Maria Friedrich

Maria Friedrich im Vorjahr
beim dtv-Jubiläumsfest

Heute Nacht ist Maria Friedrich gestorben. Im Juli dieses Jahres wäre die Gründerin des “dtv junior” 90 Jahre alt geworden.

Beim Jubiläumsfest “ihres” dtv, den sie als Verlegerin des dtv-junior-Programms wesentlich nach innen und außen mitgeprägt hat, war sie selbstverständlich noch unter den Gästen und hat fröhlich, wenn auch unter Anstrengung, mitgefeiert: Sie hat die Entwicklung “ihres” Verlages tatsächlich bis zuletzt mit großer persönlicher Anteilnahme verfolgt und hat sichtlich an diesem Abend auch den verdienten Applaus für sie genossen.
Zur Erinnerung an die großartige Frau, die weit mehr war als “nur” die Frau an der Seite des dtv-Gründers Heinz Friedrich, hier der Geburstagsgruß, den Gerd F. Rumler zu ihrem 85. bei uns geschrieben hatte:
“Ihr Name ist und bleibt verbunden mit dem Verlag dtv junior, den sie 1970 mit begründete und bis 1990 als Verlegerin leitete.
Damals hatten die Gesellschafter des Deutschen Taschenbuch Verlages beschlossen, in Zukunft auch Bücher für Kinder und Jugendliche anzubieten und als neuen Gesellschafter die Junior Taschenbuchunion, einen Zusammenschluss von 10 namhaften Kinderbuchverlagen, aufzunehmen. Aber wer sollte die Programmarbeit leisten? In dieser Situation bat Heinz Friedrich – seit der Gründung des dtv zehn Jahre zuvor verantwortlicher Verleger – seine Frau Maria, diese Aufgabe kommissarisch wahrzunehmen.
Von Anfang an war ihre Arbeit so erfolgreich, dass bald niemand mehr von einer Interimslösung sprach.
Verlegerin ist die gebürtige Darmstädterin Maria Friedrich also eher zufällig geworden, denn nach Abitur und Studium (Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaften in München) und dem Besuch der Schauspielschule (München und Darmstadt), hatte sie zunächst am Theater, dann als freie Mitarbeiterin journalistisch und publizistisch gearbeitet, und außerdem – nicht nebenher – ihre Töchter Ulrike und Sabine großgezogen. Daher hatte sie zwar einen praktischen Zugang zur zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur, das Verlagsgewerbe kannte sie allerdings bis dahin nicht.
Aber dieses Handwerkszeug hat sie sich rasch angeeignet. Und dazu kam, wie sich zeigte, eine natürliche Begabung für das verlegerische Geschäft. Ein Gespür für Bücher und Themen, intensive Auseinandersetzung mit allen, mit denen sie arbeitete: Mitarbeiter, Verlegerkollegen, Autoren, Illustratoren, Herausgeber, Multiplikatoren und Journalisten, außerdem Begeisterungsfähigkeit, die ansteckte und last not least hohe Ansprüche an das Programm und die Bücher, die dort erschienen.
Gewiss, die Bücher der Gesellschafterverlage waren eine solide Grundlage für die Programmarbeit, aber Maria Friedrich hat durch ihr Engagement, durch ihre Energie und Kreativität und auch durch Eigenentwicklungen und Anregungen nicht nur den Grundstock für einen erfolgreichen dtv-junior gelegt. Sie hat auch maßgeblich beigetragen zum qualitativen Niveau der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur insgesamt.
Dazu gehört auch ihre ehrenamtliche Tätigkeit in verschiedenen Gremien, z.B. im Vorstand und als Vorsitzende der avj, vor allem aber ihr Einsatz für junge Illustratorinnen und Illustratoren, die sie als Lehrbeauftragte und Honorarprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste in München auch über ihre aktive Verlegerzeit hinaus betreute.
1990 gingen Maria Friedrich und ihr Mann in Ruhestand, ruhiger wurde ihr Leben danach aber eigentlich kaum: Beide blieben präsent, engagiert und interessiert.
Nach dem Tod ihres Mannes 2004 kam eine neue, schwierige Aufgabe hinzu: die Belange der Heinz-Friedrich-Stiftung zu regeln und die Stiftung selbst in ein gutes zukünftiges Fahrwasser zu bringen.
Dass die Linien ihrer Arbeit aus der Vergangenheit unmittelbar in die Gegenwart hinüberreichen, zeigt sich auch daran, wie sie ihren 85. Geburtstag feiert: Mit einer Finissage der Ausstellung „Heinz Friedrich – Ein Leben im Gegenglück des Geistes“ und außerdem mit einer Vernissage mit Werken „ihrer“ Illustratorinnen und Illustratoren. Beide Ausstellungen waren und sind jeweils im Kloster Seeon in Oberbayern zu sehen.
Sybil Gräfin Schönfeldt hat einmal geschrieben: ,Wer intensiv mit Maria Friedrich gearbeitet hat, ist oft mir ihr befreundet geblieben, auch in ihrem so genannten Ruhestand.'”

Der Nachruf von dtv-Verleger Wolfgang Balk

Maria Friedrich, Gründerin und bis 1990 Verlegerin von dtv junior, verstarb am
12. Januar 2012 im Alter von 89 Jahren in München.
Nicht nur als Verlegerin unterstützte und förderte sie junge Grafiker. An der Akademie für Bildende Künste in München hatte sie eine Honorarprofessur für die neu geschaffene Sparte ‚Buchillustration‘ und gab im Rahmen eines Lehrauftrags viele Jahre an der Universität Regensburg Seminare zu ‚Bild und Buch‘. Die langjährige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Jugendbuchverlage (AvJ) wurde für ihre Verdienste um das Kinder- und Jugendbuch mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels Landesverband Bayern verlieh ihr nach Beendigung ihrer aktiven beruflichen Tätigkeit die Ehrenmitgliedschaft.
Wir trauern um eine außergewöhnliche Frau, die den Verlag über Jahrzehnte wesentlich nach innen und außen mitgeprägt hat, insbesondere als kreative und erfolgreiche Verlegerin des dtv-junior-Programms.
Bis zuletzt hat Maria Friedrich mit großer persönlicher Anteilnahme die Entwicklung des Verlags verfolgt.
Die Trauerfeier wird vermutlich am Donnerstag kommender Woche (19. Januar 2012) stattfinden.
Wolfgang Balk / Verlegerischer Geschäftsführer des dtv

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