Ernst Klee

Ernst Klee
© Walter H. Pehle

Ernst Klee ist heute, am 18. Mai 2013, nach langer schwerer Krankheit in seiner Frankfurter Wohnung gestorben. Der preisgekrönte Autor, der unter anderem mit seinen Arbeiten zur sogenannten „Euthanasie“ bekannt geworden ist, wurde 71 Jahre alt.
Der Name Ernst Klee steht für „Zivilcourage“. Er wurde am 15. März 1942 in Frankfurt am Main geboren, studierte Theologie und Sozialpädagogik und begann in den sechziger Jahren als Journalist zu arbeiten. Vor allem interessierte ihn die Sozialreportage. Für seine Filme und Artikel, die sich dem Leben von Nichtseßhaften, Behinderten und psychisch Kranken widmeten, erhielt er zahlreiche Preise, u.a. 1982 den Adolf-Grimme-Preis. Seine Arbeit spielte eine entscheidende Rolle für ein neues Selbstbewußtsein der bis dahin Tabuisierten und führte zu einer anderen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Als Dank für diese Leistung wurde eine Schule in Mettingen (Westfalen) nach Ernst Klee benannt. 1983 veröffentlichte er das Buch „Euthanasie“ im NS-Staat. Die Vernichtung „lebensunwerten Lebens“. Seine Forschungstätigkeit war seitdem auf die Medizinverbrechen im Nationalsozialismus konzentriert.
Wie kaum ein anderer hat er in Archiven Material gesichtet und an die Öffentlichkeit gebracht, die Täter enttarnt und den Opfern Namen und ihre Geschichte gegeben. Niemand hat mehr Täter mit genauen Daten „geoutet“ als Ernst Klee. Für sein Buch Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer erhielt er 1997 den Geschwister-Scholl-Preis. Die Stadt Frankfurt am Main zeichnete ihn 2001 für das Buch Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945 mit der Goethe-Plakette aus. In der Begründung wird ausgeführt, Ernst Klees wissenschaftliches und publizistisches Gesamtwerk zeuge von geistiger Unabhängigkeit und sei „geeignet, bürgerliche Freiheit, moralischen und intellektuellen Mut zu fördern und dem Gegenwartsbewußtsein wichtige Impulse zu geben“. 2007 erhielt Ernst Klee die Wilhelm Leuschner-Medaille des Landes Hessen.
Seine Forschungsergebnisse publizierte Ernst Klee seit den siebziger Jahren im S. Fischer und im Fischer Taschenbuch Verlag, weit über zwanzig Bücher sind erschienen. Im August 2013 erscheint sein letztes, von ihm noch autorisiertes Buch: Auschwitz – Täter, Gehilfen, Opfer. Ein Personenlexikon.

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