Lothar Schmid

Lothar Schmid

Am 18. Mai ist – wie heute schon gemeldet [mehr…] – kurz nach seinem 85. Geburtstag Lothar Schmid verstorben. Er hat gleich mehrere Leben geführt: Das eines Internationalen Schachgroßmeisters und Schachschiedsrichters, das eines leidenschaftlichen Sammlers und des erfolgreichen Verlegers der Werke von Karl May.

Diese Schlagworte bringen auf den Punkt, was das Leben von Lothar Schmid schon immer geprägt und ausgezeichnet hat, heißt es in einem Nachruf des Verlags.
Geboren wurde er am 10. Mai 1928 in Dresden, als Sohn des Verlegers Dr. Euchar Albrecht Schmid, der Karl May persönlich noch kannte und nach Mays Tod zusammen mit dessen Witwe und dem Erstverleger den Karl-May-Verlag im Jahre 1913 in Radebeul gründete. Lothar Schmid studierte Jura und übernahm 1951 nach dem Tod seines Vaters zusammen mit seinen beiden Brüdern Joachim († 2003) und Roland († 1990) die Leitung des Karl-May-Verlags in Bamberg, den er ab 1993 zunächst alleine und dann zusammen mit seinem Sohn Bernhard Schmid führte. 2007 zog er sich aus der vordersten Front der aktiven Verlagsarbeit etwas zurück.
Neben seinem beruflichen Schaffen als Verleger war das Schachspiel wohl die größte Leidenschaft von Lothar Schmid. Elf Mal trat er zwischen 1950 und 1970 für Deutschland bei den Schacholympiaden und vielen Länderkämpfen an. 1959 erhielt er den Titel „Internationaler Schachgroßmeister“. Obwohl immer nur Amateur, gewann er zahlreiche Preise und Auszeichnungen und gilt bis heute als einer der besten deutschen Schachspieler. Am Spitzenbrett führte er den Schachclub Bamberg 1966, 1976 und 1977 zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft. 1968 veranstaltete er zum hundertjährigen Bestehen des Clubs im Bamberger Ruderclub ein Großmeisterturnier, an dem er selbst teilnahm und hinter Paul Keres und noch vor dem damaligen Weltmeister Tigran Petrosjan den zweiten Platz belegte. Der breiten Öffentlichkeit wurde er bekannt als Schiedsrichter des legendären Wettkampfes um die Schachweltmeisterschaft 1972 in Reykjavik zwischen Boris Spasski (Sowjetunion) und dem genialen Bobby Fischer (USA). Kenner und Zeitzeugen von damals wissen, dass es dem umsichtigen Verhalten Lothar Schmids zu verdanken ist, dass der brisante Wettkampf trotz aller damals herrschenden politischen Spannungen zur Zeit des „kalten Krieges“ ordnungsgemäß beendet werden konnte – ohne sein diplomatisches Geschick wäre dieser vermutlich schon im Vorfeld oder spätestens nach der zweiten Partie gescheitert.
Aufgrund seiner Verdienste wurde ihm 2005 der Ehrentitel „Schachschiedsrichter des Jahrhunderts“ verliehen. Außerdem bekam er für seine sportlichen Leistungen 1970 das „Silberne Lorbeerblatt“ und 1993 das „Bundesverdienstkreuz am Bande“ und war seit 2002 Ehrenmitglied des Weltschachbund FIDE (Fédération Internationale des Échecs). Viele Jahre leitete er die FIDE-Kommission „Schach und Kunst“.
Mit mindestens genauso viel Begabung, Leidenschaft und Risikobereitschaft lenkte er sehr erfolgreich über Jahrzehnte die Geschicke des Karl-May-Verlags in Bamberg. Karl May ist mit über 80.000.000 verkauften Büchern allein in der Karl-May-Verlags-Ausgabe der meistgelesene deutsche Schriftsteller. Seine Werke wurden zudem in 42 Sprachen übersetzt.
2007 übergab Lothar Schmid die alleinige Geschäftsführung an seinen Sohn Bernhard, auch wenn er immer noch mit stetem Einsatz als Berater und Gesellschafter im Karl-May-Verlag mitwirkte: „Der Verlag und das Werk Karl Mays machen einen großen Teil meines Lebens aus und ich bin stolz auf die Wertschätzung, die sowohl dem Autor Karl May aber auch dem Verlag und seiner Arbeit zuteil wird“, so Lothar Schmid.
Mit seiner Frau Ingrid war er über 50 Jahre glücklich verheiratet und hat drei Kinder (zwei Söhne und eine Tochter) sowie fünf Enkelkinder.

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