Ina Fuchshuber: neobooks ist marktführender Selfpublishing-Distributor – na und?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an neobooks-Mastermind Ina Fuchshuber von Droemer Knaur.

Ina Fuchshuber, geboren 1983 in Landshut, ist nach Buchwissenschafts- und Publishing-Studium in München und Oxford (GB) seit 2009 zunächst als Managerin Business Development, seit 2010 als Leiterin von neobooks bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur.

Ina Fuchshuber, Ihr „Küken“ neobooks ist dank 3 Jahren Kraftfutter raus aus dem Brutkasten, sagen Sie. Läuft es auch schon?

Ina Fuchshuber

Ina Fuchshuber: Und wie es läuft! 25.000 registrierte Mitglieder zählen wir heute, der Umsatz wächst steil, und wir haben uns an die Spitze der Selfpublishing-Distributoren in Deutschland gesetzt.

Wie funktioniert neobooks – erklären Sie das doch mal kurz und gemeinverständlich!

Ina Fuchshuber: Einfach registrieren auf www.neobooks.com und das Word-Dokument mit dem zukünftigen Bestseller hochladen. Auch Bilder und Grafiken kann unsere eigens entwickelte Software verarbeiten und es entsteht in Minuten ein professionelles ePUB. Unser Team prüft das Werk, vergibt eine ISBN und liefert das E-Book innerhalb weniger Tage an alle wichtigen Händler aus. Der Autor erhält von jedem verkauften Exemplar 70% des Erlöses – und sieht tagesaktuell alle Verkaufszahlen. Die Kunst liegt also nicht im Hochladen des Werks bei neobooks – das ist wirklich kinderleicht – sondern die betreibt der Autor, wie schon immer, wenn er seine Geschichte zu Papier bringt.

Es heißt, dass in neobooks bereits über 500.000 Euro stecken. Wozu der Aufwand – wäre es nicht besser gewesen, mit dem schönen Geld ein paar ausgewiesene Nachwuchstalente einzukaufen? Was hat der Verlag von neobooks?

Ina Fuchshuber: Viele Nachwuchstalente statt nur einige, ist unsere Devise: Wir sehen bei neobooks schon sehr früh, durch eine Menge von Indikatoren, die wir über die Plattform sammeln, welcher Autor zu uns passt und welcher Autor/welcher Titel eine noch bessere Verbreitung und Verwertung zusammen mit uns erreichen kann. Während andere von der Amazon-Liste einkaufen müssen, erfahren wir viel schneller, wer im Selfpublishing gerade „auf dem Sprung“ ist. Zum anderen natürlich Umsatz durch unsere Dienstleistungen für Selfpublishing-Autoren. Das alleine ist schon ein Geschäftsmodell, das sich bald tragen wird.

Die Öffentlichkeit wird verwöhnt mit wohlklingenden Kennzahlen – fragt sich nur, ob diese aussagefähig sind. Also was beweist die Relevanz und Leistungsfähigkeit von neobooks?

Ina Fuchshuber: Die erste unabhängige Studie „Self Publishing in Deutschland“ von Journalist und Blogger Matthias Matting in Zusammenarbeit mit Hilke-Gesa Bußmann zeigt, dass neobooks im Konkurrenzumfeld des E-Book-Selfpublishings klar die Nase vorne hat: Über 15% Prozentpunkte liegen wir in der Nutzungshäufigkeit vor der Konkurrenz. Außerdem ist Selfpublishing dank Distributoren wie uns kein Amazon-Phänomen mehr: Über 66% der Autoren veröffentlichen ihre Werke bei allen Händlern. So profitiert nicht nur ein Player von dieser neuen Bewegung und die Autoren erschließen sich den ganzen E-Bbook-Markt.

Was war der bisher größte neobooks-Erfolg?

Ina Fuchshuber: Das gibt’s nicht nur den einen – sicherlich aktuell die Marktführerschaft, die das Vertrauen der Autoren in uns beweist. Dann die Erfahrung, dass sich unsere akquirierten Autoren bei Knaur und im Handel sehr gut durchsetzen; aber auch der Moment, als wir das erste Mal Verlagsautoren anderer Verlage auf unserer Plattform entdeckt haben – der endgültige Beweis auch für den letzten Zweifler, dass auch professionell arbeitende, hauptberufliche Autoren vom „hybriden“ Dasein als Selfpublishing-Autor und Verlagsautor parallel profitieren.

Haben Sie unter der neobooks-Wärmelampe schon einen Bestseller-Autor herangebrütet, der den Handel beglückt?

Ina Fuchshuber: Unser neuester Zugang im Knaur-Stall der neobooks-Autoren sind das Autoren Duo Sandra Dageroth und Diana Kruhl mit „Taberna Libraria“: Im Self-Publishing haben sie über neobooks bereits über 25.000 Exemplare ihres Fantasyromans abgesetzt – im Herbst erscheint das Taschenbuch bei Knaur. Aber auch die anderen Autoren wie Susanna Ernst und Birgit Böckli erscheinen mittlerweile in der zweiten und dritten Auflage und bald auch mit dem jeweils zweiten Buch und machen sich sehr gut!

Die erwähnte Studie mit der Goethe-Universität Frankfurt enthält viel Primärmaterial und erschließt tiefe Einblicke in die Autorenseele. Wird da Ihr Wettbewerb nicht kräftig Honig saugen?

Ina Fuchshuber: Die Studie ist nicht in Zusammenarbeit mit neobooks entstanden – wir vertreiben das Werk für die Autoren Matthias Matting und Hilke-Gesa Bußmann bei allen Händlern. Insofern war es auch für uns höchst aufschlussreich, was die Autoren über uns und unsere Wettbewerber denken und mit welchem Anspruch sie Selfpublishing betreiben – und hier zeigt sich, was wir schon immer vermutet haben: Wir arbeiten hier zunehmend mit professionellen Autoren: Über 40% der Teilnehmer haben schon einmal in einem Verlag veröffentlicht.

Viele Verlage sehen Selfpublishing als „dunkle Bedrohung“ und unheilige Allianz zwischen Autoren und den amerikanischen Big Four. Wo wird das enden? Welches Marktpotenzial hat Selfpublishing nach Ina Fuchshuber endgradig? Nennen Sie doch mal einen Prozentsatz!

Ina Fuchshuber: In GB machen selbstpublizierte Bücher in den populären Genres des E-Book-Marktes rund 20% der Sales aus; in USA betreiben fast alle der Big Five ihre eigene Selfpublishing-Unit. In Deutschland tippe ich auf einen ähnlichen Anteil an selbstpublizierten Books in den beliebtesten Genres– schon heute – und darauf, dass das Thema Selfpublishing die Verlage in Zukunft noch mehr beschäftigen wird. Droemer Knaur hat sich dafür entschieden, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und den anderen das Feld zu überlassen, sondern diese Akquise- und Umsatzchance für sich zu nutzen.

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, E-Commerce-Unternehmen, Buchhändler und Dienstleister bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Die Qualitätssicherung von Katalogdaten ist sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.

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