Das Sonntagsgespräch Katja Böhne: „Der Buchhandel ist kein Auslaufmodell – das neue Projekt der Frankfurter Buchmesse zeigt, warum“

Bald ist es wieder soweit – die Frankfurter Buchmesse steht schon (fast) wieder vor der Tür. In diesem Jahr mit einer Innovation – im heutigen Sonntagsgespräch verrät Katja Böhne, seit 2010 Leiterin des Bereichs Marketing & Kommunikation der Frankfurter Buchmesse, was sich hinter dem Projekt „Level 2 – die neue alte Schule“ verbirgt.

BuchMarkt: Die Buchmesse stellt dieses Jahr ein neues Projekt für Buchhändler vor, das „Level two – die neue alte Schule“ heißt. Worum handelt es sich dabei?

Katja Böhne

Katja Böhne: In der letzten Zeit kamen verstärkt Buchhändler auf uns zu und fragten, ob wir nicht etwas für internationale Vernetzung von Buchhändlern, – untereinander, aber auch mit Verlagen – tun können. Das ist natürlich unsere ureigenste Aufgabe als Messe, der wir mit dem neuen Projekt nachkommen wollen. Gleichzeitig wollen wir das neue Selbstbewusstsein des Buchhandels dokumentieren. Tatsächlich haben wir international viele neue, witzige und erfolgreiche Ideen für das stationäre Sortiment aber auch für Online-Inhalte-Plattformen jenseits von Amazon entdeckt. Also hielten wir es für eine gute Idee, das Netzwerken mit dem internationalen Austausch von Inspiration, Best Practice und gegenseitige Anregung zu verbinden.

Wie kommt es zu dem Namen? Und warum (schon wieder) ein englischer Begriff?

Level 2 soll als Bühne, Netzwerk-Plattform und Ideentankstelle für deutsche und internationale Sortimenter funktionieren und klarmachen, dass der Buchhandel noch lange kein Auslaufmodell ist. Sondern dass er im Gegenteil gerade die nächste Stufe gezündet hat – und zwar weltweit. Entsprechend benötigt das Projekt auch einen englischen Namen.

Sie sprachen eben von einem „neuen Selbstbewusstsein“ der Branche – Woran machen Sie dieses fest?

Zum einen sprechen die Marktstudien rund ums Thema e-Books dafür, dass der Umsatz mit Büchern und Inhalten höher ausfällt, wenn diese auch physisch auffindbar sind. Die Menschen lassen sich eher zu Spontankäufen hinreißen, wenn sie die Bücher, die Titel auch vor Augen haben. Der Buchhandel weiß also, dass er gebraucht wird. Zweitens sorgen die unzähligen „buy local“-Initiativen weltweit dafür, dass Kommunen und ihre Bewohner verstehen, in welch hohem Maß Buchhandlungen zur Attraktivität von urbanen Zentren und Stadtteilen beitragen. Und nicht zuletzt bemerken Buchhändler und Buchkäufer, dass die ewig gültigen „Verkäufertugenden“ – nämlich eine attraktive Inszenierung des Produkts, Kundennähe, gute Beratung und immer neue und hilfreiche Serviceleistungen – gerade im Buchhandel besonders häufig zu finden sind. Sowohl online, wie im Laden vor Ort. Deswegen haben wir unserem Projekt auch die Unterzeile „die neue alte Schule“ verpasst.

Sie wollen in Frankfurt neue Serviceleistungen vorstellen – welche genau meinen Sie? Die Sortimenter hierzulande lassen sich doch schon allerhand einfallen…

Wir erheben nicht den Anspruch auf die besseren Ideen. Wir sammeln diese lediglich weltweit ein und zeigen sie bzw. die Menschen dahinter bei uns auf der Bühne. Was mich fasziniert, ist diese unendliche Lust am Ausprobieren.

Nennen Sie uns ein Beispiel?

In England beispielsweise bieten findige Buchhändler ein „Book-Spa“ an – stellen also ein persönliches Wohlfühlpaket aus Büchern für den Kunden zusammen. Andere sehen sich sogar mit einem Augenzwinkern zur „Bibliotherapy“ berufen und suchen für die persönlichen Probleme des Kunden die geeignete Literatur heraus – vom psychologischen Fachbuch über den Lyrikband bis hin zum Ratgeber für das richtige Mixen von Cocktails.

Die Idee leuchtet ein: Wenn es Ernährungs-Coaches und Personal Trainer für Sport gibt, warum dann nicht auch für Bücher und Inhalte?

Genau! Wir stellen außerdem fest, dass es – online und offline – immer mehr ums Inszenieren von Inhalten und vom Konsum selbst wie beim Curated Shopping geht. Letzteres wird übrigens das Modeberatungs-Startup „Kisura“ auf der Level 2-Bühne präsentieren. Wir bringen also einige dieser Menschen hinter den Projekten nach Frankfurt. Außerdem sprechen wir 2013 wieder verstärkt die Buchhandelsverbände in anderen Ländern an und freuen uns, wenn sich hier auf globaler Buchhandels-Ebene der „Beginn einer sehr langen Freundschaft“ abzeichnet.

Warum sollen Buchhändler überhaupt noch zur Buchmesse kommen? Die Ordern fürs Weihnachtsgeschäft sind bis dahin ja schon längst getätigt und gerade während der Buchmesse-Zeit wollen viele Buchhändler ihr Geschäft nicht verlassen…

In Frankfurt trifft sich eine der interessantesten Branchen überhaupt – und dazu zählen auch und gerade die Buchhändler. Derartige viele Ideen, diese Menge an Inspiration und so viel positive Energie wie auf der Buchmesse gibt es weltweit nicht allzu oft. Ich denke, ein Grund für einen Besuch ist immer, einfach Teil dieses gemeinschaftlichen Erlebnisses zu sein, sich mit Freunden und Kollegen dort zu treffen. Dafür spricht auch das immense Medieninteresse mit 9.000 Journalisten weltweit.

In Frankfurt ist es aber immer sehr voll und die Kollegen aus den Verlagen haben keine Zeit für Gespräche…

Was die Zeit für Gespräche betrifft: In diesem Jahr verschicken wir an alle Börsenvereinsmitglieder unter den Buchhändlern ein Heft mit über 90 Gutscheinen für kleine Aufmerksamkeiten von deutschen Verlagen. Damit signalisieren die Verlage, dass ihr Haus, d. h. ihr Stand gerade für die Buchhändler weit offen steht. Und nicht zuletzt hoffen wir, dass es mit unseren Angeboten rund um den „Level 2“ in der Halle 4.0 genügend Raum zum Ausruhen gibt.

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