Zum Tod von Rudolf C. Bettschart (10.10.1930 – 30.3.2015)

Dr. Rüdiger Salat, der langjährige Leiter der Verlagsgruppe von Holtzbrinck, nimmt Abschied von Rudolf C. Bettschart, mit dem er durch eine langjährige Freundschaft als Kollegen verbunden war:

Rudolf C. Bettschart
© Andri Pol

Mehr als 60 Jahre stand Rudolf C. Bettschart an der Spitze der Diogenes Verlag AG und trug mit seinen vielfältigen Begabungen ganz wesentlich dazu bei, Diogenes zu der unverwechselbaren Marke zu machen, die Leser, Autoren und Buchhändler gleichermaßen lieben.
Bettschart wurde am 10. Oktober 1930 geboren, am selben Tag wie sein bester Freund und Diogenes-Gründer Daniel Keel († 13. September 2011). In Einsiedeln erlebten sie gemeinsam Schul- und Pfadfinderjahre und entfalteten sich – gleichsam symbiotisch – zu den Ausnahmepersönlichkeiten, die diesen Verlag schufen. Fortan weckte Diogenes mit sicherem Sinn für literarische Qualität und Eleganz und mit Humor aller Schattierungen Neugier und Begeisterung für neue und wieder neu zu entdeckende Autoren. Dazu musste Keels programmatische Kreativität, Klarheit und Kühnheit auf ein festes Fundament bauen können. Rudolf C. Bettschart war dieses Fundament.
Sein Beitrag zum Erfolg geht über die Rolle des Kaufmanns allerdings weit hinaus, er war gleichzeitig ruhender Pol und Unruhe im Verlag, er sorgte für ein präzise funktionierendes Uhrwerk. Dabei verband er Konstanz, Sicherheit und Berechenbarkeit auf geniale Weise mit Beweglichkeit, ständig suchte er nach Verbesserung und Innovation und ermutigte seine Mitarbeiter dazu. Kontinuität ohne Stillstand war sein Credo.
Bettschart hatte ein Faible für interessante, authentische Menschen, und diese verehrten ihn und seine Art, den Verlag zusammenzuhalten. Großzügig und scheinbar zwanglos lebte er die für ihn typische elegante Effektivität vor, die zustande kommt, wenn sich unternehmerische wie menschliche Souveränität und authentische Begeisterung auf höchstem Niveau finden. „Der Verlag hat meiner Arbeit einen bleibenden Sinn gegeben“, sagte Bettschart. Dass er ihn als Verpflichtung genauso sehr wie als Energiequelle verstand, hat man ihm immer angemerkt. „Er hat mein Leben bestimmt, mein Glück gemacht.“
Sein Glücksgefühl gab Rudolf C. Bettschart der Buchwelt tausendfach zurück, er hat gelenkt, gefördert, motiviert und inspiriert, mit Daniel Keel gefeiert und gelegentlich gelitten und mit ihm gemeinsam dafür gesorgt, dass es bei Diogenes nie zu eng für neue Ideen wurde.
Sein strategischer Weitblick und seine Souveränität haben Diogenes zum Haus mit zwei Verlegern gemacht. Es gibt keinen unternehmerisch, organisatorisch und vertrieblich versierteren Verleger, der so einfallsreich, verlässlich, wirkungsvoll, elegant, neugierig, mit ebenso viel Zielstrebigkeit wie Humor Verlagsgeschichte geschrieben hat wie Ruedi C. Bettschart.
Den Verlag hinterlässt er ausgezeichnet bestellt, die Führungsriege unter Philipp und Jakob Keel wird Diogenes im Sinn der beiden Freunde weiterführen. Den lebensfrohen Perfektionisten und den perfektionistischen Lebenskünstler RCB (das war sein Kürzel im Verlag) werden wir alle sehr vermissen.
Am 30. März 2015 ist Rudolf C. Bettschart in Küsnacht bei Zürich verstorben [mehr…].

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