Walter Jens

Gestern Abend ist Walter Jens ist im Alter von 90 Jahren in Tübingen gestorben. Das sagte sein Sohn Tilman Jens heute Morgen der Nachrichtenagentur dpa, berichtet der Spiegel.

“Als Worte Waffen waren”, titelt Die Welt zum Tode des Intellektuellen, der sich als Rhetorik-Professor einen Namen gemacht hatte. “Ein streitbarer Geist”, heißt es in der Frankfurter Rundschau. Beide spielen damit vor allem auf sein politisches Engagement an. Jens hatte sich in der Nachrüstungsdebatte engagiert und die Friedensbewegung unterstützt, hatte sich gegen den Irak-Krieg zu Wort gemeldet. Als Präsident der Berliner Akademie der Künste hatte sich Jens im Juli 1990 angesichts der deutschen Wiedervereinigung gegen eine Zwangsvereinigung mit der Akademie der Künste der DDR verwahrt.

“Trauer um einen großen Humanisten” überschreibt der Bayerische Rundfunk seine Meldung, in der er auch an Jens schriftstellerisches Werk erinnert. Jens war ab 1950 Mitglied der Gruppe 47 und hat in einigen Publikationen seine Erfahrungen in der Nazi-Diktatur aufgearbeitet. 1947 veröffentlichte Jens unter Pseudonym sein Debut Das weiße Taschentuch. Am Ende war sein Leben jedoch von dem Verdacht überschattet, selbst als NSDAP-Mitglied geführt worden zu sein.

In den letzten Jahren hatte sich Jens zusammen mit seiner Frau Inge um das Erbe Thomas Manns bemüht. So veröffentlichten sie zusammen 2003 Frau Thomas Mann (Rowohlt) und zwei Jahre später Katias Mutter die Biografie von Thomas Manns Schwiegermutter Hedwig Pringsheim.

Bei Jens, der immer wieder an depressiven Schüben litt, zeigten sich 2003 erste Symptome einer Demenz, weshalb er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückzog. Diese und die Aufarbeitung der Beziehung zu seinem Vater wurde zum Thema seines Sohnes Tilman Jens, der dazu Debatten auslöste.

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