Kerstin Gleba über die KiWi-Musikbibliothek, die zündende Idee dahinter und darüber, was ihr an dem Projekt besonders am Herzen liegt „Das ist in Buch gegossene Liebe“

Eine Verlegerin, die so für ein Projekt brennt, erlebt man selten. Doch Kerstin Gleba tut es und scheint bis in jede Pore überzeugt von der „schicken, kleinen Musikbibliothek“, die jetzt ganz frisch am 10. Oktober mit vier Bänden bei Kiepenheuer & Witsch an den Start ging.

Kerstin Gleba: „Echte Persönlichkeiten schreiben hier über ihre echte Leidenschaft für etwas“

In der neuen Reihe zum Thema Musik schreiben bekannte Persönlichkeiten über ihre Lieblingsband oder ihre liebsten Sängerinnen und Sänger. Der Plan: Die Liebe zur Musik paaren mit der Liebe zum Wort. Dabei herausgekommen sind individuelle, persönliche und herzerwärmende Texte, mit ganz unterschiedlichen Ansätzen. Wir sprachen dazu mit Kerstin Gleba, die sagt: „Das ist in Buch gegossene Liebe.“

BuchMarkt: Frau Gleba, nun ist es soweit. Die KiWi-Musikbibliothek ist am 10. Oktober an den Start gegangen. Auf einer Skala von 1-10, wie groß ist die Aufregung?

Kerstin Gleba: Gigantisch.  Wobei ich hier nicht mehr von Aufregung sprechen würde. Sondern von gigantischer Vorfreude. Vorfreude, auf alles was kommt. Auf die Reaktionen darauf vor allem. Vorfreude darauf, dass hoffentlich alle so begeistert und voller Liebe für dieses Projekt sind – wie Wir hier bei KiWi.

Mal ganz von vorne: Wie kam es überhaupt zur Idee, ein solches Projekt zu starten und wer hatte die zündende Idee dazu?

Eine Kollegin entdeckte damals zufällig einen kanadischen Verlag und seine winzige Musikreihe im Programm, die unserer Musikbibliothek sehr ähnlich war. Das diente uns als Inspiration, das wollten wir –  auf unsere eigene Art und Weise –  auch machen. Denn die Liebe zur Musik zieht sich seit Jahrzehnten wie ein leiser Klang durch die Kiepenheuer & Witsch-Programme. Mit tollen Persönlichkeiten sahen wir hier nun endlich die Möglichkeit, diese Leidenschaft in Buchform auszuleben. Klar war direkt: Es mussten nicht nur erfahrene Schriftsteller sein – wir wollten den Kreis erweitern um andere Künstlerinnen und Künstler, die gut erzählen und mit Leidenschaft über ihre Lieblingsmusik schreiben können.

Ziel war es also, die Leidenschaft (das Flügelwort) zur Literatur mit der Leidenschaft zur Musik zu vereinen. Haben Sie sich das schlussendlich so schwierig vorgestellt? Oder sind Sie gar überrascht, wie leicht sich alles realisieren ließ?

Genau. Und nein, ganz im Gegenteil. Es lief bisher alles wie am Schnürchen. Anstrengend zwar und (Zeit-)intensiv, aber auch unfassbar aufregend und neu. Von Anfang an überwog die Freude. Direkt waren alle Feuer und Flamme von der Idee und die Kolleginnen und Kollegen hatten direkt ganz eigene Vorschläge, haben ihre eigene Lieblingsband in den Raum geworfen, herumgesponnen und potenzielle Autorinnen und Autoren vorgeschlagen. Da war gleich ein reger Austausch da. Wir hatten eine gute Zeit. Und auch unsere Autorinnen und Autoren waren regelrecht  Feuer und Flamme für die Idee, wussten teilweise DIREKT, über wen sie schreiben wollten … das beflügelt natürlich.

Mit vier Titeln will KiWi die neue Reihe nun also etablieren. Um welche Titel handelt es sich dabei und was genau passiert hier. Wie kann sich die Leserin/der Leser diese Liebeserklärungen vorstellen?

Den Auftakt dieser literarischen Liebeserklärungen machen ab dem 10.10.2019 Thees Uhlmann über die Toten Hosen, Sophie Passmann über Frank Ocean, Anja Rützel über Take That und Tino Hanekamp über Nick Cave. Vier Herzensbekenntnisse, gebunden im handlichen Format und auch im Innenteil farbig gestaltet. Alle tun dies auf eine ganz eigene Art und Weise, mit ganz unterschiedlichen Ansätzen. Mal leise, mal laut, mal melancholisch, mal hart. Die ganz individuellen Lebenserfahrungen, Lebensmomente und Bezüge zur jeweiligen Band, zum jeweiligen Lieblingsmusiker werden in den Büchern klar herausgestellt, und das eben auf die für die Autorin/den Autor typische (teilweise sehr witzige) Schreibweise. Nahbar. Echt.

Wie geht es weiter, welche Titel folgen, in welchem Rhythmus?

In den kommenden Jahren wird die Bibliothek mit vielen weiteren exquisiten Bänden fortgesetzt werden. Wir planen 6-8 Titel pro Jahr. Alle Bücher sollen c.a 100 Seiten umfassen und c.a. zehn Euro kosten.

Konkret weiter geht es im kommenden Jahr – das kann ich schon verraten – mit folgenden Büchern: Klaus Modick über Leonard Cohen, Lady Bitch Ray über Madonna, Frank Goosen über The Beatles, Helene Hegemann über Patti Smith, Wolfgang Niedecken über Bob Dylan, Antonia Baum über Eminem, Markus Kavka über Depeche Mode.

Parallel zu den Büchern wird es auch einen Podcast geben mit Interviews der Autoren und Ihnen …

Richtig. Am 10.10. 2019 erschien auch der KiWi-Musikbibliothek Podcast mit fünf Folgen.  Sabine Heinrich, bekannte Moderatorin und Buchautorin, bittet darin die vier Autoren und Autorinnen zum Zwiegespräch. In kurzweiligen 25-35 Minuten pro Folge erfahren Hörer*innen mehr über Musikleidenschaft, das Schreiben und wie eng beides beieinander liegt kann.

So erzählt Anja Rützel, warum Take That für sie eine ernste Angelegenheit ist und man als wirklicher Fan, Unterhosen über der Jeans trägt; man erfährt, für welche Musikerin Thees Uhlmann seiner kleinen Tochter die ersten Konzertkarten schenkte; dass Sophie Passmann nicht an Schall glaubt und wo Tino Hanekamp sich zum ersten Mal zuhause fühlte und dafür seine ganzen Platten verkaufen musste.

Außerdem berichte ich in einer Folge, wie die Idee der Musikbibliothek innerhalb des Verlages entstanden ist und aus welcher Verlagstradition die neue Reihe erwachsen ist.

Der Podcast wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem Verlag und der Berliner Podcast Produktion Bosepark rundum Su Holder entwickelt. Bosepark ist u.a. verantwortlich für den Podcast Talk-o-mat und die TV Sendung „Stuckrads Homestory“ . Abrufbar ist der Podcast über alle bekannten Streaming-Plattformen oder Podcatcher.

Auf Spotify gibt es außerdem zu jedem Buch eine Playlist mit den Songs, die im jeweiligen Buch verhandelt werden. Zu finden sind die Links zu den Playlisten in den Büchern und hier. 

So kann man beim Lesen die Musik hören, über die Autor*innen gerade erzählen –  oder später nachhören.

Was denken Sie, welche drei Wörter beschreiben die Musikbibliothek optimal?

Leidenschaftliche, literarische Liebeserklärungen (an die Musik)

Welche Reaktionen erhoffen Sie sich?

Ich wünsche mir, dass der Funke zündet. Die Leserinnen und Leser (und auch Zuhörer des Podcasts) so richtig ins Schwärmen kommen und vielleicht auch in eigenen Erinnerungen schwelgen. Ich persönlich habe Frank Ocean erst durch Sophie Passmann so richtig entdeckt. Und das ist das Schöne, das macht das Buch eben auch zu einem idealen Geschenk. Man gibt die eigene Liebe für etwas, an andere weiter.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Was kann die Buchhändlerin/der Buchhändler tun?

Hier können Sie dies nun tun:

Prominent auslegen, wie rare Schmuckstücke, das sind sie nämlich. Durch die Gestaltung und die bunten Farben sowie das tolle Design ist die Musikbibliothek auch ein echter Blickfang im Laden und lädt zum Verweilen ein.

 Von Franziska Altepost

 

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