Das Autorengespräch Moa Graven über ihre vier unterschiedlichen Krimi-Reihen: „Manchmal fühlt es sich schon ein wenig schizophren an!“

Als gebürtige Ostfriesin kam Moa Graven durch Umwege über den Journalismus selber zum Krimi-Schreiben und entdeckte so erst mit 50 ihre „Leidenschaft für das subtile Verbrechen“. Das war im Jahr 2013, als sie ihren ersten Krimi Mörderischer Kaufrausch mit Ermittler Jochen Guntram als Fortsetzung in einem Monatsmagazin veröffentlichte. Seither hat sie viele Leichen in Ostfriesland hinterlassen mit völlig unterschiedlichen Ermittlern und Charakteren, weshalb sie stets in verschiedene Gefühlswelten schlüpft.  Sie arbeitet mittlerweile an vier Krimi-Reihen – Dies war Anlass für Fragen an die Autorin.

BuchMarkt: Frau Graven, wie kamen Sie zum Schreiben?

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Moa Graven

Moa Graven: Wenn man mich fragt, warum ich Krimis schreibe, dann muss ich immer schmunzeln. Es war nämlich der pure Zufall. Ich erzähle dann gerne, dass ich erst mit 50 meine Leidenschaft für das subtile Verbrechen entdeckt habe. Denn alles begann, als ich in meiner Eigenschaft als freie Journalistin einen Fortsetzungskrimi in einem Monatsmagazin schrieb. Ich erfand Kommissar Guntram, der einen Fall in meiner Heimatstadt Leer löst. Das war 2013. Und seitdem ist viel passiert. Ich brachte den Krimi, weil das Interesse groß war, in Eigenregie als Heftroman heraus. Und ich schrieb weiter und weiter. Im Februar erscheint der 9. Krimi mit dem Titel Hannah – Vergessene Gräber.

Sie hat’s also voll gepackt –  wie viele Reihen gibt es denn? Kommen Sie da nicht durcheinander?

Mittlerweile arbeite ich an insgesamt vier Krimi-Reihen mit völlig unterschiedlichen Charakteren. Nein, denn immer, wenn ich einen neuen Krimi beginne, dann schlüpfe ich in völlig unterschiedliche Gefühlswelten und Ansichten.  Manchmal fühlt es sich schon ein wenig schizophren an, doch nur an einer Reihe schreiben, das wäre mir zu langweilig.

Welcher Roman ist aktuell erschienen? Mit welchem Ermittler?

Der neuste Kriminalroman mit dem Titel Blindgänger ist der sechste Fall für meinen Profiler Jan Krömer, der in Aurich arbeitet. Er kam am 01. Januar 2017 heraus. Auch diese Reihe war ein Zufall, weil ich einen Krimi schrieb, der auf Norderney spielt. Und plötzlich war es eine Reihe. Jan Krömer ließ mich nicht mehr los und jagt seitdem mit seiner Kollegin Lisa Berthold immer Serientäter. Er ist einfach der Typ dafür. Er ist still, völlig gewaltfrei und oft melancholisch. Die Frauen lieben ihn. In Blindgänger bekommen sie es mit einer Mordserie zu tun, die sich erst nach dem Verschwinden eines augenscheinlich unbescholtenen Mannes entwickelt. Erste Leserstimmen nennen den Krimi spannend, aber grausam.  Und ich glaube, das ist es, was Leser möchten. Sie wollen an die Grenzen des Erträglichen geführt werden, aber nur fiktiv. Dieser Nervenkitzel macht die Reihe um Jan Krömer aus.

Und wo bleiben die starken Frauen?

Richtig. Ganz anders verhält es sich mit meiner Krimi-Reihe um Eva Sturm, die ich kurzerhand 2015 auf der ostfriesischen Insel Langeoog zum Einsatz brachte. Im März wird ihr 9. Fall mit dem Titel Wenn es Abend wird, Schatz erscheinen. Auch Eva war eigentlich nur ein Versuchsballon. Ich wollte sehen, ob es sich anders anfühlt, wenn ich eine Frau als Hauptfigur habe. Und ja, es ist ganz anders. Eva geht anders an die Sache ran, und sie ist manchmal viel zu sehr persönlich involviert. Ich glaube, das ist bei Frauen wirklich so. Ich selber liebe zum Beispiel Bella Block, die nach einem langen Arbeitstag alleine in ihrer Wohnung Rotwein trinkt. Sie ist dann so verletzlich. So ist auch Eva. Es ist schwer für andere, an die heranzukommen. Nur Jürgen von der Touristinfo hat einen guten Draht zu ihr und weicht ihr praktisch nicht mehr von der Seite. Die Leser fieberten lange mit, ob aus den beiden auch ein Paar wird. Nun, das wird sich im Laufe des Jahres zeigen. Denn in den Krimis wird nach und nach Evas Vergangenheit entblättert und man erfährt, warum sie ist, wie sie ist.

Und last but not least?

Und last und hoffentlich auch least  lief mir gedanklich Joachim Stein über den Weg. Er ist Der Adler in meiner vierten Krimi-Reihe, die in Friesland spielt. Er arbeitete als Polizeipsychologe in Frankfurt und wurde wegen Fehlverhaltens, um es vorsichtig zu formulieren, mit gerade mal Mitte vierzig pensioniert. Ein harter Schlag für einen Mann, der nur für seinen Job gelebt hat. Er flüchtet sich in eine alte leerstehende Mühle in Horumersiel. Die Polizistin Mona Lu in Wangerland und der Journalist Hauke Flessner spüren ihn aus verschiedenen Gründen auf. Und ab dem Tag arbeiten die drei gemeinsam an den Mordfällen. Nebel ist der 3. Fall und erscheint im April.

Wieso haben Sie Ihre Bücher selbst verlegt?

Zu Beginn war alles nur ein Hobby, denn ich arbeitete ja eigentlich als Angestellte. Ich habe versucht einen Verlag zu finden –  leider vergeblich. Kurzentschlossen gründete ich 2014 selber einen und bekam prompt auch Nachfragen von anderen Verlagen. Allerdings war ich da schon längst so weit, alles in Eigenregie zu managen. Die Zeit bis zu den ersten Erfolgen war einfach zu hart, als dass ich mich noch in fremde Hände hätte begeben können. Ich habe viele Klinken geputzt, zig Lesungen im ganzen Bundesgebiet selbst organisiert und meine Bücher auf Hobby-und Freizeitmessen verkauft. Damit habe ich mir eine treue Leserschaft erarbeitet und kann resümieren, dass 2016 100.000 Bücher von mir gelesen wurden. Ich habe Fans in ganz Deutschland, die meine Ostfrieslandkrimis zu lieben scheinen, meinen Stil zu schreiben und sie verfolgen alles, was ich mache, auf den sozialen Netzwerken.

Sie haben sich quasi selbst erfunden?

Das könnte man so sagen, ja! Und das ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Es stärkt mich in meinem Tun. Und so werde ich 2017 jeden Monat einen Krimi in einer meiner Krimi-Reihen herausbringen, weil  die Leser schon darauf warten, wie sie mir immer wieder verraten.

Ihr Tipp an alle anderen Autoren?

Wenn du ein gutes Gefühl hast, bei dem, was du tust, dann mach dein Ding und warte nicht darauf, dass dich jemand bei der Hand nimmt. Das wird nicht passieren.

Was lesen Sie privat gerne?

Früher ja, da war ich selber eine Leseratte und ein großer Fan von Schwedenkrimis. Und heute habe ich selber Fans. Hätte mir das jemand vor fünf Jahren erzählt, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Selber komme ich heute kaum noch zum Lesen. Dafür habe ich meine Leidenschaft für Hörbücher entdeckt. Jeden Abend im Bett höre ich mit dem Timer dreißig Minuten und schlafe entspannt ein. Natürlich sind es Krimis. Im Moment das Paket von Sebastian Fitzek.

Die Fragen stellte Franziska Altepost

In der letzten Woche sprachen wir mit Thomas Heerma van Voss über seinen Roman Stern geht (Schöffling & Co.).

 

 

 

 

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