Eine Frau, viele Pseudonyme, die unterschiedlichsten Genres Wiebke Lorenz tanzt mit Erfolg auf vielen Hochzeiten

Immer freitags hier ein Autorengespräch: Heute mit Charlotte Lucas über den Erfolg ihrer  romantische Komödien der Marke bitter-sweet und zu ihrem kommenden Buch „Wir sehen uns beim Happy End“ (im November bei Lübbe):

Charlotte Lucas ist eine wahre Allrounderin: Für den Bastei Lübbe Verlag verfasst sie romantische Komödien der Marke bitter-sweet. Gleich ihr Erstling Dein perfektes Jahr, der im letzten Herbst erschien, hielt sich über 20 Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in 22 Länder verkauft. Als Anne Hertz schreibt sie zusammen mit ihrer Schwester Frauke Scheunemann ebenfalls überaus erfolgreiche Romane. In Wahrheit heißen „Charlotte“ und „Anne“ aber Wiebke Lorenz – und mit ihrem bürgerlichen Namen veröffentlicht sie das komplette Kontrastprogramm: Wiebke Lorenz‘ Thriller Alles muss versteckt sein und Bald ruhest du auch sind von düsterer Art. Dann heißt sie noch Jana Sonntag, Lena Gold, Paula Fabian … ein echt bunter Buchbranchen-Hund.

Im November erscheint mit Wir sehen uns beim Happy End ihr zweiter Roman als Charlotte Lucas. Anlass genug für ein Gespräch:

BuchMarkt: Worum geht es in Ihrem neuen Buch?

Wiebke Lorenz hat viele erfolgreiche Gesichter (c) Pressebild.de

Charlotte Lucas: Emilia Faust, genannt Ella, hat eine „Macke“: Sie kann es nicht ertragen, wenn eine Geschichte – ob Roman, Erzählung oder Film – schlecht ausgeht. Dann muss sie selbst ein Happy End schreiben, das sie in ihren Blog „Better Endings“ einstellt. Ihr Motto: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende“Bei Ella flittern Romeo und Julia in Venedig, die Titanic legt sicher im New Yorker Hafen an… Eines Tages trifft Ella auf einen Mann, dessen Leben ein einziges Trümmerfeld ist. Sie beschließt, ihm ein Happy End zu verpassen – ob er will oder nicht.

Wie kamen Sie darauf?

Durch die Serie Dexter, die ich echt geliebt habe. Aber der letzte Teil der finalen Staffel war eine Frechheit! Über dieses Ende habe ich mich tierisch geärgert, ich konnte danach kaum schlafen. Und schließlich habe ich mir überlegt: Was soll das? Ich bin Autorin, ich schreibe mir mein Ende selbst!

Haben Sie’s gemacht?

Nö. Aber ich hatte dadurch eine schöne Idee für Wir sehen uns beim Happy End.

Wie ist Ihnen der Titel eingefallen?

Durch Klick aufs Cover geht’s zum Buch

Das war ganz lustig. Ich wollte das Buch Better Endings nennen,  aber irgendwie waren wir alle nicht so richtig glücklich damit und haben überlegt und überlegt und überlegt. Eines Tages hörte ich im Autoradio einen Song von Placebo. Im Refrain hieß es da: „See you at the better end“. Daraufhin habe ich meine Lektorin angerufen und ihr zugebrüllt: „Ich hab’s! Wir nennen es Wir sehen uns beim Happy End“!  Zu Hause habe ich dann gleich nach dem Lied gesucht, um mir den Text genau durchzulesen. Habe aber nichts mit „Better End“ gefunden. Nach einigem Rumsurfen habe ich ihn dann doch entdeckt. Allerdings heißt es im Text:“ See you at the bitter end“.  Also genau das Gegenteil. Nun ja, trotzdem war der Titel geboren.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Das Buch ist perfekt für Leser, die Geschichten lieben. Es geht um Märchen, bekannte Romane und Filme, um all die Sehnsüchte, Hoffnungen – aber auch um Ängste – , die sie in uns wecken. Und – wie auch schon in Dein perfektes Jahr – um die Frage,  inwiefern das Schicksal an unseren Lebensstrippen zieht. Ein Roman, der nicht nur unterhalten soll, sondern der (hoffe ich) auf spannende Art das Wie und Warum unserer menschlichen Natur beleuchtet. Dabei ist, denke ich, wieder viel Humor dabei. Allerdings auch einiges, was überhaupt nicht lustig ist. Wie im wahren Leben, da gibt’s eben auch nicht nur Happy Ends. Last not least: Der Bastei Lübbe Verlag hat sich bei der Ausstattung erneut etwas Besonderes einfallen lassen, mit abgerundeten Ecken und einem farbigen Seitenschnitt, das Buch sieht einfach klasse aus!

Und was macht es für die Leser reizvoll?

Genau das gleiche wie für den Handel. Plus: Wer es kauft, kann das Buch hervorragend als Dekorationsartikel in die Wohnung legen, denn hübsch genug ist es in jedem Fall.

Sie schreiben unter vielen Pseudonymen –  warum eigentlich?

Damit grenze ich die verschiedenen Genres ab, denn von Krimi über Komödie bis hin zu eben Bitter Sweet und Sachbuch ist bei mir alles vertreten. Am Namen können Buchhändler und Leser sofort erkennen, was sie zwischen den Buchdeckeln erwartet. Ganz einfach also.

Und weshalb sind Sie in so vielen Genres unterwegs?

Ich langweile mich schnell und möchte ständig etwas Neues ausprobieren. Schließlich esse ich auch nicht jeden Tag Pizza. Als Journalistin und ausgebildete Drehbuchautorin habe ich gelernt, unterschiedlichste Formate zu bedienen, habe für Frauenzeitschriften, Tageszeitungen, Online-Redaktionen sowie fürs Fernsehen Spielfilme, Serien und Comedy geschrieben. Da ist es nur konsequent, wenn ich mich auch als Schriftstellerin „austobe“. Einzige Ausnahme: Einen historischen Roman, den werden Sie von mir niemals lesen, vollkommen gleichgültig, unter welchem Namen.

Sie sind Mutter einer 4-jährigen Tochter – wie schaffen Sie es, so viel zu schreiben?

Ganz normal, wie jede andere Mama auch. Morgens geht die Kleine in die Kita, und ich setze mich an den Schreibtisch – das ist alles kein Hexenwerk. Allerdings: Durchgeschriebene Nächte wie früher, die gibt es nun nicht mehr. Liegt aber vielleicht auch an meinem Alter und nicht am Kind, wer weiß das schon? Aber wenn ich mal meine Schwester (Frauke Scheunemann, Roman-und Kinderbuchautorin) sehe – die hat vier (!) Kinder, fragen Sie die mal, wie sie das macht. DAS ist mir ein echtes Rätsel!

Lesen Sie selbst viel? Und wenn ja, was?

Jede Menge und immer parallel, bei mir liegen überall aufgeschlagene Bücher herum. Besonders gut gefallen haben mir in letzter Zeit Die Wahrheit und andere Lügen von Sascha Arango; Ich, Eleanor Oliphant von Gail Honeyman und Unsere wunderbaren Jahre von Peter Prange. Alles großartige Romane mit uneingeschränkter Leseempfehlung von mir. Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich sie gern selbst geschrieben.

Zum Abschluss noch: Welche Frage wurde Ihnen noch nie gestellt – obwohl Sie sie gern mal beantworten würden?

Frage: Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie nicht Schriftstellerin wären?

Antwort: Dann wäre ich gern Erzieherin und hätte so einen Kinderladen wie Hannah Marx in Dein perfektes Jahr. Ernsthaft.

 

 

 

 

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