"Über alle Grenzen hinweg" Isabel Abedi äußert sich zum Trump-Dekret

Isabel Abedi (Foto Hergen Schimpf © Loewe Verlag GmbH
Isabel Abedi (Foto Hergen Schimpf © Loewe Verlag GmbH

Seit dem Wochenende protestieren Menschen weltweit gegen den Einreisestopp in die USA. Am eigenen Leib zu spüren bekam die neue Regelung auch die Kinder- und Jugendbuchautorin Isabel Abedi. Der Grund: Ihre doppelte deutsch-iranische Staatsbürgerschaft. Im Folgenden berichtet sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken der letzten Tage:

„Bis gestern war ich von Trumps Dekret zum Einreiseverbot betroffen, weil ich als Doppelbürgerin gelte. Die Geschichte meiner Herkunft hat den Irrsinn dieser Entwicklung für mich erstmals fühlbar gemacht: Mein iranischer Vater hat uns nach meiner Geburt verlassen, ich war nie im Iran, spreche die Sprache nicht, habe seit meinem 12. Lebensjahr einen deutschen Pass und eine deutsche Staatsangehörigkeit – kann aber trotz allem meine iranische Staatsbürgerschaft nicht aberkennen. Ich musste für meinen Flug in die USA ein Visum beantragen, das mir am Tag der Erlassung des Dekretes ausgestellt wurde. Meine Erfahrung im Berliner Konsulat war beängstigend, weil die ,Interviews‘ offen und über Lautsprecher hörbar für alle geführt wurden. Mein geplantes Flugdatum: 16. März – ich habe die Flüge gebucht und bekam kurz darauf eine besorgte Nachricht einer Freundin, ob das Einreiseverbot auch mich betreffen würde. Bis gestern war dem so. Heute dann die Information, dass Bürger mit zwei Pässen mit dem ,unbedenklichen Pass‘ einreisen dürfen.

Nichtsdestotrotz. Ich bin erschüttert von dem, was gerade passiert. Meine Tochter Sofia, deutsch-brasilianische Staatsbürgerin, lebt in Brasilien – allein die Vorstellung, ich dürfte dort nicht mehr einreisen, oder sie nicht mehr zurück, ist beängstigend. Ähnlich ist es mit Kalifornien: Meine Freunde dort sind für mich Wahlverwandtschaft, meine ,amerikanische Familie‘.

Ich fühle mich als Schriftstellerin von Lola (Loewe) mitverantwortlich für Integration, eine Schule gegen Rassismus wurde inspiriert von dem Lola-Buch gegründet und ich selbst bin Patin dieser Schule.

Elham Moghadas, die mein Jugendbuch Whisper (Arena) ins Iranische übersetzt hat, versucht seit vielen Monaten, mich in den Iran einzuladen. Doch auch hier ist die Einreise mit meiner doppelten Staatsbürgerschaft problematisch und ein zeitnaher Besuch undenkbar. Daher habe ich ein Grußwort an meine dortigen Leser verfasst, in dem ich ihnen wünsche, dass ihre Herzen offen und ihre Gedanken frei bleiben – über alle Grenzen hinweg.“

Die Autorin hat sich gestern auch in einem Interview im NDR zu Trumps Politik geäußert.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.