Das Sonntagsgespräch Eva Pfitzner: „Wenn 2500 Kinder gemeinsam lesen – ein tolles Gefühl!“

Eva Pfitzner gilt als einer der Pioniere der Leseförderung in Deutschland. Im letzten Jahr organisierte sie mit dem Autor Stefan Gemmel die größte Kinder- und Jugendbuchlesung der Welt mit mehr als 10.000 Zuhörern und kam damit sogar ins Guiness Buch der Rekorde [mehr…]. Für diese kreative Veranstaltungsidee wurde den beiden Organisatoren auf der Leipziger Buchmesse der BuchMarkt-AWARD 2013 in Gold in der Kategorie „Event“ verliehen. Herzstück der Veranstaltung war dabei eine gemeinsame Lesung eines Textes mit 2500 Kindern.

BuchMarkt: 2500 Kinder lesen gemeinsam einen Text. Wie funktioniert denn so eine gemeinsame Lesung, Frau Pfitzner?

Eva Pfitzner

Eva Pfitzner: Die Kinder werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Niemand hat den vollständigen Text, sondern die eine Hälfte der Kinder nur die Redeteile der blauen, die anderen Kinder entsprechend die Redeteile der roten Ritter. Jede Gruppe übt VORHER – und das ist eben das schöne und auch langfristige der Aktion – den eigenen Teil. Erst in der Veranstaltung ergibt sich dann durch das abwechselnde Lesen die vollständige Geschichte; die dann durchaus auch Überraschungen bereithält. Durch die starke rhythmische Gestaltung der Sätze ist es tatsächlich möglich, dass ein verständlicher und einheitlicher Sprechchor entsteht (wie sich das anhört, erfahren Sie hier).

Das hört sich nach viel Spaß an. Können auch Buchhandlungen so eine Lesung veranstalten?

Ja, natürlich. Ich habe von dem Text, denn die 2500 Kids gemeinsam bei unserem Weltrekord-Versuch gelesen haben, eine Fassung entwickelt, die andere Leseförderer nachmachen können. Wenn nicht mit 2500 Kinder, dann sicher mit 100 Kindern – auch das ist ja eine tolle Sache und passt in jede Schulaula oder in die Stadthalle. Die Buchhandlung würde in diesem Fall dann den Textteil des Barden übernehmen.

Und diesen Text stellen Sie zur Verfügung?

Genau, wir würden den Text, aber auch die benötigten Anschreiben an die beteiligten Schulen, etc., gerne allen Buchhandlungen zur Verfügung stellen. Diese könnten dann mit wenig Aufwand eine tolle Aktion durchführen. Wir könnten uns auch vorstellen, unter allen Buchhandlungen, die tatsächlich einen solchen „Dichterwettstreit“ durchführen, eine Lesung mit Stefan Gemmel zu verlosen!

Wenn eine Buchhandlung nun eine schöne Veranstaltung plant, wie kann sie eine möglichst große Presseresonanz erreichen? Wie kann man die Presse neugierig machen?

Ich mache zum Beispiel regelmäßig vor größeren Veranstaltungen bzw. zu Beginn einer Veranstaltungssaison eine Pressekonferenz. Neben den regionalen Redakteuren lade ich dazu auch alle Schülerzeitungen ein. Diese werden vorher von mir mit Material versorgt, was eigentlich eine Pressekonferenz ist, was man da darf, wie man sich verhält. Durch die anwesenden Schülerredakteure (und ihre begleitenden Lehrern) ist die Pressekonferenz dann gut besucht. Da es hinterher noch einen Snack gibt, habe ich selbst genügend Zeit, auch mit den einzelnen Medienvertretern in Kontakt zu kommen. Das zahlt sich dann im laufenden Jahr sehr gut aus!

Mit dem „Leserattenservice“ sind Sie ein Profi im Bereich Veranstaltungen. Machen die Buchhandlungen Ihrer Meinung nach genug in diesem Bereich?

Leider bemerke ich einen Rückgang von Kinderbuch-Lesungen in Buchhandlungen. Das finde ich schade, denn unsere Kids erleben dadurch Literatur nur noch in der Schule, und das fühlt sich eben immer irgendwie nach Schule an. In einer Buchhandlung würde das viel mehr Spaß machen… Und zum Stadtfest oder dem verkaufsoffenen Sonntag wären mit Sicherheit genügend Zuhörer da!

Haben Sie Tipps, wie man eine Lesung ein wenig „aufpeppen“ kann? Bzw. wie man die Kinder und Jugendlichen überhaupt erstmal darauf aufmerksam machen kann?

Man kann z.B. im Vorhinein ein kleines Preisausschreiben veranstalten oder in Kooperation mit der Lokalzeitung ein Rätsel veröffentlichen. Etwas, was zum Autor und seinem Buch passt, und der Gewinner darf dann mit dem Künstler nach der Veranstaltung einen heißen Kakao trinken; ihm das eigene Gedicht vorlesen,… Das kostet alles nicht viel, aber zeigt: Lesen macht in der Buchhandlung richtig viel Spaß!

Eine weitere tolle Veranstaltungsidee ist der sogenannte „Book-Slam“. Was genau kann ich mir darunter vorstellen?

Beim „Book-Slam®“ handelt es sich um eine in der Akademie Remscheid entwickelte Methode, Bücher auf interessante, innovative Weise vorzustellen, die besonders bei Jugendlichen gut ankommt. In Anlehnung an den „Poetry Slam“ geht es dabei um Tempo (slam = schlagen): Schlag auf Schlag werden Bücher vorgestellt, so dass im Publikum garantiert keine Langeweile aufkommt. Das Publikum erhält zum Zeitmessen eine Stoppuhr und eine Hupe oder Pfeife, mit deren Hilfe ein Zeitrahmen von drei Minuten pro Buch garantiert eingehalten wird. Außerdem darf das Publikum Bewertungen abgeben.

Haben Sie noch weitere Ideen?

Ein Ausflug oder ein Angebot im Ferienprogramm kommen auch immer gut an. Viele Buchhandlungen bieten Fahrten zur Messe an, die sind immer gut genutzt, warum also nicht mal in den anderen Monaten: möglicherweise eine Fahrt zu einer Buch-Ausstellung; in eine Druckerei; in den Wald und wir probieren Naturführer aus, spezielle Angebote für Jungs oder Großeltern mit ihren Enkeln, – denn die Bücher sollen ja anschließend auch gekauft werden…

Wenn man nun Veranstaltungen speziell für Kinder plant, worauf sollte dabei geachtet werden?

Bei der Planung von Kinderveranstaltungen achte ich immer darauf, dass ich ganz sicher ein bis zwei Schulklassen vorab schon gewinne, mit denen auch Termin, etc. abgesprochen ist. So weiß ich, dass auf jeden Fall genügend Kids kommen. Ich bin immer wieder selbst erstaunt, wie gut sich das sogar am Wochenende realisieren lässt, denn Lehrer sind durchaus bereit, für eine gute Veranstaltung auch mal die Eltern für sonntags um 15.00 Uhr zu motivieren. Dabei dürfen die Schüler auch immer selbst etwas aufführen oder vorlesen – das macht stolz! Und ganz oft zeigt sich, dass Kids, die nicht gerne lesen aber tolle Moderatoren sind oder eine perfekte Schaufenstergestaltung machen können. Neben Schulen achte ich darauf, dass ich auch andere Einrichtungen ansprechen, in denen Kinder und Jugendliche so unterwegs sind: Offene Treffs, Gruppen der AWO, Caritas, Kirchen, Fußballvereine und und und…

Der Leserattenservice bietet Weiterbildungsseminare im Bereich Lese- und Literaturpädagogik an. Richtet sich das auch an Buchhändler?

Ja, auf jeden Fall! Ich glaube fest daran, dass es ein Werbe- und Marktvorteil ist, wenn Buchhandlungen ausgebildete Lese- und Literaturpädagogen einstellen bzw. in der Startphase Mitarbeitern die Weiterbildung ermöglichen. Eltern und Lehrer brauchen immer mehr Rat im Dschungel der Leseförderung! Außerdem lernt man bei uns auch, wie tolle Konzepte erstellt und finanziert werden können.

Vor zehn Jahren hat Eva Pfitzner das Unternehmen Leserattenservice – Dienstleistungen rund ums Buch gegründet. Seitdem bietet sie Dienstleistungen des klassischen Buchhandels an und engagiert sich vor allem im Bereich der Leseförderung.

Den Text für die gemeinsame Lesung können Sie hier als PDF downloaden:
download(Textgrundlage zum gemeinsamen Lesen.pdf)

Am 23. April ist Welttag des Buches. Planen Sie und Ihre Buchhandlung vielleicht eine schöne Veranstaltung? Erzählen Sie uns davon und schicken sie Bilder rund um Ihre Aktion per Mail an redaktion@buchmarkt.de. Wir freuen uns darauf!

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