Herbert G. Göpfert

Herbert G. Göpfert

Herbert G. Göpfert, langjähriger Cheflektor im Carl Hanser Verlag, ist am 20. April 2007 verstorben.

Am 22. September 2007 hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert. Er gehörte noch zu der Generation, die im 20. Jahrhundert groß geworden ist. Und wer mit Ende dreißig den Krieg überlebt hatte, dem schlug keine Stunde Null, ganz zu schweigen von der ohnehin absurden Vorstellung einer Gnade der späten Geburt. Im Gegenteil: außer den Entbehrungen der Nachkriegsjahre und den Mühen des Aufbaus galt es die eigene Vergangenheit zu bewältigen, und außer der Planung einer eigenen Zukunft galt es, auch an einer allgemeinen Zukunftsvision mit zu bauen.

Herbert G. Göpfert hatte Glück. Nach einem geisteswissenschaftlichen Studium war er Anfang der dreißiger Jahre Gymnasiallehrer, ab 1935 Lektor im Verlag Langen-Müller gewesen und hatte literaturkritische Arbeiten veröffentlicht. Er brachte also, als er 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte und vor dem Neuanfang stand, Berufserfahrung mit. Kurz trug er sich mit dem Gedanken, einen eigenen Verlag aufzumachen, bekam dann aber Verbindung zu Carl Hanser, dessen Verlag die Nazijahre mit weltanschaulich neutraler Ingenieur-Literatur überstanden hatte und bereits seit 1946 wieder publizieren durfte.

Hanser, der nun auch Schöne Literatur verlegen wollte, stellte Göpfert als Lektor ein. Man setzte auf die deutschen Klassiker und die internationale Moderne, den neuen Impulsen in der deutschen Literatur sah man anfangs eher distanziert zu. Göpfert edierte Mörike und Schiller, und erst auf dem Umweg über Frankreich stieß er Ende der fünfziger Jahre auf Elias Canetti, der bereits 1948 vom englischen Exil aus versucht hatte, wenigstens mit seinem Werk wieder im deutschen Sprachraum heimisch zu werden. 1963 erschien bei Hanser die dritte deutsche Ausgabe von Canettis Roman Die Blendung, und in der Folge sein Gesamtwerk. Ende 1964 verließ Göpfert den Verlag und übernahm eine Honorarprofessur an der Universität München. Der Begründer der Hanser Klassiker blieb dem Verlag als Berater und Herausgeber (Lessing, Goethe) verbunden.

Michael Krüger: “Als ich vor vierzig Jahren in den Verlag eintrat, “lebte” ich neben Herbert G. Göpfert, der als Berater das kleinste Zimmer im Verlag hatte: Dort diktierte er seine langen sorgfältigen kenntnisreichen Briefe an die Herausgeber der Klassikerausgaben, für die er berühmt wurde. Als “unstudierter” Literat war ich tief beeindruckt über die Detailgenauigkeit, mit der er den Arbeitslauf fixierte, und über den Takt gegenüber seinen neuen akademischen Kollegen, die Kärnerarbeit leisten (und bei Laune gehalten werden) mussten. Anschließend kam er immer zu einem Gespräch in mein Büro, wo es sehr viel “zeitgenössischer” und legerer zuging. Eingeklemmt zwischen Bücherbergen erzählte er mir von den Anfängen des Verlags, von der Aufbruchstimmung, dem “schwierigen” Carl Hanser – aber auch von seinem Leben und vom Krieg: erzählte Verlagsgeschichte. Vielleicht war dieses Talent der Grund dafür, dass er so viele Schüler gehabt hat, die ihn – wie auch ich – mit großem Respekt in Erinnerung behalten werden.”

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.