Georg Popp

Georg Popp, der Gründer und Altverleger des Würzburger Arena Verlages, ist am Donnerstag im Alter von 76 Jahren gestorben. Den Verlag, den er als 21 jähriger im Jahre 1949 gegründet hatte, leitete er bis dessen Verkauf im Jahre 1979.

Georg Popp stammt aus Würzburg, wo er auch aufwuchs. Seine Jugend war geprägt vom

Georg Popp

Zweiten Weltkrieg. So musste er die schulische Ausbildung abbrechen, wurde mit 15 Jahren als Luftwaffenhelfer eingezogen und überlebte ein Dutzend schwerer Bombenangriffe. Nach Kriegsende baute der erst Siebzehnjährige gemeinsam mit der Mutter den zerstörten elterlichen Kraftfahrzeugbetrieb wieder auf und holte das Abitur nach. Dann begann er 1947 an der Universität Würzburg mit dem Studium der Volkswirtschaft. Seine Freizeit nutzte er zu intensiver Mitarbeit bei der Katholischen Jugend in seiner Heimatstadt. Dabei wurde er auch zu ersten editorischen Tätigkeiten angeregt. Für die vielfach noch in Kellern wohnenden Jugendlichen eines Würzburger Arbeiterviertels redigierte er erstmals im Januar 1948 einen „Jungschar-Rundbrief“, der guten Anklang und eine zunehmende Verbreitung fand.

Im Juni 1948 wurde daraus eine der ersten deutschen Jugendzeitschriften nach dem Krieg, das „Guckloch“, das sich an 10- bis 13-jährige Leserinnen und Leser wandte und Unterhaltung, Sachinformation und Ratschläge für Freizeitgestaltung bot. Ihm folgte bald der „Leuchtturm“ als Zeitschrift für 14- bis 17-jährige.

Da die amerikanische Besatzungsbehörde zunächst keine Lizenzen für eine Verlagsgründung vergab, gründete Georg Popp im Februar 1949 einen „Buch- und Zeitschriftenvertrieb“, dem schließlich noch im September des gleichen Jahres die Gründung des „Arena-Verlag Georg Popp“ folgen konnte. Popp war damit der jüngste selbstständige Verleger in der neuen Bundesrepublik Deutschland. Er leitete diesen Verlag genau dreißig Jahre lang, gründete 1975 noch als eigenständigen Zweig die „Edition Popp“ für anspruchsvolle Kunstbücher und kulturgeschichtliche Werke, bis er 1979 das gesamte Unternehmen an die Westermann-Gruppe verkaufte. Bis dahin hatte er über 1500 Kinder- und Jugendbücher verlegt und in einer Gesamtauflage von über 30 Millionen Bänden verbreitet.

Schon früh packte den Verleger die Versuchung, selbst zur Feder zu greifen, aber bei dem hektischen Verlagsbetrieb fehlten Zeit und Stille zum Nachdenken. Aber im Januar 1955 entwickelte er die Idee eines Sammelbandes über „Die Großen der Welt“. Da er befürchten musste, dass andere ihm mit ähnlichen damals in der Luft liegenden Plänen zuvorkommen könnten, setzte er sich mit einigen seiner Autoren zusammen und brachte noch im gleichen Jahr unter dem Titel „Die Großen der Welt“ den ersten sogenannten Arena-Großband heraus. Das von ihm entwickelte Konzept einer Verbindung von Unterhaltung und solider Wissensvermittlung erwies sich von Anfang an als erfolgreich. Daraufhin entstanden in jährlicher Folge von ihm herausgegebene oder angeregte weitere Großbände wie „Die Großen der Kirche“, „Die Mächtigen der Erde“, „Wir leben seit fünf Sekunden“ (letzterer zusammen mit Heinrich Pleticha). Bis heute erreichte diese erfolgreiche Reihe eine Gesamtauflage von über einer Million Bände.

„Auf der anderen Seite des Schreibtisches“ blieb Popp nach dem Verlagsverkauf mit einigen Nachfolgebänden zu den „Großen der Welt“ dem Jugendsachbuch zwar treu, aber bald wandte er sich auch dem Erwachsenen-Sachbuch zu. Ein chinesisches Sprichwort von den kleinen Schritten regte ihn zu der Idee für „Die Macht der kleinen Schritte“ an. Diesem heute bereits in 9. Auflage vorliegenden Bändchen folgten im Laufe der Zeit 18 weitere Bücher, in denen Popp vor allem praktische, leicht nachvollziehbare Lebenshilfen anbietet und die heute schon eine Gesamtauflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren erreicht haben.

Trotz seiner vielfältigen verlegerischen und herausgeberischen Tätigkeit nahm sich Georg Popp immer wieder Zeit für ehrenamtliche Aufgaben im Bereich der Förderung von Kinder- und Jugendliteratur und setzte hier erfolgreich sein organisatorisches Talent ein. Als 1. Vorsitzender des Verbandes katholischer Verleger und Buchhändler (1955-1960) initiierte er bereits 1957 Ausbildungsseminare für Jungbuchhändler, die er auch als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlegern (1964-1971) fortsetzte. 1967 gründete er die Würzburger Pressegespräche, zu denen im zweijährigen Rhythmus die Jugendbuchrezensenten der namhaftesten deutschen Zeitungen eingeladen wurde. 1967 gehörte er zu den maßgebenden Mitgründern der „Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. Volkach“.
Als Mitglied der Abgeordneten-Versammlung des Deutschen Buchhandels (1965-1968), als Vorstandsmitglied des Arbeitskreises für Jugendliteratur (1966-1971) wie auch als Vorstandsmitglied des Börsenvereines für den Deutschen Buchhandel (1968-1971) ging es Popp stets um die Förderung und Anerkennung der Kinder- und Jugendliteratur, die gerade dank seiner Tätigkeiten und Initiativen aus ihrem Schattendasein heraustrat und im In- und Ausland gleichermaßen an Bedeutung gewann.

Die ListeWerke als Herausgeber ist lang:
Die Großen der Welt. Würzburg: Arena 1955. Neubearbeitungen 1976, 1995
Die Großen der Kirche. Würzburg: Arena 1956
Die Mächtigen der Erde. Würzburg: Arena 1957
Wir leben seit fünf Sekunden. Würzburg: Arena 1958 – Gemeinsam mit Heinrich Pleticha.
Die Großen des 20. Jahrhunderts. Würzburg: Arena 1970
Die Mächtigen des 20. Jahrhunderts. Würzburg: Arena 1971
Große Frauen der Welt. Würzburg: Arena 1980
Die Großen des Glaubens. Regensburg: Pustet 1985 und Stuttgart: Quell 1985
Große Frauen des 20. Jahrhunderts. Würzburg: Arena 1986
Die Großen der Bibel. Regensburg: Pustet 1987 und Stuttgart: Quell 1987
Die Großen der Menschenrechte. Würzburg: Arena 1988
Die Großen der Liebe. Stuttgart: Quell 1989
Die Bibel für Kinder. München: Südwest 1990
Die Großen der Versöhnung. Würzburg: Arena 1990
Die Großen der Geschichte. Taschenbuch. Würzburg: Arena 1990
Große Frauen der Geschichte. Taschenbuch. Würzburg: Arena 1994

Und lang ist auch die Liste seiner Werke als Autor:
Die Macht der kleinen Schritte. Freiburg: Herder 1981. Stuttgart: Quell und Regensburg: Pustet 1984. Güterlsoher Verlagshaus 2000.
Der uns die Angst nimmt. Regensburg: Pustet und Schorndorf: Fix 1982. Regensburg: Pustet und Stuttgart: Quell 1983.
Der uns trägt und führt. Regensburg: Pustet und Stuttgart: Quell 1983
Das Kursbuch für mein Leben. Regensburg: Pustet 1984
Einander zum Segen werden. Stuttgart: Quell und Regensburg: Pustet 1986
Lass dein Herz voll Freude sein. Stuttgart: Quell 1987
Ich liebe dich über alle Maßen. Stuttgart: Quell 1988
Aus Gottes Kraft leben. Stuttgart: Quell und Regensburg: Pustet 1988
Ich lasse dich nicht allein. Stuttgart: Quell 1989
Aufbruch oder Rückzug. Regensburg: Pustet 1989
Verführung zur Liebe. Regensburg: Pustet 1991
Krise als Neubeginn. Regensburg: Pustet 1992
Starthilfe am Morgen. Regensburg: Pustet 1993
Gott in mir. Regensburg: Pustet 1993
Du wirst geliebt. Limburg: Lahn 1994
Der neue Tag ist meine Chance. Regensburg: Pustet 1994
In Gottes Hand. Heiligkreuztal: aktuelle texte 1994
Geschenkte Zeit. Limburg: Lahn 1995
Mehr Lust am Leben. Mainz: Grünewald 1996

Der Träger des Bayerischen Verdienstordens, des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse und der Silbernen Stadtplakette Volkach war auch Ehrenmitglied der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Kommentare (1)
  1. Im Mai 2020 habe endlich in seinem Buch „Einander zum Segen werden“ gelesen, obwohl ich es schon seit etwa 35 Jahren im Bücherregal stehen hatte. Mich erstaunt und verwundert die Klarheit mit der Georg Popp seine wertvollen Aussagen darstellen konnte. Gerne würde ich wissen, was der Autor gelesen hat und wer seine Vorbilder waren.
    Ich kann nur sagen, im Grunde brauchte er nur das eine Buch zu schreiben, alles was wirklich wichtig und Vorbild uns sein sollte, steht darin. Ich kann hierfür nur DANKE sagen!

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