Der dänische Schriftsteller Michel Birbæk heute im Autorengespräch über sein Comeback und Das Buch meines Lebens: „Das schönste Mädchen der Welt“

Michel Birbæk:  „Lesen wird immer noch total unterschätzt und viel zu wenig gefördert. Wirtschaftsförderung gibt es überall, für Kulturförderung muss man sich ja fast entschuldigen. Falls wir aber die Welt noch retten wollen, liegt die Lösung nicht in der Wirtschaft – sondern in Kultur“ (c) Thomas Rabsch

 

 

Auf dem Höhepunkt seiner Verkäufe tritt man doch nicht zurück? Michel Birbæk anscheinend schon: Weil er „das Schriftstellerleben zu einsam“ fand, beendete er 2010 seine Karriere und widmete sich ab da dem Drehbuchschreiben. In diesem Jahr wurde er rückfällig: Bei Blanvalet erschien sein Prince-Roman Das schönste Mädchen der Welt. Wieso er dieses Buch schreiben „musste“, ob er noch eines schreiben will und was sich seit seinem letzten Roman alles verändert hat – das war Anlass für unser heutiges Gespräch mit dem deutschsprachigen dänischen Musiker und Schriftsteller:

Das Schriftstellerleben war Ihnen damals zu einsam? War das wirklich der Grund für Ihren Ausstieg 2010?

Ich liebe die Schriftstellerei, aber nach sechs Romanen und Kinderbüchern in Folge wollte ich mal was anderes ausprobieren, statt immer alleine vorm Rechner, alleine auf der Bühne, alleine im Hotel, alleine im Zug.

Warum nun doch ein Comeback nach fast 10 Jahren? 

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Es ging nicht anders. Prince, das Idol meines Lebens starb, ich war geschockt und begann darüber zu schreiben, ich wusste sofort, das wird ein Roman. Leider ist in der Zwischenzeit mein Agent verstorben, und mein Verleger leider auch, so stand ich erst Mal ein wenig fragend in der Gegend herum, und bin dann meiner ehemaligen Lektorin Nicola Bartels zu Blanvalet gefolgt.

Was hat sich seit Ihrem Rücktritt verändert?

Mehr als die Hälfte meiner Ansprechpartner sind nicht mehr an ihrer alten Position. Zudem habe ich im BuchMarkt gelesen, dass wir in der Zwischenzeit sechs Millionen Leser verloren haben und ich finde, das merkt man der heutigen Welt auch an. Der Ton in der Gesellschaft ist rauer geworden, ich führe das auch darauf zurück, dass immer weniger Menschen lesen, und stattdessen den ganzen Tag online sind. Dauerstress, statt Auszeiten.

Wie waren die Reaktionen auf das Comeback?

Unterschiedlich. Print lief super, Radio okay, doch mich hat mal das Desinteresse der TV-Sender überrascht. Ich weiß natürlich, dass Literatur im deutschen Fernsehen keinen hohen Stellenwert hat, doch immerhin hatte soeben ein deutschsprachiger Migrant den weltweit einzigen Roman zum Tod und Leben von US-Superstar Prince geschrieben. Der Roman handelt nicht nur von der gesellschaftlichen Bedeutung von Musik, sondern auch davon, die Verhaltensmuster zu brechen, die unsere Eltern uns mitgeben. Ich würde mich freuen, wenn Talkshows in solchen Geschichten Relevanz entdecken würden.

Und die Verkaufszahlen?

Ich habe dieselben Hardcoverzahlen wie früher. Das freut mich, doch für mich zählt vor allem die positive Resonanz. Ich hatte zwischenzeitlich Alpträume, dass ich nach zehn Jahren zurück komme, und mein Buch lässt die Leser kalt. Man weiß ja nie. Zum Glück waren die Reaktionen wieder unglaublich.

Inwiefern?

Ich schreibe sehr persönlich und dementsprechend sind die Reaktionen oft auch sehr persönlich. Wenn Leser dann beschließen sich mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, weil sie sich durch die Haltungen meiner Figuren inspiriert fühlen – mehr geht eigentlich nicht als Künstler. Ich schaue wirklich gerne Serien, aber keine Serie hat mich je zu einer Verhaltensänderung inspiriert. Literatur dagegen kann innere Prozesse anstoßen, schade, dass so viele Menschen sich das mittlerweile entgehen lassen.

Lässt sich dieser Trend noch umkehren?

Vielleicht. Man sollte den Leuten klarmachen, dass sie aus Egoismus lesen sollten, um im Leben besser klarzukommen, Menschen besser zu verstehen, sich selbst besser zu verstehen, bessere Ehen, Beziehungen und Freundschaften zu führen, und besser Erzieher zu sein. Lesen wird immer noch total unterschätzt und viel zu wenig gefördert. Wirtschaftsförderung gibt es überall, für Kulturförderung muss man sich ja fast entschuldigen. Falls wir aber die Welt noch retten wollen, liegt die Lösung nicht in der Wirtschaft – sondern in Kultur.

Wird es noch einen Roman von Michel Birbæk geben?

Sieben Kapitel sind fertig und ich bin schwer in die Figuren verliebt. Ich glaube, das lässt sich nicht mehr aufhalten.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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