Autor und Illustrator Quint Buchholz über sein Buch "Vom Glück der Langsamkeit" (Gütersloher Verlagshaus) und über die Kunst, sich nicht völlig im Studel der Geschwindigkeit zu verlieren „Glücklich sind die Langsamen“

Quint Buchholz

Soeben ist ein neues Buch von Quint Buchholz erschienen: Vom Glück der Langsamkeit (Gütersloher Verlagshaus). Auch wenn es zeitlos erscheint, wirkt es wie der Kommentar zur notorischen Hast, die den Alltag zunehmend kennzeichnet.  Buchholz, Jahrgang 1957, ist bekannt für seine vielschichtigen, oft rätselhaften Bilder.  Als Autor und Illustrator hat er große Erfolge vorzuweisen (z.B. Schlaf gut, kleiner Bär, Nero Corleone, zusammen mit Elke Heidenreich).

BuchMarkt: Herr Buchholz, Sie blicken ja inzwischen auf ein beträchtliches Oevre zurück: Muss man nicht einigermaßen schnell sein, um eine solche Fülle von Bildern zu malen?

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Quint Buchholz: Wenn man dran bleiben kann und sich nicht zu viel ablenken lässt, kommt auch mit einer zeitaufwendigen Malweise einiges zusammen im Laufe der Jahre. Und das sind bei mir ja inzwischen auch schon ein paar.

Woher kommt diese innere Ruhe? Gab es da ein Schlüsselerlebnis oder eine besonders prägende Erfahrung?

Ich glaube, sie kommt schlicht aus der Sehnsucht danach. Und aus der Erfahrung, dass Ruhe eine Wohltat ist. Ich war schon als Kind gerne viel für mich und habe irgendwas vor mich hin gemalt, gespielt, gebaut … Die Innenräume der eigenen Phantasie stecken voller Überraschungen.

Der Alltag der meisten Menschen sieht sicher anders aus. Er ist von Hektik geprägt. Wie will man da zur Ruhe kommen?

Ich glaube, man muss täglich neu überprüfen, ob das, was einen da gerade scheucht, wirklich so bedeutend ist. Die Menge der Reize und Bilder, der Pflichten und Verlockungen ist immens, aber auch die oft von außen kommende Verführung, zu viel Unwichtiges zu ernst zu nehmen. Die Kunst besteht darin, sich nicht völlig in diesem Strudel der Geschwindigkeit zu verlieren.

Hand aufs Herz: Hat sich Ihr Leben nicht auch in den letzten 20 Jahren beschleunigt?

Ganz sicher. Wenn man eingebunden ist in den Kontext dieser Zeit, kann man sich diesem Wandel ja nicht ganz entziehen. Bei der Suche nach den Texten zu meinem neuen Buch habe ich allerdings gelernt, dass Menschen zu allen Zeiten über diese Beschleunigung geklagt haben, z.B. auch schon Laotse im 6. Jahrhundert vor Christus.

Und wurde dadurch alles schlechter?

Nein, dieses Vorwärtsstrebende, Neues erforschende gehört ja unbedingt zum Menschsein. Was uns, auch durch das mediale Vernetztsein allerdings immer mehr abhandenkommt, sind die Zeiten der Muße, das ganz im Augenblick sein.

Ein Kapitel in Ihrem Buch heißt „Ich lebe von dem, was ich nicht habe“ . Was darf man sich darunter vorstellen?

Da geht es genau um diese Muße. Die leeren Räume, die Langeweile, das Faulsein, die Stille. Dort verändert sich der Blick auf das eigene Leben und das Verständnis der Welt. Dort öffnen sich auch die Türen zu wirklich neuen Ideen.

Was empfehlen Sie als Sofortmaßnahme gegen den Geschwindigkeits-Stress unseres Alltags?

Für die meisten Menschen unvorstellbar, aber: Mein Leben ohne Smartphone hilft sehr. Dadurch bin ich nicht dauernd im Modus des möglichen Gestört- oder Unterbrochenwerdens. Ich weiß, das ist nicht für jeden machbar, aber alle Medien lassen sich für eine Zeit des Tages abschalten. Schon solche Inseln sind kostbar.

Elke Heidenreich hat ein Vorwort zu Ihrem Buch geschrieben. Darin zitiert sie ein mongolisches Sprichwort. Jetzt der Test: Kennen Sie es?

Natürlich, es ist mir vertraut seit meiner Jugend und stammt aus dem wunderbaren und immer noch sehr lesenswerten Roman In geheimer Mission durch die Wüste Gobi von Fritz Mühlenweg: In der Eile sind Fehler. Die Erkenntnis ist nicht neu. Aber wenn wir heute in die Welt schauen, bestätigt sie sich mehr denn je.

Kommentare (1)
  1. Glücklich sind die Menschen, die das Glück haben die Bücher von Quint Buchholz zu entdecken und seine Bilder betrachten zu können. Dazu braucht man die Information, dass es diese Bücher gibt – danke also dem „Buchmarkt“ für das Interview – und BuchhändlerInnen, die seine Bücher am Lager haben…usw…und dann muss man sich ein wenig Ruhe gönnen, um sie wirklich zu genießen – viel Freude dabei wünscht Gabriele Hoffmann

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