Das Syndikat trauert um seinen Gründer Horst Bosetzky (1938 – 2018) “-ky, wir werden Dich vermissen!” – ein Nachruf

Am Wochende ist bekannt geworden, dass Horst Bosetzky, einer der Väter der Criminale und Mitgründer der Autorenvereinigung deutschsprachiger Krimiautoren und Autorinnen Das Syndikat e.V.gestorben ist. Hier ein Nachruf von Reinhard Jahn (Bochumer Krimi Archiv):

Er war der Vielfältige – Horst Bosetzky alias -ky, alias John Taylor, alias John Drake. Er war Soziologe, Professor, Schriftsteller, Jugendbuch-, Hörspiel- und Drehbuchautor, er war einer der Väter der CRIMINALE, auf der sich die Autoren des Das Syndikat einmal im Jahr treffen. Er war – natürlich – maßgeblich an der Entstehung dieser „Autorenvereinigung deutschsprachiger Krimiautoren und Autorinnen” beteiligt, wie Das Syndikat e.V. noch bis zum Mai 2018 hieß – auch schon lange bevor er von 1991 bis 2001 einer ihrer Sprecher war.

Auf die gleiche Vielfalt stößt, wer sein schriftstellerisches Werk zu dokumentieren versucht – es ist mit seinen insgesamt mehr als 150 Titeln so vielseitig und vielgestaltig, dass man in den Siebzigern, als er sich noch hinter dem –ky-Kürzel versteckte, ernsthaft annahm, dahinter verberge sich ein Team – oder wie man damals sagte: ein Kollektiv –, das als undercover-writer zum Marsch durch die Krimi-Institutionen angetreten war. Mit der Mission, das System von innen auszuhöhlen.

Eine Mission die -ky gefallen hätte – er galt nach seiner Enttarnung nicht umsonst als der „Erfinder des deutschen Soziokrimis“. Also des Kriminalromans, der gesellschaftliche Missstände und strukturelle Gewalt thematisierte, ein Krimi, der seine Motive abseits der schon damals ausgetretenen Whodunnit-Pfade suchte, der seine Stories im aktuellen (also damaligen) Hier und Jetzt verankerte. Ein Krimi, der, mit Tempo und Witz erzählt, ein laufender Kommentar zum Zeitgeschehen war. Terror-Sympathisantenjagd, Mobbing, politisches Versagen, Wirtschafts- und Vereinigungskriminalität – alles konnte Thema sein, denn –ky konnte alles zum Thema machen. Seine Romane bildeten schon bald einen ganz eigenen Kosmos, –ky-Land könnte man sagen: Die Berliner Polizeigeschichten um Kommissar Mannhardt, die Stories aus der frei erfundenen Mittelstadt Bramme, die zahlreichen Kreuz- und  Querverbindungen zwischen den Romanen, die immer neue Nischen des –ky-Kosmos ausleuchteten – bis zu dem fulminanten Meilenstein „Friedrich der Große rettet Oberkommissar Mannhardt“ (1985).

Auf -ky folgte schließlich Horst Bosetzky mit seiner fulminanten Familiensaga, den „Kartoffel“-Romanen, in denen er mehr oder weniger verschlüsselt seine eigene Biografie im Wirtschaftswunderdeutschland nachzeichnete. Und natürlich kamen noch die historischen Kriminalromane dazu – „Die Bestie vom Schlesischen Bahnhof“ (2004) etwa oder „Der Teufel von Köpenick“ (2009), sowie die von ihm miterfundene Reihe „Es geschah in Berlin“, um die Fälle des Kriminalpolizisten Hermann Kappe.

Wer –ky kennenlernen durfte, traf einen freundlichen, zugewandten Zeitgenossen mit einem hemmungslosen Hang zum Kalauer, der mit einer Vielzahl von Inselbegabungen überraschte. Angefangen bei der profunden Kenntnis des Berliner Nahverkehrs bis hin zur Begeisterung für das Werk von Theodor Fontane – alles wurde mit –ky-scher Energie bis zur Perfektion (oder zumindest nah daran) recherchiert, aufgesaugt und wiederverwendet.

-ky der Vielfältige hat nicht nur in der Krimiszene, nicht nur in der Berliner Literaturlandschaft, nicht nur an seiner ehemaligen Wirkungsstätte, der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege seine Spuren hinterlassen. Er hat sie auch geprägt. Und deshalb wird er euch bleiben – auch wenn er jetzt gegangen ist.

Das Syndikat e.V. trauert um einen seiner wichtigsten Gründer und geachteten Kollegen.

-ky, wir werden Dich vermissen!

 

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