Matthias Wittekindt und Rainer Wittkamp legen mit "Mord im Balkanexpress" einen gemeinsamen Krimi vor “Die Basis unserer Zusammenarbeit war gegenseitiger Respekt und eine gewisse Reife”

Matthias Wittekindt (links) und Rainer Wittkamp

Immer Freitags hier ein Autorengespräch – heute morgen wiederholen wir unser Gespräch mit Matthias Wittekindt und  Rainer Wittkamp, das aufgrund  des Server-Updates nicht für Jedermann sichtbar war:

Für ihren gemeinsamen Krimi Mord im Balkanexpress (Haymon) haben sich die beiden Autoren erstmals zusammengetan, um gemeinsam “hochexplosive” Kriminaliteratur zu liefernAnlass für Fragen:


BuchMarkt: Worum geht es bei Mord im Balkanexpress?

Matthias Wittekindt: Es beginnt mit einem Bombenanschlag im Wiener Burgtheater, der dem Österreichischen Kaiser Franz Joseph gilt. Dabei kommt beinahe eine Schauspielerin ums Leben, die mit einem Agenten des soeben ins Leben gerufenen Preußischen Geheimdiensts liiert ist. Auch sie war bereits für diesen Dienst tätig. Schnell werden unsere beiden, sehr unterschiedlichen Helden, in eine Verfolgungsjagd hineingezogen, die sie von Berlin über Wien quer durch den Balkan bis nach Belgrad führt. Es gilt einen zweiten Anschlag auf den Österreichischen Monarchen zu verhindern. Und natürlich, selbst am Leben zu bleiben.

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Ein Agententhriller braucht Gegenspieler, wer ist es in Ihrer Geschichte?

Rainer Wittkamp: Ihre Gegner sind eine Gruppe Anarchisten, die den sogenannten Dynamitarden zugerechnet werden und ihnen immer ein Stück voraus sind. Sie hinterlassen eine Spur der Verwüstung, es gibt einige Tote zu beklagen, ehe es dann in Belgrad zum finalen Showdown kommt. Aber das ist nicht alles. Auch der serbische Geheimdienst verfolgt seine Interessen. Die sind, bei anderen kleinen Balkanstaaten war es ganz ähnlich, gegen das große Österreich-Ungarn und seine deutschen Verbündeten gerichtet.

Zwei Autoren ein Buch – Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Rainer Wittkamp: Wir haben uns bei einer Lesung kennengelernt, kannten aber bereits die Bücher des jeweils anderen. Im Anschluss an die Lesung kamen wir ins Gespräch und es entstand die Idee zu einem historischen Krimi. Wir sind zwei Autoren mit unterschiedlichen Stärken. Wie sich dann während der nächsten Monate zeigte, konnten wir uns auf diese Weise sehr gut ergänzen, ja uns sogar gegenseitig anstacheln. Die Basis unserer erfolgreichen Zusammenarbeit war gegenseitiger Respekt und eine gewisse Reife. Keiner von uns hat versucht, dem anderen etwas zu beweisen.

An welche Leser wenden Sie sich?

Matthias Wittekindt: In erster Linie an alle, die eine spannende, gut geschriebene Geschichte mit lebensnahen Dialogen zu schätzen wissen. Insbesondere werden sich natürlich die Liebhaber historischer Romane angesprochen fühlen. Aber es geht unserer Meinung nach noch deutlich darüber hinaus, denn en passant wird auch einiges an geschichtlichem Wissen vermittelt.

Verfügen Sie über entsprechende historische Kenntnisse?

Rainer Wittkamp: Wir sind keine Historiker, aber wir haben beide große Erfahrungen im Recherchieren. Uns interessierte diese Zeit auch schon länger. So meinen wir, dass es unsere Leser am Ende zu schätzen wissen, dass sie bei der Lektüre unseres Buchs so einiges erfahren, was ihr bisheriges Wissen über die Zeit, die man gemeinhin als Fin de Siécle nennt, erweitert.

Ihre Geschichte spielt 1895. Sehen Sie Parallelen zwischen der damaligen Epoche und heute?

Matthias Wittekindt: Durchaus. Ein erstarkender Nationalismus. Anarchisten, die man heute Terroristen nennen würde. Selbstmordanschläge, bei denen Unschuldige ums Leben kommen. Einander belauernde und ausspionierende Geheimdienste. Das alles unter der Ägide eines rigoros agierenden Kapitalismus. Braucht es noch mehr?

Was hat Sie eigentlich genau an dieser Zeit interessiert?

Matthias Wittekindt: 1895, da fehlen nur noch 19 Jahre bis zum ersten Weltkrieg, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Es wird gezündelt, es herrscht eine bis zur Angst gesteigerte Konkurrenz zwischen den Kolonialmächten. Gleichzeitig ist es eine Zeit des Umbruchs in Richtung auf eine Moderne, wie wir sie heute erleben. Die Städte wachsen, gigantische Wolkenkratzer entstehen, die Medizin, insbesondere die Psychologie erlebt große Durchbrüche. Und auch das Frauenbild ist dabei sich zu verändern. Es gibt schon erste sogenannte Moderne Frauen. Das spielt in unserem Roman eine Rolle, da unsere Helden ja ein Paar sind.

Dann taucht der Leser in Ihrem Buch in eine Welt des Aufbruchs ein?

Rainer Wittkamp: Ganz genau: Eine moderne Welt ist dabei zu entstehen, man tanzt, lebt, feiert Bälle und Gelage, bereist andere Länder, während die Adelshäuser und das Militär sich rüsten, als ginge es darum einen bevorstehenden Weltuntergang zu überleben. Auch die Anarchisten heizen mächtig ein. Manche waren einfach nur verrückte Bombenleger, andere waren ehrenwerte Vorkämpfer für eine größere soziale Gerechtigkeit. All diese Gruppierungen treffen in unserer Geschichte aufeinander.

Ist das ein Buch vor allem für Österreicher?

Rainer Wittkamp: Keinesfalls. Es sei denn, man wäre der Meinung die Moderne und der erste Weltkrieg seien ausschließlich von Österreich ausgegangen. Es ist ein Buch für Leser denen es, abgesehen von reiner Spannung, gefällt sich in eine andere Epoche hinein zu fühlen, Leser, sie sich gerne davon überraschen lassen, wie nah uns diese lange untergegangene Epoche noch immer ist.

Wird es eine Fortsetzung geben?

Matthias Wittekindt: Das hängt natürlich, wie so vieles, erst mal vom Erfolg dieses Buches ab. Der Haymon Verlag und wir Autoren jedenfalls sind zu allem bereit und bis jetzt sieht es recht gut aus. Ideen für neue Geschichte die im Fin de Siécle spielen, haben wir noch reichlich.

Gerade hat der Haymon Verlag ein Video mit einem Gespräch bei Facebook eingestellt, in dem sich die beiden Autoren beim Krimifest Tirol “Spannendes entlocken ließen”. In diesem Videointerview erzählen Rainer Wittkamp und Matthias Wittekindt u.a. wie es war, mit jemandem zu schreiben, den man eigentlich nicht kennt.

Die Fragen stellte Franziska Altepost

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