Der Literaturnobelpreis  2018 geht an Olga Tokarczuk- und ihre Bücher erscheinen beim Kampa Verlag Nachgefragt: Wie war Ihr Tag gestern, Daniel Kampa?

Dabiel Kampa: „Ich kann es momentan, ehrlich gesagt, immer noch nicht glauben …“

Der Literaturnobelpreis  2018 geht an Olga Tokarczuk – ihr Gesamtwerk erscheint bei Kampa. Im Vormessestress haben wir Verleger Daniel Kampa auf dem Weg nach Düsseldorf zu einer  Pressekonferenz erreicht und ihn gefragt: 

Wie war Ihr Tag gestern?
Daniel Kampa: Bis 13 Uhr herrschte der normale Irrsinn eines jungen Verlags, der seinen ersten Buchmessestand vorbereiten muss, gestresst an der Frühjahrsvorschau arbeitet, nebenbei schnell noch einige Bücher fertigmacht, versucht, die Leseexemplare termingerecht auf den Weg zu bringen und sich mit lästiger Administration und Buchhaltung herumschlägt. Ab 13 Uhr, mit der Verkündung des Literaturnobelpreises an Olga Tokarczuk, wurde der Irrsinn dann noch ein bisschen irrsinniger.
Gehts noch irrsinniger?
Es ist schon seltsam, wenn aus dem Nichts eine Dame aus Schweden anruft und darum bittet, Olga Tokarczuk zu finden, weil die Akademie sie nicht erreichen kann. Die Autorin ist gerade in Deutschland auf Lesereise und war irgendwo auf der Autobahn zwischen Potsdam und Bielefeld, und ihr Mann musste erst einmal bei der nächsten Raststätte anhalten. Wir und unser Hamburger Pressebüro Politycki & Partner bekamen Hunderte von E-Mails und Anrufe. Ein türkisches Fernsehteam wollte wissen, wohin es fliegen muss, um Tokarczuk zu filmen, ein amerikanischer Radiosender wollte ein Interview mit »Olga« und unterstrich die Dringlichkeit mit dem Satz: »Wir haben 30 Millionen Hörer!«
Wichtig für den Handel aber:  können Sie liefern? 
Als zwei Stunden später der 1200-Seiten-Roman Die Jakobsbücher, von dem wir vorher nur 1200 Exemplare verkauft hatten, und Unrast, der im Frühjahr erschienen ist, je über 10 000 mal nachbestellt wurden, meinte unsere Verkaufsleiterin Anica Jonas, wie immer die Ruhe selbst, lapidar: »Ich glaube, wir sollten vielleicht nachdrucken.«
Werden weitere Bücher von Olga Tokarczuk im Kampa Verlag erscheinen?
Ja, die drei Romane Gesang der Fledermäuse, Ur und andere Zeiten und Taghaus, Nachthaus, die eigentlich nächstes Jahr erscheinen sollten, werden, so Gott bzw. Papierlieferant und Drucker wollen und unser Satzdienstleister Pagina und unser Hersteller Jan Kermes nicht umkippen, noch im November erscheinen. Die Nachfrage und Neugier ist groß, aber noch wichtiger, so finde ich, ist, dass diese drei Romane den Leserinnen und Leser schnell zugänglich gemacht werden. Sie sind traditioneller erzählt und kürzer als Unrast oder Die Jakobsbücher, also ein idealer Einstieg in den Kosmos dieser phantastischen Erzählerin.
Was muss man über ihre Bücher wissen?
Es sind drei wunderbar lesbare Bücher, Gesang der Fledermäuse ist ein metaphysischer Krimi, voll skurrilem Witz und gleichzeitig ein Warnung an uns alle, sorgsamer mit der Natur, den Tieren umzugehen; Ur und andere Zeiten sowie Taghaus, Nachthaus sind zwei Romane, die in einem kleinen Dorf spielen und ein Panoptikum wunderbarer Figuren und Geschichte in einer Revue der Geschichte des 20. Jahrhunderts präsentieren. Im Frühjahr 2020 erscheinen dann zwei weitere ältere Titel von Olga Tokarczuk und im Herbst ihr neuestes Werk.

 

Wie waren die Reaktionen der Kollegen?

Wir haben viele Glückwünsche bekommen, über die wir uns sehr gefreut haben. Der Schöffling Verlag, der sich früh für Olga Tokarczuk eingesetzt hat, hat uns sehr schnell und unkompliziert die Übersetzungsrechte für Gesang der Fledermäuse lizenziert, sodass der Roman schon bald erscheinen kann. Ich bin Klaus Schöffling und seinem Team dafür sehr dankbar!

Ist es ein guter Nobelpreis für den Buchhandel?
Ich glaube schon, denn mit Olga Tokarczuk gibt es in diesem Jahr einen »lesbaren Nobelpreis« – und das von einer Autorin, deren Bücher noch nicht jeder im Regal stehen hat. Wir bringen zudem bewusst alle Bücher als Hardcover heraus und vergeben zur Zeit keine Taschenbuchrechte. Der Buchhandel profitiert ja auch davon, dass es dieses Jahr gleich zwei Nobelpreise gibt und mit Peter Handke ein weiteres großartiges Werk ausgezeichnet wurde. Herzliche Gratulation an dieser Stelle auch an die Verlage Suhrkamp und Jung und Jung!
Ein Nobelpreis für eine Autorin, deren Gesamtwerk Sie betreuen, und das ein Jahr nach Verlagsgründung. Wie gut ist das für Sie? 
Fragen Sie mich das doch bitte nächste Woche noch mal, wir haben ja unseren Stand in Frankfurt direkt gegenüber vom BuchMarkt-Stand. Ich kann es momentan, ehrlich gesagt, immer noch nicht glauben …
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