Günter Hilger: buecher.de bloggt – aber liest das auch jemand?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an buecher.de-Marketingleiter Günter Hilger. Seit 2008 verantwortet er die Marketingleitung beim Online-Medienhändler buecher.de.

Günter Hilger, Jahrgang 1963, geboren in München, plante und realisierte nach seinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens zunächst Erdgas- und Erdöl-Pipelines, bevor er 1993 in die Verlagswelt bei WEKA und Weltbild einstieg und mittlerweile auf rund 15 Jahre Erfahrung im Bereich Neue Medien, Internet und Online-Marketing zurückblicken kann.

Günter Hilger, wer den buecher.de Blog sieht, wünscht sich, dass Online-Shops so aussehen. Warum ist es in Shops so eng und in Blogs so luftig?

Günter Hilger

Günter Hilger: Weil Online-Shops primär der Präsentation und dem Verkaufen von meist zahlreichen Produkten dienen und ein Blog eher die Themen reflektiert, um die es beispielsweise in Büchern oder anderen Medien geht.

Sie haben entschieden, nicht selbst zu bloggen, sondern eine Agentur zu beauftragen. Warum?

Günter Hilger: Das hat zum einen Ressourcen-Gründe. Zum anderen ist es aber auch nicht schlecht, wenn Außenstehende mitwirken, die vielleicht die Themen etwas anders akzentuieren und beleuchten.

Geht das nicht zulasten der Glaubwürdigkeit, die in den Social Media so wichtig sein soll?

Günter Hilger: Die redaktionelle Führung ob liegt ja immer noch buecher.de. Ein Teil der Beiträge stammt nach wie vor von uns. Die Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Agentur ist zur gegenseitigen Befruchtung hilfreich und insofern eine sinnvolle Ergänzung.

Wie viele Besuche bekommt Ihr Blog im Monat, und was sind das für Leute? Sind das Kunden, die sich mal ausruhen wollen vom „Information Overkill“ im Shop?

Günter Hilger: In einem Durchschnittsmonat verzeichnen wir 6.000 bis 10.000 Besucher in unserem Blog. Wo die herkommen, können wir relativ grob nachvollziehen. Wir sehen, ob sie über eine Suchmaschine oder über andere Seiten wie Facebook, Twitter oder einen unserer Blog-Partner kommen. Google bringt deutlich mehr Traffic als Social Media, dann kommen andere einschlägige Portale, während die Querverlinkung aus Social Media relativ gering ist.

Was machen die Besucher im Einzelnen auf Ihren Blog-Seiten?

Günter Hilger: Das differenzieren wir nicht weiter aus, für uns ist es wichtig, dass sie den Blog besuchen. Einzelne unserer Beiträge haben zwischen 30.000 und 40.000 Besuche bekommen. Wir würden uns allerdings wünschen, dass die Besucher aktiver wären mit Kommentaren usw. Aber hier merkt man den Einfluss von Facebook und Twitter, die von ihrem Konzept her interaktiver und kommunikativer sind und aus Sicht vieler Leser sicherlich „hipper“. Wir stellen fest: die Besucher unseres Blogs sind eher passive Konsumenten, das dürfte aber generell für Blogs gelten.

Was motiviert Ihre Blog-Besucher am stärksten zum Weiterklicken: Inhalte, Gewinnspiele oder andere Belohnungen oder die Kaufmöglichkeiten?

Günter Hilger: Das kommt darauf an. Wenn die Themen sehr publik sind – weil ein Buch im Gespräch ist oder der Autor eine große Fangemeinde hat – tut sich viel. Auch Umfragen und Gewinnspiele funktionieren oft sehr gut zur Aktivierung der Leser. Es hängt auch viel von der Qualität bzw. der Attraktivität der Umfrage oder des Gewinnspiels ab.

Heißt das, von der Attraktivität der Preise?

Günter Hilger: Zum Beispiel. Oder wenn das Gewinnspiel einfach Spaß macht.

Wie wichtig ist es Ihnen, detailliert zu messen und diese Messergebnisse laufend in Ihre Arbeit einfließen zu lassen?

Günter Hilger: Wir sehen uns generell die Traffic-Aktivitäten und die Herkunft des Traffic an und welche Beiträge wie funktioniert oder sich ins Social Web verbreitet haben. Daraus ziehen wir unsere Schlüsse. Mit unserer Agentur haben wir eine Lernkurve durchlaufen, welche Themen funktionieren, wie lang ein Beitrag sein oder wie er geschrieben sein muss, um verbreitet zu werden.

Die virale Verbreitung Ihrer Inhalte ist Ihnen demnach wichtig?

Günter Hilger: Das ist eines der Ziele, die wir mit unserem Blog verfolgen.

Hat ein kleiner Buchhändler eine Chance, gegen die großen anzustinken?

Günter Hilger: Jeder Blog lebt vom Traffic, und der muss irgendwo herkommen. Da tut sich ein großer Shop, der von Haus aus viele Besucher hat, die er auf den Blog verweisen kann, natürlich leichter.

Was darf so ein Blog im laufenden Betrieb kosten?

Günter Hilger: Mit einem Blog verfolgt man ja in der Regel verschiedene Ziele. Wenn man ausschließlich den wirtschaftlichen Nutzen als Maßstab heranziehen würde, dürfte man einen Blog nicht betreiben. Aber auf jeden Fall ist ein Blog schon deswegen sinnvoll, weil man Bücher damit nicht allein als Verkaufsware sieht, sondern motiviert wird, sich Gedanken zu machen, wie man Interessenten zeitgemäß anspricht.

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, E-Commerce-Unternehmen, Buchhändler und Dienstleister bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Die Qualitätssicherung von Katalogdaten und anderen Stammdaten ist sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.

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