Johanna Adorján über ihr neues Buch "Männer. Einige von vielen" (dtv) „Klug, mit genau der richtigen Dosis Bösartigkeit und saulustig“

Immer freitags hier ein Autorengespräch: Heute mit Johanna Adorján über ihr Buch Männer. Einige von vielen, das am 22. März bei dtv erscheint und das uns „schreckliche und schrecklich nette, großartige und großkotzige, eitle und altruistische Männer“ in 67 kurzen Texten (ein Text über jeweils einen Mann) näher bringen will, auf saulustige und kluge Art und Weise.

Johanna Adorján

Die Geschichte dahinter: Elf dieser Texte sind Erstveröffentlichungen. Die anderen wurden zwischen Oktober 2017 und Dezember 2018 in Adorjáns beliebter Kolumne in der Wochenendausgabe der SZ veröffentlicht. Anlass für Fragen an die Autorin, deren erstes Buch Eine exklusive Liebe 2009 erschien und in 16 Sprachen übersetzt wurde:

BuchMarkt: Warum haben Sie jetzt über Männer geschrieben?

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Johanna Adorján: Die Idee kam mir, als ich bei einer Buchpräsentation war, bei der Volker Schlöndorff, der berühmte Regisseur, den Roman Babylon von Yasmina Reza vorstelle. Er kam in Lederjacke, machte einen sehr lässigen Eindruck und irgendwann erzählte er dem Publikum, was ihn an diesem Buch am meisten beeindruckt habe, und zwar sei das dieser plötzliche Perspektivwechsel in der Mitte gewesen, der ihn an diesen und an jeden Film erinnert habe, was ihm Gelegenheit gab, nun auch kurz über diese ein paar Worte zu verlieren. Irgendwann war er fertig, und Yasmina Reza, die neben ihm saß, sagte ganz höflich: „Mein lieber Volker, ich bedauere, Ihnen mitteilen zu müssen, dass es in meinem Roman keinen Perspektivwechsel gibt.“ Er hatte den Roman, den er an diesem Abend vorstellte, offenbar nur ganz schnell und flüchtig gelesen, wenn überhaupt. Aber er trug es mit Fassung und moderierte den Abend sogar noch mit einiger Grandezza zuende, was ja auch nicht jeder kann. Da dachte ich, dass es schon auffällige Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, gerade in der Öffentlichkeit. Und dass es sich lohnen könnte, darüber zu schreiben. Sich Männer mal genauer anzusehen.

Wer sollte es lesen, eher Männer oder eher Frauen?

Unbedingt beide. Aber das gilt ja sowieso für alle Bücher, oder? Sowieso sollten Männer unbedingt mehr Bücher lesen, die von Frauen geschrieben wurden, Frauen lesen ja umgekehrt auch schon seit Jahrhunderten alles von Männern.

Wären Sie manchmal gerne ein Mann?

Bei Gehaltsverhandlungen ja. Und manchmal beneide ich Männer auch um ihre Freundschaften. Die kommen mir so schön unkompliziert vor. Man hat mal ausgemacht, dass man befreundet ist und so ist das dann. Ohne laufend aktualisiert werdende seismographische Abgleichungen der jeweiligen Befindlichkeit. Aber eigentlich habe ich mich irgendwie daran gewöhnt, eine Frau zu sein. Hat auch vieles für sich.

Ihr Buch unterteilt sich in einzelne kürzere Texte über jeweils einen Mann. Was für Männer kommen da vor?

Ich habe mich sehr bemüht, der Wirklichkeit gerecht zu werden und ein möglichst breites Spektrum zu zeigen. Es ist ja wahnsinnig schwer, irgendetwas allgemeingültiges zu sagen, wenn es um Männer geht. Es gibt so viele, so unterschiedliche, es ist ja wirklich alles dabei. Im Buch kommen schreckliche Nervensägen vor wie der Typ, kennt jeder, der in der Bahn oder im Flughafenbus immer ganz laut telefoniert. Seltsamerweise werden da immer Zahlen genannt. Wie viel die Engländer jetzt rausrücken, oder welche Summe Frankfurt gerade überwiesen hat.  Will Smith kommt vor, den ich in meinem Leben drei Mal getroffen habe, als Journalistin, und der von Treffen zu Treffen weniger euphorisch wurde, was mich wurmt. Es geht um Männer, für die jede Frau schwärmt und solche, vor denen man andere Frauen warnt. Ein Text handelt auch von meinem Urgroßvater, der erschossen wurde, weil er Jude war. Den hab ich geschrieben, als gerade wieder mal sehr viel über antisemitische Vorkommnisse in den deutschen Zeitungen stand.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Es ist auch sehr lustig. Wirklich, das höre ich oft. Und darüber freue ich mich jedesmal sehr, es soll ausdrücklich nicht dröge sein, falls jemand neue Erkenntnisse daraus zieht, wunderbar, aber es soll schon auch unterhaltend sein, das ist die erklärte Absicht, es soll, wenn möglich irgendwie intelligent, unterhalten.

Welche drei Wörter umschreiben das Buch optimal?

Ich leihe mir drei Wörter aus dem wahnsinnig schönen Quote, das mit Matthias Brandt geschenkt hat – und erhöhe auf noch ein paar mehr: „unterhaltsam“, „klug“, „mit genau der richtigen Dosis Bösartigkeit“, „saulustig“

Und privat, was lesen Sie da gerne/aktuell?

In letzter Zeit habe ich wahnsinnig gerne Die Jahre von Annie Ernaux gelesen, das so einen eigenen Ton hat, so einen sprachlichen Sog entwickelt, das ich es gar nicht so leicht fand, danach schnell etwas anderes zu lesen. Ich habe neuerdings einen Instagram-Account, auf dem ich über Bücher schreibe, die mir etwas bedeuten, dafür lese ich sehr viele Bücher wieder, die ich vor Jahren gelesen und geliebt habe. Ruth Klüger, Thomas Bernhard, James Baldwin, Nora Ephron, Irmgard Keun, Hannah Arendt, Agota Kristof, Rainald Goetz, Dorothy Parker …. Das macht wahnsinnig viel Spaß.

 
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