns eine Reihe von Titeln erschienen, die mit edlem Halbleinen und Fadenheftung auf eine Weise verpackt wurden, dass die Schwelle doch etwas zu hoch lag. Perry Andersons Türkei-Buch „Nach Atatürk“, das im Herbst in einer Neuauflage erscheint, ist ein gutes Beispiel.

Antje Haack (c) Carsten Dammann

Welche Inhalte möchten Sie mit der Paperback-Reihe transportieren?

Heinrich von Berenberg: Zeitgeschichte, Politik, das vor allem. Ein Beispiel ist Christian Bommarius‘ Der gute Deutsche über ein besonders finsteres Kapitel deutscher Kolonialgeschichte. Solche Wiederaufnahmen von eigenen oder andernorts erschienenen Büchern, wie z. B. Christine Wunnickes Nagasaki, ca. 1642 gehören dazu.  Im Herbst publizieren wir ein kleines, sehr engagiertes Buch zur Aktualität des Antisemitismus von der Londoner Rabbinerin Julia Neuberger. Das passt perfekt in diese neue Reihe.

Die Reihe wird sowohl Originalausgaben als auch Neuauflagen beinhalten?

Heinrich von Berenberg: Genau. Unbedingt beides. Mit Eliot Weinbergers Buch Neulich in Amerika, das Artikel und Polemiken aus Trumps Amerika versammelt, legen wir in der Reihe eine Originalausgabe vor.

Die Berenberg-Bücher haben durch ihre Ausstattung und Gestaltung mit schwarzem Halbleinen und farbigem Streifen inzwischen einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Die neuen Paperbacks sehen nun so ganz anders aus, ist das nicht ein großes Wagnis?

Antje Haack: Aus markenstrategischer Sicht könnte man natürlich argumentieren, dass alles, was nicht aussieht, wie die klassischen Halbleinenbände, nicht zur Stärkung der Marke Berenberg beiträgt und man deshalb die Finger davon lassen sollte. Wir haben auch einige Diskussionen darüber geführt. Letztendlich aber überwiegt bei uns die große Lust auf etwas Neues. Wir glauben, dass es im Berenberg Verlag auch mehrere starke Reihen geben kann und dass Neues und Etabliertes auch gut Hand in Hand gehen kann, ohne sich gegenseitig die Aufmerksamkeit streitig zu machen. Wir sind also zu dem Schluss gekommen, dass die Marke Berenberg gerade durch die neue Reihe auch an Stärke gewinnt.

Welche Vorbilder haben Sie herstellerisch für eine Paperback-Reihe? Worauf legen Sie besonders Wert?

Antje Haack: Eine ungewöhnliche Inspiration waren für uns die schönen kleinen Bände, die im neu gegründeten Verlag unseres kolumbianischen Autors Hector Abad, Angosta Editores in Medellín erschienen sind – kleine, fein gestaltete Klappenbroschuren mit einem variablen, anpassungsfähigen Umschlagdesign.

Aber ein konkretes Vorbild gibt es nicht. Vielmehr wollten wir eine Reihe, die genauso gut funktioniert, wie unsere schwarzen Halbleinenbände. Also ein Konzept, das einen eindeutigen Reihencharakter hat, aber trotzdem jedem Titel genug Raum für eine eigene individuelle Gestaltung gibt. Wir wollten einen Kontrast zu den gebundenen Büchern –  kleine leichte Handschmeichler. Mit dem ungewöhnlichen Umschlagmaterial, einem durch Prägung veredelten Naturpapier von Fedrigoni, haben wir wieder eine besondere und hochwertige Haptik gefunden.

Was ist die optische Klammer für die Reihe?

Antje Haack: Die mal abstrakten, mal gegenständlichen Covermotive entstehen durch übereinandergelegte transparente farbige Flächen. Optisch entsteht so ein guter Zusammenhalt, wir können aber trotzdem mit der Wahl der Farben und Formen auf jeden Titel passend eingehen. Damit haben wir wieder einen Rahmen gefunden, innerhalb dessen wir uns frei bewegen und unterschiedlichste Texte optisch zusammenbringen können.

Den farbigen Streifen der Halbleinenbände kann man, in etwas anderer Form, auch wiederfinden.

Ein paar Worte zur Preisgestaltung?

Heinrich von Berenberg: Wir möchten vermeiden, dass die Bücher in dieser Reihe als Taschenbücher gesehen werden. Deshalb die Klappenbroschur und die haptisch, wie wir finden, sehr schöne Oberfläche. Und wir möchten auch preislich ein wenig oberhalb der Taschenbuchgrenze bleiben, um zu signalisieren, dass hier etwas Besonderes beabsichtigt ist.

Wo würden Sie die Titel in der Buchhandlung platzieren?

Heinrich von Berenberg: Nach Möglichkeit an bester Stelle!

Antje Haack: Im Schaufenster!

 
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