Marcus Schwarz über sein Buch "Wenn Insekten über Leichen gehen" (Droemer) „Jeder Krimileser und CSI-Fan kann im Buch lesen, wie sich echte Fälle abspielen“

Aus vielen Krimis und Serien ist das bekannt: Wenn jemand stirbt, feiert die Natur ein Festbankett. Aber können die natürlichen Gegebenheiten tatsächlich wichtige Fakten liefern, die zur Aufklärung beitragen? In seinem Buch Wenn Insekten über Leichen gehen (Droemer) zeigt der forensische Entomologe Marcus Schwarz, dass er sich – als einer der wenigen Wissenschaftler in Deutschland – in diesem Metier bestens auskennt. So verstörend das klingen mag: Er weiß alles über die Insekten, die am Tatort krabbeln. Anlass für Fragen an den Autor:

Marcus Schwarz: „Das Buch ist ein Mix aus Waldwanderung, True Crime und leicht verständlicher Wissenschaft“

BuchMarkt: Worum geht es in dem Buch?

Marcus Schwarz: Das Buch nimmt den Leser mit zu meiner Arbeitsstätte, dem Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und zeigt anhand realer (Kriminal)Fälle die ökologischen Zusammenhänge der Insektenwelt wenn plötzlich ein Lebewesen stirbt. Die geschilderten Fälle sind in meinen ersten 4 Jahren im Institut passiert und zeigen beispielhaft wie Schmeißfliegen und Käfer helfen können komplizierte Kriminalfälle zu lösen.

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Wie entstand die Idee dazu?

Die Idee entstand nach einer Serie von Morden mit Leichenzerstückelung, die letztlich zwei Tätern zuzuordnen war und die die ganze komplexe Arbeitsmaschine der Kriminalermittlung erforderte. Ich begann dann einzelne Fälle niederzuschreiben um sie einer breiteren Masse verständlich zu vermitteln. Ein Teil der Fälle sind bzw. werden auch wissenschaftlich aufgearbeitet um sie dem Fachpublikum in wissenschaftlichen Zeitschriften vorzustellen.

Der Titel des Buches als auch Ihre Berufswahl ist schon sehr ungewöhnlich. Ernten Sie öfters fragende Blicke zu Ihrer Berufswahl?

Fragend auch, aber das Spektrum reicht meist von angewidert bis fasziniert. Meistens ist es ein Mix aus Beiden.

Und was sagen Sie den Leuten dann?

Das ist sehr unterschiedlich. Viele Menschen verschließen sich vor dem Tod, das ist Teil unserer Kultur. Für viele ist es erschreckend plötzlich mit dem Ableben und dem möglichen „von Fliegenmaden gefressen zu werden“ konfrontiert zu werden. Dabei wirkt hier die Natur auf ihre effizienteste Art. Plötzlich ist da eine andere Realität der Natur im Raum, nichtmehr der grüne schöne Wald. Nach dem ersten Schock werde ich dann aber oft über die Berufswahl, den Werdegang und zu den spannenden Fällen ausgefragt.

Was fasziniert Sie besonders an diesem Beruf?

Dass jeder Fall neu und einzigartig ist. Dreht man an einer kleinen Stellschraube im Ökosystem, beispielsweise an der Sonneneinstrahlung und der damit einhergehenden Temperatur an einem Leichenfundort, bietet sich immer wieder ein neues, anderes Bild. Im Großen und Ganzen sind die Prozesse bekannt, aber die Feinheiten sind immer wieder neu und spannend. Zudem hilft man dabei, Gewaltverbrechen aufzuklären, was sehr befriedigend ist.

Welche Zielgruppe möchten Sie mit dem Buch ansprechen und in welchem Genre würden Sie es verorten?

Jeder Krimileser und CSI-Fan kann im Buch lesen wie sich echte Fälle abspielen, dass sie manchmal tragisch und manchmal skuril sind. Zudem ist das letzte Kapitel speziell für die Polizei, Spurensicherung und Kriminaltechnik angelegt und soll somit auch der praktischen Polizeiarbeit nutzen. Von der Kindergärtnerin bis zum Oberkommissar, vom Maurer bis zum Leitenden Oberstaatsanwalt sind alle herzlich zum Lesen des Buches eingeladen. Das Buch ist ein Mix aus Waldwanderung, True Crime und leicht verständlicher Wissenschaft.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

„So etwas Spannendes wird man so schnell nicht wieder lesen ;-)“

Und privat, was lesen Sie da gerne?

Privat lese ich sehr gerne Bücher die mich auch in die Arbeitswelt anderer mitnehmen. Das letzte Buch in diese Richtung war von Prof. Sue BlackAlles was bleibt. Zudem lese ich gern historische Reiseberichte von Georg ForsterReise um die Welt.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Welches Lebensmotto hat man mit so einem Beruf?

Hier können Sie dies nun tun:

Jeder Tag ohne Zettel am Fußzeh, ist ein guter Tag!

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