Dirk Simon: Ist das Geschäftsmodell Buchhandel mit digitalen Fachinformationen zukunftsfähig?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche aus Anlass des 25-jährigen Bestehens von Buchholz Fachinformationsdienst (bfd), das heute gefeiert wird, an den Sprecher der Geschäftsführung Dirk Simon.

Dirk Simon (48) ist gelernter Buchhändler (Dillinger Buchhandlung) und Betriebswirt. Er kam 1991 zu bfd. Seit 14 Jahren hat er Prokura und ist seit 2009 Mitglied der Geschäftsleitung.

Vor mehr als zehn Jahren schon wurde die Diskussion um die Zukunft der Fachinformation geführt. Wird die Richtung denn nun endlich einmal klar?

Dirk Simon

Dirk Simon: Die Medienvielfalt ist größer als je zuvor. Doch was davon ist Qualität? Die Verunsicherung wächst. Das sieht man zum Beispiel im medizinischen Bereich ganz deutlich, aber auch anderswo in den beratenden Berufen ist es kaum anders. Tausende von Fachdatenbanken, eJournals, eBooks und eine Vielzahl weiterer digitaler Quellen stehen für die verschiedenen Disziplinen zur Verfügung. Hinzu kommen Hunderttausende von Printmedien. Viele Anwender sind durch die unstrukturierte Fülle an Information schlicht überfordert. Information wird zunehmend als Belastung empfunden.

Aber am Ende steht also das eine Medium?

Dieser Medienmix wird nach unserer Überzeugung auch in Zukunft benötigt, nur müssen dann neue Ordnungsstrukturen geschaffen werden, da das Finden der relevanten Information zur größten Herausforderung wird.

Das heißt, es ist schwieriger denn je die richtigen Fachinformationen zu finden?

Unsere Antwort auf diese Herausforderung ist zum einen die immer auf aktuellem Wissensstand beruhende hochqualifizierte Beratung unserer Partner durch unsere Mitarbeiter im Außendienst vor Ort. Dies garantiert den richtigen Produkt- und Medienmix in diesem Produktdschungel.

Also das jetzt 25 Jahre alte Erfolgsrezept Beratung mit einem Außendienst gilt immer noch?

Richtig. Nur kommen jetzt neue Technologien hinzu. Zum anderen stellen wir unseren Kunden die webbasierte Plattform bfd online® für die Organisation und die Nutzung ihrer Fachinformation zur Verfügung. Ganz entscheidend: Dabei fungiert bfd als Aggregator. Das heißt, wir wählen geeignete Print- und digitale Produkte aus und stellen sie für unsere Zielgruppen gebündelt und strukturiert zur Verfügung. Alleine mit dieser Expertise unserer Fachleute trennen wir bereits die Spreu vom Weizen und stellen sicher, dass nur die relevanten Produkte durchsucht werden.

Mit anderen, Sie bieten jetzt eine Single-sign-on-Lösung?

Ja, die Einbindung renommierter Datenbanken wird von allen Anwendern begrüßt. Verlage, die da mitmachen, erzielen einen höheren Umsatz, da viele Kunden sich natürlich für die Produkte entscheiden, die metasuchfähig und damit komfortabler und effizienter nutzbar sind. Die Anwender haben damit den Ball also an die Verlage zurückgespielt. Dabei stehen die beteiligten Verlage – so seltsam es sich anhört – nicht in Konkurrenz, sondern ihre Produkte ergänzen sich. Der Kunde sucht geradezu – wie der Internetnutzer generell – mehrere Meinungen und Expertisen zu einem Problem je nach vorliegendem Praxisfall.

Was ist Ihre Vision?

Unsere Vision ist die des Wissensarbeitsplatzes mit einem optimalen Medienmix. Nennen Sie es von mir aus virtuelle Distribution von realem Wissen. Die EU beteiligt sich mit Fördermitteln an unseren Entwicklungen. Dort hat man erkannt, welches Potenzial für die Arbeitswelt in unseren Lösungen steckt. Entsprechende Stellen verfolgen das sehr interessiert.

Und Sie sind auch sicher, dass Ihre Kunden diesen Weg mitgehen werden?

Es ist ja gerade und ausschließlich der Kundennutzen, der unsere Innovationsleistung antreibt. 75 Prozent unserer Kunden verfügen bereits über digitale Medien für ihre Arbeit. Die Entwicklung zeigt ganz klar in Richtung Online.

Also doch Richtung digital.

Das Defizit der Online-Medien ist noch deren Bedienung. Wenn auch diese Herausforderung gelöst ist, wird die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten sein. Datenbanken, ganz gleich ob auf DVD oder online, haben ihren Preis. Mancher, der vielleicht nur gelegentlich darauf zugreift, stellt die Kosten-/Nutzen-Frage.

Das heißt digital ist doch nicht umsonst?

Qualität war noch nie umsonst. Wer hier Kompromisse eingeht, erhöht sein Risiko. Rechtlich und inhaltlich abgesicherte Informationen aus qualifizierten Fachdatenbanken sind wie ein Versicherungsschutz. Es ist gut, wenn man ihn hat. Nebenbei bemerkt, das meiste, was wir heute mit großer Selbstverständlichkeit nutzen – s. Handy, Navigationssysteme und vor allem das Internet – brauchte seine Zeit, bis es Teil unseres Alltags und unserer festen Gewohnheiten wurde.

Das heißt Buchhandel bleibt also trotz Wandel gleich?

Nach 25 Jahren hat bfd den gleichen Auftrag wie zur Gründung des Unternehmens: bfd bleibt der ehrliche, unabhängige Makler zwischen Verlagen und Anwendern von Fachinformation. Das ist unser klassisches Geschäft. Nur das Umfeld ist anspruchsvoller geworden. Und gerade deshalb ist es so wichtig, dass jemand da ist, der schult, berät und vermittelt. Wir sind sicher, bfd hat sich mit dieser Philosophie sehr gut positioniert.

Mit seiner Firma alVoloConsult berät Michael Lemster Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm, Business- und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben publiziert er in Fach- und Publikumsmedien.

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