Dr. Peter Pany: Stille Nacht statt Nintendo – unterschätzt der Handel die Attraktivität von Noten im Weihnachtsgeschäft?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Doblinger-Geschäftsführer Dir. Peter Pany.

Dir. Peter Pany ist CEO des Musikhauses Doblinger. Er hat 2008 die Geschäftsführung des Wiener Musikhauses und Verlag übernommen. Damit liegt die Leitung des Unternehmens in 5. Generation in Familienhand.

Dir. Peter Pany, die Musikalienverlage drängen mit Weihnachtsliederbüchern in den Buchmarkt. Chancen auch für den Handel?

Dr. Peter Pany

Peter Pany: Alle Jahre wieder halt… Im Ernst: ja, weil Buch- und Notenkäufer die gleiche Zielgruppe sind.

Es gibt inzwischen ein breites Angebot. Ist Singen wieder in?

Peter Pany:: Schwer zu sagen, auf jeden Fall wird doch immer zu Weihnachten mehr gesungen, insbesondere bei Familien mit Kindern, selbst wenn in einer Familie sonst nie gesungen oder musiziert wird. Die Zielgruppe ist zu Weihnachten also viel größer als sonst über das Jahr. Aber auch instrumentale Weihnachtslieder-Bände verkaufen sich sehr gut, eben weil jede Feier mit musikalischer Umrahmung viel festlicher wirkt und auch an Musikschulen und Schulen in der Vorweihnachtszeit vermehrt musikalische Aktivitäten stattfinden.

Sie haben ja auch einen Notenfachhandel im Haus, ist das gesteigerte Interesse am Umsatz zu spüren?

Peter Pany: Also die zweite Jahreshälfte von September von Schulbeginn bis Ende des Jahres haben wir in unserer Musikalienhandlung stets Dauer-Hochbetrieb. Da die Unterrichts- und Weihnachtsneuerscheinungen natürlich stets rechtzeitig gedruckt vorliegen müssen, ist diese Zeit für uns sowohl im Verlag als auch im Musikhaus oft sehr anstrengend.

Das heißt das Weihnachtsgeschäft beginnt mit Noten bereits früher?

Peter Pany: Ja, weil man beim Musizieren – im Gegensatz zum Bücherlesen – mit einer mehrwöchigen Einstudierzeit rechnen muss. Geprobt wird schon bald nach Schulanfang, damit das Stück dann im Dezember vorspielreif ist.

Schält sich heraus, an welchen Stellen die größten Potenziale für den Handel liegen?

Peter Pany: Der Handel sollte darauf achten, gute Bearbeitungen anzubieten Weihnachtsliederhefte müssen ja auch in Familien, in denen sonst übers Jahr wenig oder gar nicht musiziert wird, gut und einfach funktionieren, also entweder gut und einfach singbar sein für Kinder bis hin zu den Omas, oder gut und leicht spielbar sein – im Idealfall beides. Aber das ist bei manchen Instrumenten nicht immer leicht in Einklang zu bringen. Auf der Gitarre sind leicht spielbare Tonarten nicht unbedingt leicht singbar, das Problem haben unsere PLAY GUITAR CHRISTMAS Autoren, wie ich finde, gut gelöst…

Sie sind in diesem Jahr mit einigen neuen Notenbüchern zu Weihnachten auf den Markt gekommen, gab es einen Anlass?

Peter Pany: Ja, mit gleich mehreren, neben den erwähnten zwei PLAY GUITAR CHRISTMAS Heften mit zwei Heften für Blechbläser-Ensembles, eines für Blockflötenensemble und eines für Chor. Das sind bei uns heuer vielleicht etwas mehr neue Weihnachtsnoten als in den letzen Jahren, aber gemessen an unserem sonstigen Novitätenprogramm übers Jahr sind sechs saisonale Weihnachtsausgaben nicht überdurchschnittlich. Sowohl bei PLAY GUITAR als auch bei Festivity for Three gibt es weitere beliebte Bände in der Reihe, da war es naheliegend, auch ein Weihnachtsspielheft zu ergänzen.

Was ist das besondere an den neuen Ausgaben?

Peter Pany: Dazu müsste man bei jedem der Hefte ins Detail gehen, aber zu den beiden PLAY GUITAR CHRISTMAS Heften möchte ich sagen, dass vom gleichen Lied jeweils mehrere Fassungen geschrieben wurden: Eine Solofassung, eine Duofassung und eine mit Gesang und gezupfter oder geschlagener Begleitung. Und das Ganze in zwei Ausgaben mit gleichem Inhalt: Einmal in einer sehr leichten (PLAY GUITAR CHRISTMAS mit Schildi) und einmal in einer mittelschweren Ausführung (PLAY GUITAR CHRISTMAS Special). Die Hefte beinhalten die gängigen deutschen Weihnachtslieder gemischt mit einigen amerikanischen Ohrwürmern wie Rudolph, the Rednosed Reindeer, We Wish You a Merry Christmas, Last Christmas, Winter Wonderland und anderen.

Eignen die sich für den Verkauf im Buchhandel? Oder sind die erklärungsbedürftig…

Peter Pany: Die beiden PLAY GUITAR Gitarrenhefte eignen sich definitiv, da sie zu der bekannten und auch im Buchhandel bestens etablierten PLAY GUITAR-Reihe des renommierten Autorenduos Michael Langer und Ferdinand Neges gehören. Bläser-Ensembles und Chormusik würde man vielleicht nicht unbedingt beim Buchhändler suchen, aber man sollte die Bereitschaft zeigen, sie jederzeit bestellen zu können.

Mit welchen Werbeaktionen könnte man die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn man beginnt?

Peter Pany: Jeder macht ja Weihnachtsauslagen, da sind Noten ein Zusatzsortiment, das Aufmerksamkeit erregt. Außerdem lassen die sich im eigenen Webshop gleich auf der Startseite mit präsentieren. Der Kunde sieht ja auf einen Blick, dass das Noten neben den anderen Büchern sind, und denkt sich: „Super, der führt ja auch Weihnachtsnoten, da schau‘ ich mal…!“

Wie würden Sie den Handel unterstützen?

Peter Pany: (lacht) Also wenn uns ein Buchhändler anruft und uns für seine Weihnachtsauslage um eine Auswahl unserer Weihnachtsnoten-Topseller mit RR bittet, dann wird ihm gerne geholfen… Im letzten Monat haben wir für den Buchhandel einen Weihnachtsnotenflyer gemacht und ihn über KNV an 4300 Buchhandlungen schicken lassen. Unseren Herbstkatalog „Doblinger neu“ mit allen Herbstnovitäten inkl. Weihnachtsnoten bekommen die Großsortimente, Händler, Musikschulen, Hochschulen. Der Katalog kann kostenlos bei unserer Auslieferung MDS bestellt werden (Nr. 99 486), Wer bei MDS unsere Noten bestellt, bekommt ihn automatisch.

MichaelLemster
© Andres/Wessely

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, E-Commerce-Unternehmen, Buchhändler und Dienstleister bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Die Qualitätssicherung von Katalogdaten ist sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.

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