Susanne Lange Wissinger, Holm Löwe: elektronische Programmvorschauen machen Drucker unglücklich – aber beglücken sie wirklich den Buchhandel?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an eVorschau-Masterminds Susanne Lange Wissinger und Holm Löwe.

Holm Löwe, Mitinhaber der Firma SoftPoint, und die Unternehmensberaterin Susanne Lange Wissinger haben sich zusammengetan, um mit dem Angebot eVorschau die Digitalisierung auch in den Bereich der Präsentation und Bestellung von Novitäten hineinzutragen – dass die eVorschau den Nerv der Zeit trifft, zeigt die aktuelle Kampfansage von Droemer gegen die „Materialschlacht“ Vorschauversand [mehr…]. Susanne Lange Wissinger ist nach langen Jahren der Vertriebs- und Marketingverantwortung bei DVA und Random House als Inhaberin von SLW Consult selbstständig. Holm Löwe hat mit seinen Kollegen in der Firma SoftPoint die eVorschau gemeinsam mit der eBuch Genossenschaft entwickelt.

Susanne Lange Wissinger, was den toskanischen Adelsgeschlechtern ihre Stadttürme waren, das ist den großen Verlagsgruppen ihr kiloschweres Vorschaupaket. Die Diskussion um Sinn und Unsinn der gedruckten Novitäten-Vorschau ist seit mindestens 15 Jahren unser ständiger Begleiter – warum sollte ausgerechnet die eVorschau an dieser Institution kratzen?

Susanne Lange Wissinger
Holm Löwe
Foto: eVorschau

Susanne Lange Wissinger: Schauen Sie sich die Gesamtsituation doch einmal an: Die Kolleginnen und Kollegen im Sortiment bestellen bewusst vorsichtig und ‚just-in-time‘, weil die Wirkung aktueller Presse- und TV Ereignisse nur schwer einschätzbar ist und zu sehr unterschiedlichen Abverkaufszahlen führen kann. Daher ist eine tagesaktuelle Novitäten-Information das Bestellsystem der Zukunft zwischen Verlag und Sortiment. Und nur ein internetbasiertes System stellt alle Informationen über einen neuen Titel (Leseproben, Trailer, Interviews etc.) in Echtzeit bereit.

Wie viel gibt etwa der Droemer Verlag im Jahr für seine bisherige „Materialschlacht“ aus?

Susanne Lange Wissinger: Ich kenne den Etat von Droemer nicht, aber meiner Erfahrung nach werden die Kosten sicherlich sehr schnell im fünfstelligen Bereich liegen.

Wenn ein Verlag die eVorschau einsetzen würde, könnte er dann die Printvorschau komplett weglassen?

Susanne Lange Wissinger: Nein, die Printvorschauen sind bislang überhaupt nicht überflüssig! Die Verlage legen im Hinblick auf Imagepflege und Selbstdarstellung großen Wert auf ihre Printvorschauen. Und es gibt viele Buchhändlerinnen und Buchhändler, die die Vorschauen der Verlage mit nach Hause nehmen und sehr intensiv studieren. Sie verschaffen sich sowohl einen Überblick über die Novitäten, aber gewinnen darüber hinaus natürlich auch einen Einblick in die Programmpolitik des jeweiligen Verlages. Das Gleiche gilt für die Kolleginnen und Kollegen in Presse und anderen Medien. Was aber sicher Sinn macht, ist die Vorteile beider Ansätze zu kombinieren und Schritt für Schritt zu optimieren. Bedrucktes Papier dort, wo es um Imagebildung und Programmpolitik geht, digitale Lösungen wie die eVorschau dort, wo es um Dinge geht, die sich gedruckt nicht transportieren lassen.

Viele Verlage haben schon die Erfahrung gemacht, dass Buchhändler auf E-Mails sehr schlecht angesprochen haben. Wird eine digitale Vorschau im Handel überhaupt gelesen?

Holm Löwe: Es sind bereits jetzt fast 600 buchhändlerische Kunden an das eVorschau-System angeschlossen, im Wesentlichen sind es die Buchhändler der eBuch. Diese Kolleginnen und Kollegen wissen bereits heute die Bequemlichkeit der Plattform zu schätzen. Sie ist kinderleicht zu bedienen, und wir wissen aus den Rückmeldungen der Buchhändlerinnen und Buchhändler, wie groß die Arbeitserleichterung im Umgang mit den täglichen Bestellungen ist.

Und was heißt das für Buchhändler, die unabhängig sind von der eBuch?

Susanne Lange Wissinger: Alle anderen können sich unabhängig von der eBuch ebenfalls über die offene Internetplattform eVorschau mit den Verlagen in Verbindung setzen. Hier kommt auf die Verlage bzw. die Vertreterbüros die Aufgabe zu, ihre Kunden über die Anwendungsmöglichkeit der eVorschau zu informieren. Hinzu kommt, dass eVorschau beliebig in Verlagsauftritte oder Portale integrierbar ist und damit in die Vertriebsphilosophie jedes Verlags mühelos eingepasst werden kann. Verlage, die sich jetzt den eVorschau Premiumshop einrichten, müssen lediglich ihre buchhändlerischen Kunden über den neuen Internetzugang informieren.

Wie „zwingt“ man die Zielgruppen, die eVorschau überhaupt anzusehen?

Susanne Lange Wissinger: (lacht) Ich glaube, von ‚Zwang‘ kann keine Rede sein. Die Navigation durch das Angebot ist wirklich kinderleicht und erfolgt intuitiv. Jeder, der möchte, kann sich davon direkt einen Eindruck verschaffen unter www.eVorschau.de.

Wie wird sie in den Einverkaufsprozess integriert?

Susanne Lange Wissinger: In der Vorbereitung des Listungsgesprächs können alle Zusatzinfos in Ruhe angeschaut werden, dann im Telefonat mit dem Vertreter oder der Vertriebsabteilung nochmals hinterfragt und dann gleich die gewünschte Bestellmenge eingegeben werden. Im Warenkorb sieht man anschließend sofort, welche Titel, welche Mengen und zu welchem Auftragsvolumen bestellt wurden. Es gibt auch viele Verlage, die neben den Vertreterbesuchen regelmäßig mit ihren Kunden im Kontakt stehen, sei es um Schnellschusstitel oder z.B. auch außerordentliche Pressestimmen zu kommunizieren. Taschenbuchverlage pflegen außerdem regelmäßige Bestellabrufe. Die eVorschau unterstützt im besten Sinne die Kommunikation zwischen dem Kundenservice bzw. Innendienst bzw. den Vertreterbüros der Verlage und den Kolleginnen und Kollegen in den Buchhandlungen. In der eVorschau können kurzfristig angekündigte Titel und Schnellschüsse für die Kolleginnen und Kollegen im Sortiment sofort und ohne großen Zusatzaufwand für beide Seiten zugänglich gemacht werden. Verlag und Buchhändler schauen tagesaktuell auf dieselbe Titelinformation und können sie ‚live‘ durchsprechen. Aber auch ganz unabhängig von einem Telefonat können die Kolleginnen und Kollegen im Sortiment ihre Bestellungen zu jeder Zeit auslösen. Aktuelle Schwerpunkttitel sind jederzeit leicht kenntlich zu machen. Zusatzinfos wie Autorenporträts, Leseproben, Anzeigenkampagnen, aktuelle Pressestimmen und -quotes stehen ebenfalls in der eVorschau zur Verfügung. Und noch wichtig für die Verlage: die eVorschau muss nicht extra mit bibliografischen Angaben ergänzt werden, denn der komplette Datenfeed erfolgt über eine zentrale Datenbank, die SoftPoint seit Jahren für seine unterschiedlichen Projekte im Buchmarkt tagesaktuell bereithält.

Wird denn hier nicht den Vertretern Konkurrenz gemacht?

Susanne Lange Wissinger: Im Gegenteil! Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Verlage, die ihre engagierten und aktiven Vertreterbüros mit der eVorschau ausstatten, auch eine sehr gute Kommunikationsplattform zu ihren Kunden hätten.

Häufig wird der Novitäteneinkauf in der Buchhandlung kollektiv erarbeitet. Geht das mit der eVorschau auch?

Holm Löwe: Ja, natürlich. Im Warenkorb werden zunächst alle Bestellungen abgelegt. Über eine benutzerabhängige Steuerung kann z.B. festgelegt werden, wer die Bestellung letztendlich auslösen darf. Damit ist eVorschau auf die unterschiedlichen Anforderungen der Buchhandlungen vorbereitet Diese Praxisorientierung wird auch in Zukunft wichtig bleiben. Wünsche und Anregungen, die aus dem Benutzerkreis kommen, werden so schnell wie möglich in das Produkt übernommen und stehen damit allen Anwendern zur Verfügung. Denn hier gilt natürlich der Grundsatz: Eine Software wird nur dann akzeptiert und täglich benutzt, wenn sie die Abläufe und Vorgänge aus der Praxis möglichst gut abbildet.

Wie beeinflusst sie den Einverkauf – gibt es Zahlen?

Susanne Lange Wissinger: Bitte haben Sie dafür Verständnis, wenn wir beide hier als Außenstehende darüber keine Auskünfte geben. Aber die Tatsache, dass per heute bereits über 70 Verlage den Premium Shop der eVorschau im Einsatz haben, ist ein vielversprechendes Signal.

Und was ist mit den Zusatzkosten, die für einen Verlag entstehen?

Susanne Lange Wissinger: Nach meiner Erfahrung macht sich die (sehr überschaubare!) Investition für die Verlage ganz schnell bezahlt. Die Kosten für die Herstellung von Vorschauen und zusätzlichen Drucksachen sind heute ja sehr genau kalkuliert und damit einschätzbar, weil auch die Marketingkollegen in der Regel beste Kontakte zu Druckereien haben und gute bis sehr gute Konditionen verhandelt haben. Das viel Teurere sind die Porto- und Versandkosten. Und hier wage ich eine Prognose: Zwei Aussendungen weniger im Jahr an den Buchhandelsverteiler, und die Kosten für eVorschau haben sich amortisiert.

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, E-Commerce-Unternehmen, Buchhändler und Dienstleister bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Die Qualitätssicherung von Katalog- und anderen Stammdaten ist sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.

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