Friedrich Neugebauer

Im 94. Lebensjahr ist am 3. August in Bad Goisern, Oberösterreich, der angesehene

Friedrich Neugebauer

Kalligraph und Verleger Friedrich Neugebauer gestorben.

Neugebauer leitete über 30 Jahre die Meisterklasse für Schrift- und Bildgestaltung an der Kunsthochschule in Linz. Er verfassste das Buch „Kalligraphie als Erlebnis – Schrift und Schule des Schreibens“, ein Werk, das in Übersetzung auch im anglo-amerikanischen Sprachraum große Verbreitung fand. Neugebauer verstand das Schreiben nicht bloß als ein flüchtiges Notieren, sondern als eine künstlerische Tätigkeit, die, ähnlich wie in der chinesischen und japanischen Tradition, Ausdruck einer ganzen Persönlichkeit ist und eine breite Palette von Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Neugebauers Interesse galt der Schrift im privaten und im öffentlichen Gebrauch und er verfolgte ihre Entwicklung auch noch genau im Computerzeitalter. Am Aufbau des „Schrift- und Heimatmuseums Bartlhaus“ in Pettenbach hatte er wesentlichen Anteil.

Im Jahr 1964 gründete Neugebauer in Bad Goisern, wo der aus Mähren stammende Graphiker eine zweite Heimat fand, die „Neugebauer Press“ und edierte in der Folge eine Vielzahl bibliophiler Ausgaben in limitierten Auflagen und künstlerisch hochwertiger Bilderbücher, die vielfach ausgezeichnet wurden. In der Art, wie er Buchgestaltung als eine harmonische Verbindung zwischen Illustration und Schrift umsetzte, hatten diese Publikationen Vorbildcharakter. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen erkannten diesen außerordentlichen Rang an. Viele international angesehene Illustratorinnen und Autoren sind von Neugebauer entdeckt worden, unter ihnen Helga Aichinger, Edda Reinl, Angelika Kaufmann, Ivan Gantschev, Helme Heine und Lisbeth Zwerger. In Form der international agierenden „minedition“ (Michael Neugebauer Edition) existiert der Verlag bis in die Gegenwart.

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