Urs Breitenstein zum Schweizer Kurs in eine neue Zukunft

Seit dem 15. Mai ist Urs Breitenstein neuer Präsident des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes (SBVV). Sein Amt tritt er in einer heißen Zeit an. Seitens Politik wird die Buchpreisbindung stark unter Druck gesetzt. Die Wettbewerbskommission vom Parlament möchte die festen Buchpreise abschaffen und der Preisüberwacher Rudolf Strahm fordert eine Preissenkung. Während zwar die große Mehrheit der Buchhändler und Zwischenbuchhändler sich für die Preisbindung einsetzt, sind die Stimmen von Orell Füssli in Zürich und der Wissenschaftsbuchhandlung Karger Libri in Basel (und Grossist in Jordanien) gegen die Preisbindung lauter zu hören.

In DREI FRAGEN AN gibt Breitenstein unserem Korrespondenten in Zürich eine erste Einschätzung seiner neuen Aufgaben.

Urs Breitenstein

BuchMarkt: 95% der Branche sind für die Preisbindung, doch die wenigen, die dagegen sind, sind überdeutlich zu hören. Auch Politiker und die Presse (zum Beispiel die NZZ) sind gegen die Preisbindung. Wie möchten Sie darauf reagieren?

Breitenstein: Es stimmt, dass die Gegner der Preisbindung sich in den letzten Wochen über verschiedene Wege Gehör verschafft haben und lautstark die Aufhebung verlangen. Die NZZ war seit jeher gegen den festen Ladenpreis, und insofern erstaunt es nicht, dass als Sprachrohr die NZZ herhalten muss. Es ist einfach, auch beim Buchpreis das ewige Lied von der Liberalisierung anzustimmen. Es handelt sich aber beim Buchmarkt um einen anderen Markt als bei den herkömmlichen Konsumgütern. Das werden wir weiterhin in aller Ruhe und Entschiedenheit und in Verantwortung um unsere kulturelle Welt kundtun.

Wie sieht die aktuelle Situation aus? Mit welchen Maßnahmen bringen Sie die gesetzliche Initiative zur Buchpreisbindung voran?

Breitenstein: Ob es je und wann in der Schweiz ein Buchpreisbindungsgesetz geben wird, wie wir es in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern kennen, kann ich zur Stunde nicht sagen. Das liegt leider nicht in unserer Hand, es muss den ordentlichen Weg gehen. Wir versuchen natürlich mit aller Kraft, wenigstens in der deutschsprachigen Schweiz die Buchpreisbindung zu erhalten. Zunächst muss aber die Rekurskommission auf unseren Rekurs reagieren, bevor wir über das weitere Vorgehen entscheiden. Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen.

80% der Bücher kommen aus Deutschland. Die Durchschnittspreise sinken und die Euroumrechnung macht den Schweizer Buchhändlern zu schaffen. Wie steht es um die Forderung des Preisüberwachers, die Preise weiter zu senken?

Breitenstein: Wir stehen im Moment mit dem Preisüberwacher im Gespräch. Wir kommen unserer Zusage nach, auf den 1. Juli 2006 die durchschnittlichen Buchpreise um 2% zu senken. Unser Vorschlag liegt im Moment beim Preisüberwacher. Wir erwarten die Antwort in den nächsten Tagen. Weitere Preisabsenkungen werden aber kaum möglich sein. Wir wollen ja als Verband mit allen Mitteln verhindern, dass jeder auf sich alleine gestellt ist. Und wir wollen weiterhin eine breite Palette von Buchhandlungen und Verlagen in der Schweiz.

Besten Dank und viel Erfolg für Ihre neue Aufgabe.

Die Fragen stellte Urs Heinz Aerni

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