Roswitha Heyne

Roswitha Heyne

Am 8. September ist Roswitha Heyne, geborene Wanninger, bei einem Urlaub in Griechenland vor Mykonos ertrunken. Das ist heute durch die Traueranzeige ihrer Tochter Natalie Heyne bekannt geworden. In den siebziger Jahren war die gebürtige Münchnerin verheiratet mit Rolf Heyne, für dessen Wilhelm Heyne Verlag sie die damals größte Kochbuch-Reihe mit etwa 350 lieferbaren Taschenbuch-Titeln aufgebaut hatte.

Es ist kein Zufall, dass in der Traueranzeige kein Geburtsdatum genannt ist; Roswitha hat aus ihrem Geburtsdatum ein gehütetes Geheimnis gemacht. Wir behalten sie als lebensfrohe und durchsetzungsstarke Verlegerin in Erinnerung, die es allerdings beinah mal nach Hollywod geschafft hätte.
Roswitha Heyne war ein in der Wolle gefärbtes Münchner Kindl – Zögling der urkatholischen Englischen Fräulein, barock in ihrer Figur und ihrer dem prallen Leben zugewandten Haltung. „Die ham an Sportsgeist, die Wanninger Madln“, bemerkte Sigi Sommer, der „Blasius“-Kolumnist der Münchner Abendzeitung. Aus ihrem Geburtsdatum machte sie ein unter Todesdrohung gehütetes Geheimnis; vor etlichen Dekaden, am Vorabend ihres 50. Geburtstags, verkündete sie: „Morgen werde ich 39, und das bleibe ich für den Rest meines Lebens.“
1960 Begegnung der jungen Redakteurin der Film-Revue mit Rolf Heyne, der gerade begann, sein Tachenbuchimperium aufzubauen; nach der Hochzeit übernahm die mit der praktischen Lebensklugheit und dem erdverhafteten Humor ihrer Münchner Heimat gesegnete Roswitha Heyne die Verantwortung für die Ressorts Ratgeber und Kochen, Neuland auf dem Taschenbuchmarkt. Die komplizierte, spannungsreiche Ehe des Verlegerpaars war wesentlicher Bestandteil der Heyne-Folklore, auch nach der Scheidung in den 80er Jahren.
In der Münchner Bussi-Society blieb Roswitha Heyne ein flitternder Fixpunkt. Als ihre schöne Tochter Natalie nach Paris umsiedelte, wurde Roswitha zur begeisterten Großmutter von Morgane und Chiara.
C. & L.

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