Nachruf auf einen großen Verleger Elmar Faber

Elmar Faber (c) Ulrich Faure

Heute, am 3. Dezember 2017, verstarb der am 1. April 1934 geborene Verleger Elmar Faber in seinem Haus in Leipzig. An ihn erinnert sein Freund Ulrich Faure:

Von 1975 bis 1982 war er Verleger der Edition Leipzig, von 1982 bis 1992 Verleger des Aufbau Verlags Berlin und Weimar und des Verlags Rütten & Loening Berlin.

Im Jahr 1990 gründete er den Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin und gemeinsam mit seinem Sohn Michael Faber den Verlag Faber & Faber, erst Berlin, ab 1995 in Leipzig.

Er war mein Freund. Er wurde mein Verleger. Mein Malik-Buch wollte er unbedingt haben, weil er natürlich Wieland Herzfelde bestens kannte – und ihn auch verlegte. Ohne Dich, lieber Elmar, wäre das Buch nie erschienen.

Wir kannten uns aber lange vorher. Zum Beispiel aus Leipziger Börsenvereinssitzungen, wo Elmar Faber schon zu DDR-Zeiten auf die „von oben“ verordneten Plusauflagen und ihre Problematik aufmerksam machte. Er war der Verleger, dessen Aufbau-Ausgaben ich schon hinterhergerannt war, als ich noch nicht Börsenblatt-Redakteur war und die DDR-typischen Literatur-Beschaffungsprobleme hatte. Zum Beispiel bei den Büchern von Christoph Hein, und längst in die Verlagsgeschichte eingangen ist, daß Faber bei dessen Horns Ende nicht abwartete, bis die Hauptverwaltung, also die Zensurbehörde der DDR, sich bequemte, das Werk auf die lange Bank zu schieben, auf der schon mehrere Meter unveröffentlichter Bücher warteten, bis ein Genosse Minister die Gnade haben mochte, es abzuwinken. Er hat’s einfach so gedruckt. Oder den ersten DDR-Uwe-Johnson, der dann freilich erst nach der Wende erschien, aber natürlich einen längeren Vorlauf hatte. Man darf noch heute über das Nachwort staunen… Welche Lücken würden sich in meinem Bücherschrank auftun, wenn ich alle von Elmar Faber verlegten Bücher aussortieren würde! Noch heute.

Und da rede ich noch gar nicht von den „Nachwende“-Bücher: die Graphischen Bücher zum Beispiel oder die DDR-Bibliothek. Beides verlegerische Schachzüge, die nur ein wahrer Büchermensch hinkriegt – und so gehörte sein Familienverlag Faber & Faber auch zu den wenigen erfolgreichen verlegerischen Ostpflänzchen, die gediehen.

Wir haben uns zu jeder Messe in Leipzig getroffen (meist in der Antiquariatsmesse, denn Elmar war Bibliophiler und Büchersammler) – und wir hatten immer mal wieder etwas miteinander zu tun. Als er seinen Verlag schon „stillgelegt“ hatte, hat er ein ganz persönliches Autorenlexikon Bühne auf! Erstlingswerke deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts gemacht: natürlich bei Faber & Faber, der kurz einmal wiederbelebt wurde. Wenn es um Bücher ging, konnte Elmar herrlich unkonventionell sein (sonst eigentlich auch).

Ulrich Faure

Publikationen von Elmar Faber:

Die Allmacht des Geldes und die Zukunft der Phantasie. Betrachtungen zur Bücherwelt, 2003

Nürnberger Pakete. Erzählungen, 2009

Die Mysterien der Vergeßlichkeit. Betrachtungen zu Literatur und Politik, 2010

Verloren im Paradies. Ein Verlegerleben, 2014

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