"Eine ebenso streitbare wie warmherzige Journalistin mit unverwechselbarer Frisur" Gabriele Krone-Schmalz (70)

Gabriele Krone-Schmalz (c) picture alliance/dpa-Zentralbild

Gabriele Krone-Schmalz wird heute 70 Jahre alt. Der C.H. Beck Autorin gratuliert ihr Lektor Dr. Sebastian Ullrich (Programmleiter von C.H.Beck Paperback) zum runden Geburtstag. Bei C.H.Beck sind von Gabriele Krone-Schmalz Eiszeit. Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist (2017) und Russland verstehen. Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens (2015) erschienen.

„An ihrer markanten Frisur erkennt man sie sofort: die Haare kurz und vorne in der Mitte spitz zulaufend, an den Seiten der Stirn dagegen abgerundet, ein bisschen wie ein angedeuteter Brückenpfeiler mit zwei Bögen. Einem breiten Publikum bekannt wurde Gabriele Krone-Schmalz, als sie im August 1987 als ARD-Korrespondentin nach Moskau ging – als erste Frau überhaupt auf diesem Posten. Sie war das Gesicht, das viele Menschen mit den guten Nachrichten aus der Sowjetunion verbanden, und zwar in der alten Bundesrepublik ebenso wie in der DDR, wo viele ihre Informationen aus dem Westfernsehen bezogen. Noch heute genießt sie daher gerade auch in Ostdeutschland großes Ansehen.

Als erste westliche Journalistin interviewte sie den Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, der mit Glasnost und Perestroika die Wende im Ostblock einleitete. Doch sie berichtete nicht nur aus dem Kreml, sondern ging auch dahin, wohin sich heute nur noch wenige Korrespondenten verirren: zu den einfachen Menschen. Land und Leute zu verstehen, jenseits der ausgetretenen Pfade, der etablierten Narrative und der eigenen Vorurteile, wurde zu einem wichtigen Antrieb ihrer Arbeit. So entstanden preisgekrönte Filme, etwa über den Alltag der Frauen in der Sowjetunion. So sammelte sie aber auch das Material für ihren ersten großen Bestseller, An Russland muss man einfach glauben, der 1991 erschien, im Jahr des gescheiterten Putsches gegen Gorbatschow. Das Buch enthält ihre Erlebnisse und Beobachtungen während ihrer Korrespondentenzeit und stand über ein Jahr ganz weit oben auf der Bestsellerliste.

Nach ihrer Rückkehr aus Moskau war Frau Krone-Schmalz eine der bekanntesten und beliebtesten Fernsehjournalisten Deutschlands. Doch sie entschied sich gegen eine weitere Karriere in der ARD und arbeitete fortan als freie Journalistin und Autorin, bis 1997 auch als Moderatorin des ARD-Kulturweltspiegels. Die Entwicklung Russlands verfolgte sie weiter mit großer Anteilnahme. Die Hoffnungen, die viele Russen mit der Öffnung gegenüber dem Westen verbanden, erfüllten sich nicht. Die Hilfsbereitschaft war groß, doch es zeigte sich auch eine westliche Siegermentalität, die den Blick für die Realitäten vor Ort vermissen ließ, und allzu oft eher den eigenen Vorteil suchte. Schon in ihrer Promotion hatte sich Frau Krone-Schmalz mit antirussischen Stereotypen in den Schulbüchern des Kalten Krieges befasst. Nicht selten fand sie diese Vorurteile nun auch in der aktuellen Berichterstattung und schrieb selber in ihren Büchern und Artikeln dagegen an.

Gabriele Krone-Schmalz hat sich über viele Jahre für die Verständigung mit Russland eingesetzt, seit 2000 auch als Mitglied im Lenkungsausschuss des Petersburger Dialogs. Sie warnte davor, sich über die Interessen Russlands hinwegzusetzen und warb für eine Politik des Ausgleichs statt der Konfrontation, auch gegenüber Wladimir Putin, der seit 1999 die Geschicke Russlands lenkt. Im Gefolge der Ukrainekrise zog sie scharfe Kritik auf sich, weil sie in Talkshows und in ihren bei C.H.Beck erschienenen Büchern Russland verstehen und Eiszeit die russische Politik als defensiv charakterisierte und sie als Reaktion auf eine Ausdehnung der westlichen Einflusssphäre interpretierte. Was manchem als reine Verteidigung Putins erschien, war tatsächlich weit mehr der Sorge um den Erhalt des Friedens geschuldet, den sie nicht durch eine Politik der Stärke, sondern mit dem von Willy Brandt und Egon Bahr geprägten Konzept des „Wandels durch Annäherung“ erhalten will.

Was die Zukunft bringt, ist offen. Doch eines ist sicher: Heute wird die ebenso streitbare wie warmherzige Journalistin mit der unverwechselbaren Frisur 70 Jahre alt.“

Dr. Sebastian Ullrich, Programmleiter C.H.Beck Paperback

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