Dörte Hansen heute im Freitagsgespräch über... … ihre Erwartungen und Hoffnungen an „Mittagsstunde“

Sie sagt: “…Ich hätte mir den Erfolg von Altes Land  niemals vorstellen können! Daher warte ich einfach mal ab und singe dabei leise den alten Schlager von Katja Ebstein vor mich hin: ‘Wunder gibt es immer wieder…'” –  ob dieses Wunder eintritt, wird sich zeigen: Nach ihrem großen Erfolg mit Altes Land hat Dörte Hansen sich jetzt an ihren zweiten Roman Mittagsstunde (Penguin/ET 15.10) gewagt,  eine Familiengeschichte, die davon erzählt, wie Heimat sich verändert, sich erneuert und bewegt.

Christian von Zittwitz und Dörte Hansen auf der Leipziger Buchmesse 2016. Damals ging es um „Altes Land”, dessen Erfolg sich die Autorin “nicht hätte ausmalen können”

BuchMarkt: Worum geht es in Mittagsstunde?

Dörte Hansen: Mittagsstunde erzählt die Geschichte einer nordfriesischen Familie von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Es sind die fünf Jahrzehnte, in denen der Strukturwandel das Leben in den Dörfern vollkommen verändert hat. Die alte bäuerliche Welt verschwindet – und die Mitglieder der Familie Feddersen erleben den Verlust dieser Welt auf sehr unterschiedliche Weise. Abschied, Neubeginn und die Frage nach Zugehörigkeit spielen eine große Rolle in diesem Roman.

Wie würden Sie sich wünschen, dass eine Buchhändlerin/ein Buchhändler Ihren Roman verkauft? Mit welchen Argumenten?

Dieses Buch ist eine norddeutsche Familiengeschichte und eine Liebeserklärung an das Dorfleben – nicht romantisch, aber zärtlich. Es erzählt davon, wie Heimat sich verändert, sich erneuert und bewegt.

War der große Erfolg von Altes Land beim Schreiben am zweiten Buch eine Belastung?

ET ist der 15.10, die ersten Leseexemplare werden Anfang September verschickt. BuchMarkt hat glücklicherweise schon jetzt erste Einblicke erhalten – und ist begeistert. (Durch Klick aufs Cover geht’s zum Buch)

Er war Belastung und Entlastung zugleich: Ein Bestseller macht eine Menge Lärm, und ich brauche zum Schreiben Stille, sonst finde ich meinen Ton nicht. Es hat daher eine ganze Weile gedauert, bis ich mich „eingeschrieben“ hatte.

Andererseits hat mich der Erfolg von Altes Land extrem entlastet, weil er mir erlaubt hat, mich ohne Existenzangst auf mein nächstes Buch zu konzentrieren. Ich kann von meinem Schreiben leben – das ist ein großes Glück.

Erwarten Sie, dass sich der Erfolg wiederholt?

Ich kann mir das nicht vorstellen – aber ich hätte mir den Erfolg von Altes Land  auch niemals vorstellen können! Daher warte ich einfach mal ab und singe dabei leise den alten Schlager von Katja Ebstein vor mich hin: „Wunder gibt es immer wieder…“

Wie schon Altes Land hat Mittagsstunde ein ausgesprochen markantes Cover. Wie kam es dazu?

Ich hatte bei Mittagsstunde – anders als bei Altes Land – von Anfang an ein bestimmtes Motiv vor Augen, und die Graphikerin Sabine Kwauka hat dann in einer detektivischen Meisterleistung dieses Bild von Alexander Eckener aufgetrieben und damit ein Cover gestaltet, das mich sofort umgehauen hat. Schockverliebt! So war es bei Altes Land auch schon.

Mit dem zweiten Roman zeigen Sie, dass Sie endgültig in der Welt der Bücher angekommen sind. Irritieren Sie daher die Nachrichten, dass es immer weniger Bücherleser gibt?

Das ist sehr bedrückend! Das Buch hat durch die anderen Medien enorme Konkurrenz bekommen. Man muss sich die Zeit und Muße, die man zum Bücherlesen braucht, heute viel energischer erkämpfen als früher. Zerstreuung schlägt Kontemplation, so kann man diesen Trend vielleicht zusammenfassen. Ich hoffe, dass es genau das ist: Ein Trend, der bald von seinem Gegentrend abgelöst wird.

Was würden Sie dem Buchhandel angesichts der nicht einfachen Situation raten?

Ich habe auf meinen Lesereisen oft Buchhandlungen gesehen, die viel mehr waren als herkömmliche Läden. Gerade in Kleinstädten und Dörfern sind Buchhandlungen fast so etwas wie Kulturzentren. Viele Buchhändlerinnen und Buchhändler sind für ihre Kundschaft eigentlich Literaturlotsen, die ihnen im riesigen Bücherdschungel Orientierung geben. Altes Land hat gezeigt, wie erfolgreich diese Lotsenarbeit sein kann. Da kommen dann in einer Kleinstadt plötzlich 150 oder 200 Leute zur Lesung einer unbekannten Autorin, weil sie dem Urteil ihrer Buchhändlerin vertrauen. Das hat mich sehr beeindruckt.

Aber ich kann dem Buchhandel keine Ratschläge geben. Ich kann vielleicht Bücher schreiben –  aber sie zu verkaufen, das ist eine Kunst für sich!

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

 

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