Er war MÄRZ-Verleger, Buchgestalter und Schriftsteller Jörg Schröder

Jörg Schröder

Jörg Schröder ist gestern Nacht im Alter von 81 Jahren in Berlin gestorben. Das hat seine Frau Barbara Kalender auf ihrem gemeinsamen taz – Blog mitgeteilt.

Der schon zu Lebzeiten legendäre Verleger hat mit seinem März Verlag ein großes Stück Verlags-und Buchhandelsgeschichte mitgeschrieben und im Wortsinne auch gestaltet (das Design seiner MÄRZ-Bücher traf damals nicht nur de Zeitgeist sondern wäre auch heute noch unübertroffenes  Corporate-Identity Konzept). Sein Buch Siegfried ist zum Kultbuch einer Generation geworden, in 74 Folgen ›Schröder erzählt‹ hat er gemeinsam mit seiner Frau weiter an der von ihm erfundenen Literaturgattung des schonungslosen Öffnens des eigenen (aber auch anderer) Erlebens festgehalten. Im Anhang der 2018 bei Schöffling & Co. erschienenen Neuausgabe von ›Siegfried‹ -Neuausgabe hat Barbara Kalender Jörg Schröders Vita nachgezeichnet.

Kristine Listau und Jörg Sundermeier, Verlegerin/Verleger des Verbrecher Verlags, erinnern hier in einem Nachruf an Jörg Schöder: 

Das unverwechselbare Erscheinungsbild von 174 März-Titeln

Jörg Schröder, geboren 1938 in Berlin, gründete 1969 den März Verlag und entwarf dessen prägnantes gelb-rot-schwarzes Erscheinungsbild.

Als Autor veröffentlichte er die Bücher „Siegfried“ (1972, mit Ernst Herhaus), „Cosmic“ (1982, mit Uwe Nettelbeck) und „Immer radikal, niemals konsequent. Der März Verlag – erweitertes Verlegertum, postmoderne Literatur und Business Art“ (zusammen mit Barbara Kalender und Jan Frederik Bandel), als Herausgeber Bernward Vespers „Die Reise“ (1977), Peter Kupers „Hamlet“ (1980) und „MÄRZ-Mammut“(1984). Legendär ist die von ihm verantwortete Gestaltung des Bandes „ACID. Neue amerikanische Szene“ (1969), den Ralf-Rainer Rygulla und Rolf Dieter Brinkmann herausgegeben haben. Für das Fernsehen entwickelte er mehrere Formate, das wohl bekannteste ist „Die-März-Akte“ (entwickelt mit Barbara Kalender und Horst Tomayer, Regie: Peter Gehrig, Grimme-Preis 1986).

1988 erfolgte die Einlieferung des März-Archivs sowie des literarischen Vorlasses ins Deutsche Literaturarchiv Marbach.

Seit 1990 erschienen die Folgen von „Schröder erzählt“, die Barbara Kalender und Jörg Schröder zunächst aufs Tonband sprachen, dann gemeinsam redigierten und schließlich im Desktop-Verfahren herstellten und an Subskribenten vertrieben. Diese Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik steht derzeit in mehr als 30 Bibliotheken, darunter ist die Library of Congress und die der Harvard University.

2013 gründete sich die März-Gesellschaft, die regelmäßig Freundinnen und Freunden des erweiterten Verlegertums, das politisches Handeln und großartige Aktionen mit der Verlagstätigkeit verband, zu großartigen Veranstaltungen versammelte.

Es war ein großes Vergnügen, einige seiner mit Barbara Kalender verfassten heiteren und tolldreisten Geschichten in dem Band „Kriemhilds Lache. Neue Erzählungen aus dem Leben“ in unserem Verlag veröffentlichen zu dürfen. Wichtig und lehrreich war und ist es, der März-Gesellschaft anzugehören.

Wir verdanken Jörg Schröder sehr viele Anregungen, lernten das „erweiterte Verlegertum“ lieben und verlieren mit ihm ein Vorbild und einen Freund.

Barbara Kalender und Jörg Schröder im Jahr 1986

Barbara, auch für mich ist Jörgs Tod ein großer Verlust. Er war die Stimme unserer Generation, wir haben Euer und damit auch Teile unseres Lebens in „Schröder erzählt“ mitgelesen. Ich kannte Jörg ja schon vor Gründung von BuchMarkt. Eine Spiegelscheibe Eures letzten Messestandes hat mir Jörg vor vielen Jahren geschenkt. Ich habe sie damals gerahmt, schaue automatisch jeden Tag in diesen Spiegel unseres Lebens und denke auch heute traurig darüber nach, was uns damals getrennt hat und was uns jetzt seit Jahren verbandt.

Ich trauere mit Dir 

Dein Christian

 

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