Gestorben Monika Schoeller

Monika Schoeller (2011) (c) Barbara Klemm

Wir trauern um eine einzigartige Frau und Verlegerin: Monika Schoeller ist nach kurzer schwerer Krankheit am 17. Oktober 2019 in Filderstadt bei Stuttgart im Alter von 80 Jahren gestorben.  Diese Nachricht erreicht uns gerade aus ihrem Hause. Sie war Gesellschafterin der Holtzbrinck Publishing Group, Verlegerin der S. Fischer Verlage in Frankfurt am Main und Gründerin der S. Fischer Stiftung in Berlin.

Am 15. September 1939 wurde Monika Schoeller in Stuttgart geboren. Die Tochter des Verlegers Georg von Holtzbrinck studierte in München, Wien, Paris, London Sprachen und in Zürich Kunstgeschichte und Germanistik. Sie lernte das Verlagshandwerk unter anderem beim Verlag Artemis & Winkler. 1974 wurde sie Verlegerin des S. Fischer Verlags in Frankfurt am Main. Ende 2002 zog sich Monika Schoeller aus der operativen Arbeit zurück, blieb aber bis zu ihrem Tod Verlegerin und Mitglied der Geschäftsführung. Unter der Leitung von Monika Schoeller brachte der S. Fischer Verlag zahlreiche große Editionen heraus, spektakulär war zum Beispiel die Veröffentlichung der Tagebücher Thomas Manns ab 1977 oder die Große kommentierte Frankfurter Ausgabe (GKFA) der Werke Thomas Manns im Jahr 2002. Weitere Werkausgaben erschienen, so von Ilse Aichinger, Sigmund Freud, Carl Zuckmayer, Arthur Schnitzler, Alfred Kerr, Heinrich Mann, Franz Kafka und Hubert Fichte, außerdem initiierte sie 1977 die „Schwarze Reihe“, die bislang umfangreichste Buchreihe zum Nationalsozialismus weltweit sowie die weitsichtigen Reihen „Die Frau in der Gesellschaft“ und „Fischer Alternativ“.

Gemeinsam mit ihrem Bruder Stefan von Holtzbrinck war sie Gesellschafterin der Holtzbrinck Publishing Group, zu der Qualitätsmedien und Verlagshäuser wie “Nature”, Macmillan und neben Fischer auch die deutschen Verlage Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch sowie Droemer Knaur gehören.

Die S. Fischer Stiftung wurde 2003 als private Stiftung von Monika Schoeller gegründet. Die Stiftung widmet sich dem kulturellen, insbesondere literarischen Austausch. So fördert die S. Fischer Stiftung seit 2003 Übersetzungen deutschsprachiger Gegenwartsliteratur in Russland, der Ukraine, Belarus, Ungarn, Polen und der Türkei. 2008 initiierte sie das europäische Netzwerk für Literatur und Bücher TRADUKI. 2012 begründete die S. Fischer Stiftung gemeinsam mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung “Debates on Europe”.

Für ihr Engagement erhielt Monika Schoeller zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt und die Maecenas-Ehrung des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute.

Dr. Stefan von Holtzbrinck: “Meine Schwester war für neue Entwicklungen und Veränderungen immer aufgeschlossen und konnte dabei das Wesentliche von der Mode unterscheiden. Es ging ihr um das Detail, wenn es Grundsätzliches barg. Es ging ihr um Werte wie Stil, Anstand und Geduld, aber vor allem auch um diejenigen, die wir in der jüngsten deutschen Geschichte so bitter und mühevoll erlernen mussten und immer wieder aufs Neue erlernen müssen: Toleranz und Mitmenschlichkeit, den Willen zu Freiheit und Gerechtigkeit.”

Die obige Eingangszeile: „Sie war eine großartige Frau“ trifft nur halb, was mir jetzt bei dieser Nachricht durch den Kopf geht – meine erste Begegnung mit ihr gehört zu den nachdrücklichsten Erlebnissen, an die ich aus meinen Jahren mit BuchMarkt zurückdenke. Der Anlass war das 100 jährige Jubiläum ihres Verlages, dessen Inhaberin sie aber nicht nur war, sondern (das wurde mir in dem Gesprüch klar) es war IHR Verlag,  für den sie lebte, mit  Leib und Seele. Ein ähnlich intimes Gespräch hatte viele Jahre zuvor nur mit ihrem Vater vor dessen 70. Geburtstag geführt, danach nie wieder in solcher Intensität  leider auch nicht wieder mit ihr. Zwei Stunden lang haben wir uns unterhalten können, das verabredete nächste Interview (ihr letzter Satz hat mich mit Stolz erfüllt: „Ich freue mich auf unser nächstes Gespräch in zehn Jahren“) ist leider nie zu Stande gekommen. 

Ich verneige mich vor der Verlegerin des Jahres 2008. 

Christian von Zittwitz

Kommentare (1)
  1. Kurz nach Liselotte Bergh-Weiss ist nun Monika Schoeller gestorben. Ich bedauere es sehr, sie als Verlegerin im Haus nicht mehr erlebt zu haben, vielleicht hätte ich es damals nicht so leichtfertig verlassen sollen. Wie gut, dass Sie ein persönliches Wort fanden.
    Dr. Hans Altenhein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.