Ruppert Schmidt

Ruppert Schmidt, langjähriger Inhaber des Dokumente Verlages, ist gestern, am 27. Februar, im Alter von 82 Jahren gestorben.

Ein Nachruf von Ingeborg Mues:

Am 26. Mai 1919 im fränkischen Hersbruck geboren, entdeckte er die Liebe zu Büchern ganz nebenbei, als er mit 14 Jahren als „Packer“ in der Buchhandlung Tauer in Nürnberg sich ein bißchen Taschengeld verdiente. Die Kriegszeit machte alle Studienpläne zunichte, und so war er froh, als er im August 1945 gleich nach seiner Heimkehr aus der Gefangenschaft in ebendieser Buchhandlung einen Job fand. „Learning by doing“ würde man seine „Lehrzeit“ dort heute nennen, Improvisation wurde in jener Zeit großgeschrieben. 1950 nahm der frankophile Ruppert Schmidt das Angebot an, in die Import-Exportbuchhandlung Dokumente-Verlag einzutreten, die zunächst ein deutsch-französisches Gemeinschaftsunternehmen war. Bald übernahm er die Geschäftsführung und wurde schließlich Alleininhaber der Firma.

Seit langem ist der Dokumente-Verlag eine der führenden Buchhandlungen, die sich auf die Verbreitung des französischsprachigen Buches in Deutschland und des deutschsprachigen Buches in Frankreich spezialisiert haben. Vor allem die deutschen und französischen Universitäten gehören zu seinen Kunden. Doch Ruppert Schmidt setzte sich auch auf andere Weise dafür ein, daß die beiden einst verfeindeten Nationen einander besser kennenlernen und Vorurteile abbauen konnten. So initiierte er in den 50er und 60er Jahren viele Studienreisen für junge deutsche Buchhändler nach Paris, vermittelte mehr als 200 Volontariatsstellen im französischen Buchhandel, organisierte von 1948 an die französischen Ausstellungen auf der Frankfurter Buchmesse.

Als Mittler des Buches zwischen Deutschland und Frankreich hat sich Ruppert Schmidt in den mehr als 50 Jahren, in denen er in diesem Bereich tätig ist, viele Verdienste erworben. Der unermüdliche Europäer wurde dafür mit dem Orden Palmes académiques sowie mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Zum 1.1.1998 übergab Ruppert Schmidt seine Firma an zwei junge Mitarbeiter, die den Dokumente-Verlag engagiert in seinem Geiste weiterführen. Er selbst arbeitete als Berater und freier Mitarbeiter bis zu seinem letzten Lebenstag noch immer im Betrieb mit.

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