Runde Geburtstage Lianne Kolf (70)

Die Literaturagentin Lianne Kolf wird heute 70 Jahre alt. Ihr gratulieren Guenter G. Rodewald, der von 1986 bis 2016 in Barcelona als Literaturagent tätig war und seit dem Sommer 2016 wieder in seiner Heimatstadt Bremen lebt und ihr Freund und Weggefährte Lothar Menne:

Lianne Kolf

Ach, Lianne,

jetzt pochen schon die Kinder von einst an unsere Pforte, und ich soll Lianne Kolf zum 70. gratulieren.

Nichts Menschliches ist ihr fremd – wie auch, wenn man weiland in Starnberg mit Yves Buchheim, Helmut Dietl, Patrick Süskind und noch ein paar Illuminati die Schule überstanden hat; sowas engt die beruflichen Wahlmöglichkeiten ein, das Versicherungswesen ist keine Option, es muss schon etwas mit den schöpferischen Gewerben sein, vorzugsweise mit Büchern und deren Autoren zu tun haben. Für Desch und Molden brachte sie als Vertriebsleiterin die Bücher in den Handel,

dann obsiegten die Unabhängigkeitsbestrebungen, und nun bringt sie die Werke ihrer Autoren in die Verlage –  die Literarische Agentur Lianne Kolf ist die doyenne unter den Agenturen für deutschsprachige Autoren.

Und was für Autoren! Iny Lorentz, Ulrich Strunz, Marion Grillparzer, Melissa Müller, Lothar Seiwert sind einige ihrer Klassiker, im Verbund mit etlichen Schicksalsbüchern gequälter Opfer sämtlicher Kontinente, aber im Lauf der Jahre kamen neue Sterne dazu: Daniel Speck, B.C. Schiller, Hanni Münzer, Eric Stehfest und Guido Maria Kretschmer – und das sind nur jene, die mir unter rund hundert Klienten nach der einen oder anderen Flasche Wein um Mitternacht noch einfallen. Und mit Isabel Schickinger ist sie ohnehin eine der Königinnen der Buchverfilmungen.

Jedem Erfolg wohnt ein Geheimnis inne, aber Liannes Erfolgsgeheimnis ist alles andere als unsichtbar; natürlich ist sie ein social animal, das bei Schumann’s, in Jimmys Bar zu Frankfurt, aber ebenso in einer Vielfalt Münchner Kneipen jede Runde bis zum beschwingten Ende unterhält. Aber in friedlicher Koexistenz mit der charmanten, einfallsreichen Entertainerin gedeiht bei ihr bewundernswerte Hartnäckigkeit, wenn es um ein Projekt oder die Interessen ihrer Autoren geht; in etlichen Dekaden habe ich noch nie erlebt, dass ihr die Argumente ausgingen, und irgendwann habe ich meist auch nachgegeben.

Eine Qualität überstrahlt jedoch alle anderen professionellen wie privaten Talente des Geburtstagskinds: Bedingungslose Loyalität, gepaart mit der seltenen Gabe, Freundschaften über Jahrzehnte zu pflegen. Ich bin überzeugt, dass Lianne physisch und seelisch außerstande ist, eine oder einen, die ihr nahe stehen, zu verraten oder im Stich zu lassen. Wenn es dir gut geht, freut sie sich mit dir, wenn du am Boden liegst, hilft sie dir wieder auf, tröstet dich und tut alles, um dir zu helfen.

Massel tov, Schwesterchen, lass Dich von Christian, von Isabel, Renate, Simone und uns allen feiern. Bis 120!

Dein Lothar

 

Guenter Rodewald schreibt:

Liebe Lianne,

Ich mag’s nicht so ganz glauben – aber sind es nun tatsächlich doch schon wieder zehn Jahre her, dass wir Deinen letzten runden Geburtstag auf Deinem wunderschönen Fest im Englischen Park gefeiert haben? Immerhin drei lukrative Anlässe hatte der sommerliche Abend: eben Deinen Sechzigsten, Christians Sechsundsechzigsten und Euren gemeinsamen Hochzeitstag, der damals immerhin frische sechs Monate zurücklag und der – jetzt ganz schnell und hoffentlich richtig hochgerechnet – nach Monaten bereits zum 126. Mal gefeiert werden könnte.

Deine Lust aufs Feiern kenne ich, so vermute ich, Du wirst es Dir nicht nehmen lassen, auch zum Eintritt in das neue Dezennium die Musik aufspielen und Dir & Euch einen gepflegten Schampus einschenken zu lassen. Wo immer Ihr auch am heutigen Tag gerade steckt, in der bayerischen Metropole oder auf Deiner, Eurer geliebten Insel.

Feiern ja, da fallen mir noch ein paar mehr ein, die wir zusammen erlebt haben: Eine fand 2005 statt, als Ute Körner (1939-2008) und ich unser neu bezogenes Büro in Barcelona einweihten und Du plötzlich als Überraschungsgast vor der Tür standest. Ich erinnere mich, wie mächtig Ute und ich uns gefreut haben, dass Du den weiten Weg von München bis zu uns gemacht hattest. Es war ein sehr schönes Fest …

Und dann gab es da noch eine ganz andere Sause, es war in einer winzig kleinen Bar in der Nähe Deiner Agentur in Schwabing, deren Namen ich heute nicht mehr weiß, aber wo die Wirtin ihren Geburtstag feierte und den ganzen Abend und bis in die späte Nacht Schlager und Lieder von Udo Jürgens liefen. Du klärtest mich auf, dass Udo Jürgens als Idol bei Lesben gelte. Ich kannte bis dahin nur Marianne Rosenberg als Vertreterin des gleichen Genres im Milieu von schwulen Männern.

Aber verlassen wir das Milieu der diversen Feierlichkeiten und reden wir darüber, wie wir uns über unsere Berufe kennen- und schätzen gelernt haben. Nur in wenigen Ausnahmen waren Ute und ich für Dich und Deine vielen Autoren als Deine Co-Agenten in der spanisch- und portugiesischsprachigen Welt aktiv. Aber da wir für verschiedene lizenzgebende deutschsprachige Verlage als exklusive Agentur tätig waren, an die Du in der Regel auch die Auslandsrechte Deiner Autoren vergeben hattest und die Du dann von den Kolleginnen in den Lizenzabteilungen verwalten ließest, haben wir so auch „um die Ecke“ miteinander zu tun gehabt.

Alle Lizenzverwaltungen versuchen immer, auch das Beste für die Autoren zu unternehmen, um sie im Ausland unterzubringen, aber Du bist immer eine Agentin gewesen, die sie parallel dazu und mit viel Verve promotioniert und effektiv unterstützt hat. Und wenn es noch so lange dauerte, hast Du nie gedrängt, sondern immer auch Verständnis dafür gezeigt, dass andere Länder und Kulturen nach anderen Regeln funktionieren. Da haben wir ganz andere Kollegen kennengelernt, die sehr früh unruhig wurden und dann durchaus repressive Töne anschlagen konnten. Aber als erfahrene Agentin wusstest Du längst und hattest es vielfach erfahren, dass gut Ding seine Weile erfordert. Wievielen Verlagen und wie lange haben wir beispielsweise die Romane und das Phänomen Iny Lorentz unseren Verlagen versucht, ans Herz zu legen, als ihre Bücher in Deutschland schon längst millionenfach verkauft wurden? Unzählige Male! Letztendlich half uns damals bei der Vermittlung der „Wanderhure“ erst die TV-Produktion, deren Ausstrahlung auch nach Spanien gelangt war.

Mir persönlich hast Du einen sehr großen Gefallen erwiesen, als Du mir nach meinem Aussscheiden in meiner Agentur 2013 einen Deiner Autoren anvertraut hattest, David Lama und sein Buch FREE, das ich dann tatsächlich in Spanien und um die Ecke auch in Italien platzieren konnte. Für mich damals ein großer Vertrauensbeweis und Balsam für mein seinerzeit angegriffenes Selbstbewusstsein.

Da wir ja immer auch zu vielen Kolleginnen und Kollegen in der deutschsprachigen Verlagswelt in Kontakt gestanden haben, habe ich nie irgendjemanden übellaunig oder sich von Dir verprellt gefühlt sprechen hören. Okay, sagten manche, tough, ja, das könntest Du durchaus sein, am besten sollte man dieses englische Adjektiv in unserem Fall wohl übersetzen mit hartnäckig, aber wärst Du ohne diese Eigenschaft eine erfolgreiche Vertreterin unseres Gewerbes?

Angesichts der Tatsache, dass Deine Autorenliste eine relativ kleine Fluktuation aufweist, ist das ja wohl das beste Zeichen dafür, dass man auf Seiten Deiner Klienten sehr wohl mit Deiner Arbeit zufrieden und glücklich ist, von einigen weiß ich das auch explizit.

Nicht unerwähnt darf bleiben, aber das werden alle, die Dich kennen, nur unterstreichen können, Deine Warmherzigkeit, Deine Verbindlichkeit und Dein umwerfender Humor. Während ich Dir hier jetzt schreibe, habe ich Dein ansteckendes Lachen im Ohr.

Die Lobgesänge auf Dich könnten alle noch viel länger ausfallen, aber Du hast Dir, wie ich meine, schon einmal selbst eine sehr passende Laudatio verpasst, als Du in einem TV-Interview vor zehn Jahren von Deinem Werdegang, Deiner Arbeitsphilosophie und diversen Erlebnissen mit Autoren erzähltest. Ein wunderbares und ehrliches Zeugnis dafür, was unseren Beruf so aufregend, abwechslungsreich und manches Mal auch recht amüsant macht.

In besagtem Interview schilderst Du einen Wunsch, der hoffentlich tatsächlich einmal in Erfüllung gehen wird: nämlich einmal eine Vorabendserie (wieso eigentlich Vorabend?) zu drehen, mit einer literarischen Agentur als Protagonistin. Ich will ergänzen, mit Dir natürlich in der Hauptrolle, der ideale Drehort wäre Euer Schaufenster-Kontor in der Tengstraße und vielleicht darf ich mich als Nebendarsteller empfehlen, vielleicht als der nervende, gerne auch homosexuelle Autor, der nunmehr schon seit Jahren versucht, seine Schreibhemmung zu überwinden und der mindestens einmal wöchentlich bei seiner Agentur anruft, um darauf zu drängen, dass sein bislang einziger Roman nun endlich auch in die USA verkauft werden sollte. Abgesehen von meinem zumindest ansatzweise vorhandenem komödiantischen Talent kenne ich natürlich auch solche Autoren (glücklicherweise nicht zu viele, aber doch genug).

So hätten wir doch damit auch die Gelegenheit, mal wieder zu feiern, nämlich die Premiere der Serie zu ihrem Start im deutschen Fernsehen. (Eine echte Herausforderung und Aufgabe für Isabel!)

In diesem Sinne wünsche ich Dir eine prächtige Gesundheit und alles Glück der Erde,

Dein alter Freund und Fan Guenny

Wer das erwähnte Interview mit br-alpha nachlesen möchte, kann es als Skript im Internet finden; die entsprechende Videodatei ist leider nicht mehr auffindbar: https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/lianne-kolf-gespraech100.html.

Wenn auch Sie Lianne Kolf gratulieren möchten, können Sie das per Mail an litagkolf@t-online.de machen.

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage

 

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