Kübra Gümüsay über "Sprache und Sein" (Hanser Berlin) „Mein Buch ist ein politisches Buch, aber zugleich ist es persönlich, poetisch, und philosophisch“

Kübra Gümüsay: „‚Sprache und Sein‘ ist ein Buch gegen die Verunsicherung und die Ratlosigkeit aller, die sich als Demokraten verstehen“ (c) Paula Winkler

Bei Hanser Berlin erscheint in Kürze (ET 27.01) das Buch Sprache und Sein von Kübra Gümüsay. Hier beschreibt die Autorin, wie Sprache unser Denken prägt und unsere Politik bestimmt. „Ein beeindruckendes Buch, poetisch und politisch zugleich.“

BuchMarkt: Worum geht es in dem Buch?

Kübra Gümüsay: Wenn wir unsere gegenwärtigen Debatten anschauen – ihre teilweise groteske Absurdität betrachten, dann ist klar: Etwas ist grundverkehrt an unserer Diskurskultur. Sie ist durchzogen von Provokationen, Empörungen und inszenierten „Gesprächen“, bei denen vermeintlich absolute Wahrheiten postuliert werden, die gegeneinander antreten und um die Gunst des Publikums buhlen. Keine tatsächlichen Gespräche, in denen wir einander zuhören und die uns weiterbringen.

Dieses Buch sucht nach ihren Ursprüngen, der Architektur unserer Sprache und unseres Sprechens. Wie prägt Sprache unser Leben? Wie beeinflusst sie unser Erleben? Und: Wie könnten wir anders sprechen? So sprechen, dass wir uns selbst besser mitteilen und – auch als Gesellschaft – besser miteinander verständigen können?

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Wie entstand die Idee dazu?

Als ich für einige Jahre in Oxford, Großbritannien, lebte, gehörten Räume des öffentlichen, gemeinsamen Denkens, also diese tatsächlichen Gespräche zu meinem Alltag. Das wurde mir aber erst richtig bewusst, als ich nach Deutschland zurückgekommen bin und da habe ich diese Räume stark vermisst. Räume, in denen wir zweifeln, umdenken und uns hinterfragen können – auf eine Weise, in der wir einander zugewandt sind, und nicht destruktiv. Wie soll eine Zivilgesellschaft nachhaltig funktionieren, wenn wir dort immer nur verfestigte Meinungen und geharnischte Positionen austauschen und wir einander nicht an den Denkprozessen teilhaben lassen?

Dieses Gefühl, nicht mehr Sprechen zu können, in der Sprache nicht mehr sein zu können, war der Anfang für dieses Buch. Und die Sehnsucht nach einer Sprache, die anders funktioniert.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Wie können wir miteinander reden, gerade auch wenn wir nicht einer Meinung sind? Wie können wir – als Gesellschaft – sinnvoll miteinander streiten, während die Rechten gezielt Gräben aufreißen? „Sprache und Sein“ ist ein Buch gegen die Verunsicherung und die Ratlosigkeit aller, die sich als Demokraten verstehen.

Welche drei Wörter beschreiben das Buch perfekt?

Ich hoffe die drei Wörter seines Titels beschreiben es gut: Sprache und Sein. Ich wollte zugänglich, empathisch und emphatisch sein. Aber Buchhändler*innen sind so viel besser darin, Bücher auf den Punkt zu bringen als ich selbst!

Was wünschen Sie sich als Reaktion der Leserinnen und Leser?

Ich wünsche mir, dass sie sich inspiriert fühlen, die Welt, die Sprache, unsere politischen Diskurse mit neuen Augen zu betrachten. Die Architektur unserer Sprache, unseres Diskurses sehen. Und sich fragen: Sind wir einverstanden mit dieser Prägung? Wie könnte ein anderes Sprechen aussehen?

Was macht das Buch so besonders?

Mein Buch ist ein politisches Buch, aber zugleich ist es persönlich, poetisch, und philosophisch. Mir war wichtig zu zeigen, wie all die Themen, die so polarisiert und teilweise gehässig diskutiert werden, auch anders – konstruktiv und zugewandt – diskutiert werden könnten. Gerade in diesen Zeiten.

Welche Lektüre lesen Sie privat gerne/aktuell?

Normalerweise lese ich hauptsächlich Sachbücher, immer mehrere zugleich. Doch es zieht mich zunehmend zu Romanen. Aktuell lese ich Miroloi von Karen Köhler und Herkunft von Saša Stanišič. Zwei wunderbare Menschen – nebst ihres Schreib-Daseins. Sie lasen kürzlich gemeinsam auf einer Lesung in Hamburg und obwohl es sehr unterschiedliche Romane sind, hatten die beiden – seit Jahren befreundet – eine so besondere Energie miteinander. Deshalb lese ich sie zeitgleich.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Was dieses Buch für mich bedeutet.

Hier können Sie das nun tun:

Mit diesem Buch habe ich zur Sprache gefunden. Mich in dieser Sprache, im Sprechen emanzipiert. Einen Weg gefunden, frei zu sprechen. Nicht um zu erklären, sondern um zu sein.

 

 

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