Gestorben Gert Frederking

Gert Frederking

Gert Frederking, gemeinsam mit seiner Frau Monika Thaler Gründer des Verlages Frederking und Thaler und zuvor Verleger des CLUB Bertelsmann, ist gestern im Alter von achtzig Jahren gestorben.

Wir trauern mit seiner Frau und seiner Familie um einen der wirklich „Großen“ in unserer Branche, der bei allen seinen beruflichen Stationen immer mit höchstem persönlichem Einsatz und großem Ideenreichtum und vor allem mit Leidenschaft agiert hat. Sein Einstieg damals bei Bertelsmann, als er Mitte der 70er-Jahre als Verleger zu Goldmann kam und dem gerade von Bertelsmann übernommenen Taschenbuchverlag ein grundlegend neues Gesicht gab, ist aus heutiger Sicht die wesentliche Keimzelle für das spätere Wachstum der gesamten Random House Verlagsgruppe gewesen.

 

 

 

 

 

 

Kommentare (5)
  1. München, Frankfurter Ring 150, 4. Stock im Verlagsgebäude des Franz Schneider Verlags, im Sommer 1985. Umgeben von 100 wertvollen Spazierstöcken aus aller Welt, sitzt Gert Frederking auf der Couchgarnitur im gefühlt 120 qm großen Verlegerbüro und fragt mich mit seinen unvergleichlich funkelnden flinken Augen: »Junger Mann, würde es Ihnen gefallen, mit uns diesem Verlag einen ganz neuen Auftritt im Buchhandel zu verschaffen?« Franz Schneider hatte den seinerzeit größten deutschen Kinderbuchverlag gerade an die dänische Gutenberghus-Gruppe (heute Egmont) verkauft. Nach 9 Jahren im Ravensburger Buchverlag war ich mit geringen Erwartungen in dieses Gespräch gegangen – und kam elektrisiert zurück. Da hatte jemand das Verlagssteuer übernommen, den auch Helmut Schmidt nicht wegen seiner Visionen zum Arzt geschickt hätte. Dieser lange Zeit extrem erfolgreiche und von vielen auch deshalb geschmähte Franz Schneider Verlag brauchte ein neues Konzept für die Zukunft. Da saß der Mann, der mit Fritz Molden das moderne Bestseller-Geschäft erfunden und der den verstaubten Goldmann Verlag unter dem Bertelsmann-Dach zum Taschenbuch-Star gemacht hatte, und unterbreitete mir dieses Angebot. Es wurde das aufregendste und arbeitsintensivste Jahr meiner bisherigen Laufbahn. Nur ein Jahr, denn im August 1986 erreichte mich an meinem Ferienort ein Telegramm mit etwa diesem Wortlaut „Frederking entlassen – kommen Sie bitte sofort nach München“. Ich habe nie wieder an einer Verlagsversammlung teilgenommen, auf der so viele Tränen geflossen sind wie bei der Verabschiedung von G.F. einen Tag später.
    Zum Glück ist auch ein bisschen Tinte geflossen, nämlich in die Vertragsunterschrift zum Verkauf des „Abenteuer-Report“ an Gert Frederking und Monika Thaler (die frühere Schneider-Cheflektorin), die dann seine Ehefrau wurde. Das war die Keimzelle für den Verlag Frederking & Thaler. Als dieser wunderbare Verlag zeitweise Teil der Verlagsgruppe Bertelsmann (heute Random House) war, konnte ich die kreative Energie dieses Verlegerduos erneut aus der Nähe erleben. Der unlängst verstorbene frühere Club-Pressechef Theo Schäfer hat auf einer Feier zum 60. Geburtstag von Gert Frederking im Prinzregententheater in München Frank Sinatras My Way für seinen Freund gesungen. Jetzt hat Gert Frederking den final curtain zugezogen. Das Lied passt heute mehr denn je auf ihn:
    I’ve lived a life that’s full
I’ve traveled each and every highway
And more, much more than this
I did it my way
    Ulrich Störiko-Blume

  2. Wir, seine beiden Sekretärinnen aus Bertelmann Club-Zeiten haben heute erst vom Tod Gert Frederkings erfahren und sind sehr traurig. Wir denken zurück an eine aufregende und spannende Club-Zeit. Immer was los, egal, ob es um neue Buchprojekte oder um Schals von Hundertwasser ging, um die Buchpreisbindung oder auch darum, den Flieger in Paderborn für ihn persönlich aufzuhalten. Unser „Fredi“ sprudelte vor Energie und Ideen und riss uns täglich mit. Wir waren ein tolles kleines Team, was viel bewegt hat. Wir sagen Danke für die schönsten Jahre mit ihm zusammen im Bertelsmann Club.

  3. Gert Frederking war der beste erste Chef, den man sich im Berufsleben vorstellen kann. Visionär, sensibel, ein Schlitzohr mit Herz, ein Verkäufer des Schönen und Guten, ein Treiber und Macher, Realist und Phantast zugleich. Ein ganz Großer. Ich hatte die Freude und Ehre als sein Assistent vor vielen Jahren bei Bertelsmann ins Berufsleben zu starten. Es waren prägende Jahre bei einem Verleger, Unternehmer und wunderbaren Menschen. Voller Hochachtung verneige ich mich vor Gert Frederking! In vielen von uns, die mit ihm zusammenarbeiten dürften, hat er den Bazillus der Leidenschaft und des noch einmal besser probieren und machen verankert. Geht nicht, gibt’s nicht. Das war für Gert Fredeking immer klar. Wir machen weiter, versprochen lieber Gert Frederking!

  4. Rolf Palm
    16. Februar um 19:30

    Ich erinnere mich nostalgisch-traurig, wie und wo ich ihn zum ersten mal traf: In einem Café auf der Theresienstraße in München. Er arbeite damals noch in einer Buchhandlung da gegenüber und er kam mit einigen Kollegen und Kolleginnen zum Mittagessen. Ich war damals noch Redakteur bei der „Quick“. Von Tisch zu Tisch kamen wir ins Gespräch. So begann eine lange Bekanntschaft…

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