Bernhard Meuser: Der Youcat-Jugendkatechismus – ein Hoffnungsstrahl für den konfessionellen Buchhandel?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche, heute an den Pattloch-Verleger und Mit-Autor des „Youcat“-Jugendkatechismus ,Bernhard Meuser.

Meuser gilt als einer der kreativsten Programm-Macher in der deutschen Verlagslandschaft: 2003 mitsamt dem von ihm geführten Pattloch-Verlag von Weltbild in die Verlagsehe mit Droemer eingebracht, nutzte er geschickt die Gunst der Verhältnisse, um Pattloch zu einem der führenden Verlage für religiöse und spirituelle Sachbücher zu machen.

Bernhard Meuser:
“Die Sehnsucht der Jugend nach Religion
ist groß”

Bernhard Meuser – wie groß ist die Zielgruppe für Youcat – in Deutschland, in der Welt?

Bernhard Meuser: Wenn Sie davon ausgehen, dass vom Großen Katechismus von 1992 weltweit 12 Millionen Stück verkauft wurden, dann haben Sie bei Youcat die Messlatte, um die es geht. Würde mich nicht wundern, wenn wir das sogar toppen. Allein in Deutschland haben wir seit 2005 vom „Kompendium zum Katechismus“ 300.000 Stück verkauft, und Youcat geht schneller ab.

Warum locken Themen wie Glauben und Ethik die Jugend noch hinterm Ofen der Konsum- und Ellbogengesellschaft hervor?

Bernhard Meuser: Das sind doch die spannendsten Fragen der Welt: es geht um Macht, Liebe, Sex, Religion. Die Sehnsucht der Jugend nach Religion ist groß, sie wird aber nicht adäquat befriedigt. Das ist der Ansatz von Youcat.

Was macht Youcat anders als herkömmliche Werke der Glaubensunterweisung?

Bernhard Meuser: Youcat ist ein Graswurzelprojekt, an dem nicht nur über fünfzig Jugendliche mitgewirkt haben, sondern das auch viele Elemente aus der Welt der Jugend enthält: reale Fragen, die Lebenswelt der Jungen, Fotos, Cartoons, Illustrationen – eine reiche Fundgrube, aus der man spirituell schöpfen kann, und ein spannendes Sparring für den Verstand. Dem Charme dieses Buches hat auch der Papst sich nicht entzogen und unterstützt es – nicht allein mit seinem Vorwort.

Warum kann man Youcat nicht als E-Book kaufen, aber gratis auf Filesharing-Plattformen runterladen?

Bernhard Meuser: Wir arbeiten an der Vermittlung übers Internet. Ein E-Book und eine App sind in Arbeit. Sollte etwas im Internet kursieren, muss man natürlich juristisch dagegen vorgehen.

Welches Auflagenziel hat sich der Pattloch Verlag gesetzt?

Bernhard Meuser: 500 000 ist das realistische Minimum. Youcat ist ein Non-Profit-Projekt, alle Erlöse fließen in die Jugendarbeit.

Wer verteilt das Geld?

Bernhard Meuser: Ein Fonds aus Österreich, dem Kardinal Schönborn als Rechtegeber vorsteht, und die 4 Autoren. Wir Autoren haben alle Rechte und Honoraransprüche abgetreten und beanspruchen dafür Mitsprache bei der Verteilung der Erlöse.

Als Extra an Glaubwürdigkeit für die Zielgruppe?

Bernhard Meuser: Das wäre zu vordergründig. Wir haben Youcat für unsere Kinder geschrieben. Wir haben beobachtet: die herkömmliche Glaubensvermittlung funktioniert nicht mehr.

Selten bekommt ein religiöses Buch so viel Presseresonanz, wenn nicht eine religiöse Leitfigur wie der Papst oder der Dalai Lama es geschrieben hat. Was bedeutet ein solcher Seller für den konfessionellen Buchhandel?

Bernhard Meuser:Das Spannende ist, das wir gerade nicht nur über den konfessionellen Buchhandel verkaufen. Aber für diesen bedeutet Youcat eine Chance auf eine neue Positionierung: „Glauben, jetzt einmal jung!“ Der konfessionelle Buchhandel stellt sich in einen neuen Mainstream und profitiert von der allgemeinen Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Die jungen Leute, die an Youcat mitgewirkt haben, gehen vor die Mikrofone und stellen ihren Anteil an dem Buch dar. Das irritiert viele, ist aber eindeutig ein Aufbruch zum Glauben, der sich in einem Buch manifestiert.

Ziehen katholischer und protestantischer Buchhandel hier an einem Strang?

Bernhard Meuser: Es ist vielleicht zu früh, das zu sagen. Ich weiß nur, dass wir auch evangelische Freunde zur Präsentation nach Rom mitgebracht haben. Die Begeisterung ist übergesprungen, und auch in der evangelischen Kirche gehen Überlegungen los, ein ähnliches Projekt zu starten.

Dass ausgerechnet ein katholischer Katechismus ein ökumenisches Projekt lostritt…

Bernhard Meuser: Wenn das Christliche heute eine authentische Alternative zum Mainstream sein will, geht das nur ökumenisch. Wir haben die gleichen Ideale, die gleichen no-goes.

(Youcat redet Klartext … aber die Welt ist doch komplex?)

Die „Young Professionals“ wollen die Hard Facts. Und sie haben ein Recht darauf, dass die Kirche sich nicht um Antworten herumdrückt und Wischiwaschi redet. Wenn ein Jugendlicher in der Pinte mit zehn Leuten steht und sagt „Ich bin Christ“, erntet er skeptische Blicke von neun Leuten. Da kann er auch nicht mit einerseits-andrerseits kommen. Die müssen auch Klartext reden und profunde Argumente für ihre Überzeugung auf die Theke legen. Youcat liefert dafür den „stuff!“.

Das klingt nach einem neuen Gewand für den alten Begriff “Zeugnis ablegen”.

Bernhard Meuser: Wenn Sie meinen – klar doch.

Michael Lemster, als langjähriger Programmleiter von buecher.de ein „Urgestein“ des elektronischen Buchhandels, berät Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben veröffentlicht er Reportagen und Interviews.

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