Christa Reinig

Die leute leben/ ohne uns/ und wir zerbrechen/ uns den kopf
(Christa Reinig, Müßiggang ist aller Liebe Anfang, 30. September)

Die Schriftstellerin Christa Reinig ist vorgestern, am 30. September, im Alter von 82 Jahren, in München gestorben. Seit Anfang des Jahres lebte sie in dem Pflegeheim Diakoniewerk. Vielen war ihr Name nicht mehr geläufig, andere fragten: Christa Reinig lebt noch? Dabei hatte sie noch vor zwei Jahren ein Buch mit philosophischen Betrachtungen veröffentlicht („Das Gelbe vom Himmel, Eremitenpresse Düsseldorf 2006), die, wie gewohnt bei Christa Reinig, nicht nur ironisch und blasphemisch waren, sondern auch von ihrem wunderbaren schwarzen, makabren Humor getragen wurden.

Ein Brief, den ich ihr im Frühsommer geschickt hatte, kam ungeöffnet zurück. Ein kleiner gelber Zettel der Post klebte auf dem Umschlag, es gab mehrere Möglichkeiten für die Nichtzustellung, angekreuzt war der Satz: „Empfänger soll verstorben sein“.

Als ich sie am Telefon erreichte, haben wir beide sehr über diesen postalischen Vermerk gelacht.

Christa Reinigs Bücher kann man, sollte man lesen, darüber muß ich jetzt nicht sprechen. Sagen möchte ich, dass ich sie sehr bewundert habe, nicht nur für ihre Dichtung, ihre Romane, Erzählungen, die Lyrik, sondern auch für ihre Lebenshaltung, für ihren Humor, der kein Jammern und Lamentieren zuließ. Obwohl sie, die vom Morbus Bechterew und anderen sie in ihren Bewegungen einschränkenden Krankheiten gezeichnet war, allen Grund dazu gehabt hätte. (Über den Morbus Bechterew hat sie auch ein Buch geschrieben: „Das große „Bechterew-Tantra“ Eremiten-Presse 1970)

„Erkenne, dass du ein Sterblicher bist, im Gegensatz zum unsterblichen Gott. Wie fühlt man sich, wenn man ein Gott ist, unsterblich und im Wissen um die Zukunft? Ich glaub, ich geh nach Hause. Sterblich sein und die Zukunft nicht wissen. Das größte Glück dieser Erde.“

Sie ist zu Hause angekommen (und wo das ist, das weiß nur sie), die Zukunft sind ihre Bücher.

Hanne Kulessa

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