Gestorben Dr. Eberhard Kossack

Dr. Eberhard Kossack bei seinem letzten Besuch hier bei uns in Meerbusch

Dr. Eberhard Kossack ist nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren verstorben. Als Unternehmensberater war er über 44 Jahre in der Branche selbstständig und erfolgreich aktiv, nachdem er im Alter von 40 Jahren den Oldenbourg Verlag als kaufmännischer Geschäftsführer verließ.

Nahezu jeder deutsche Verlag ist von ihm in diesen fast 45 Jahren beraten worden. Seine Expertise war in Branchenkreisen geschätzt und manchmal auch gefürchtet, da nicht jeder Verleger seinem oft sehr ehrlichen und direkten Rat folgen wollte. In der Verlagsbranche gab es nur wenige, die so schnell wie er anhand weniger Angaben den Umsatz oder gar die wirtschaftliche Lage seines Mandanten einzuordnen wusste. Auch verfügte er über ein umfangreiches Archiv und Netzwerk und konnte manchmal erschreckend genau die aktuelle Liquidität einer Verlagsgruppe berechnen.

Dieses Wissen und seine Erfahrung mündeten im Verlagsplanspiel, das in Leipzig an der Hochschule immer noch verwendet wird und anschaulich und leicht die Kalkulation in Verlagen erklärt. Hätten sich alle Verleger daran gehalten, er hätte sicher weniger – und dies sicher zu seinem Leidwesen – zu tun gehabt. Dr. Kossack machte sich direkt nach der Wende auch um die DDR Verlagslandschaft sehr verdient und „erklärte“ als gebürtiger Berliner, er legte Wert auf den Zusatz Berlin-Karlshorst, – mit der Mentalität also gut vertraut – die kapitalistischen Grundlagen des Verlagswesens. Die Leipziger Buchmesse oder der Aufbau Verlag wären z.B. ohne ihn so heute nicht mehr existent. Bernd Lunkewitz formulierte es anlässlich seines 80. Geburtstag so: „Der Wiederaufstieg des Aufbau-Verlages nach der Wende wäre ohne die betriebswirtschaftliche Beratung durch Dr. Kossack nicht möglich gewesen.“ Jetzt sagt er: “Er war mit ein guter Freund und Weggefährte in meiner Zeit als Verleger der Verlage Aufbau, Rütten & Loening und Gustav Kiepenheuer. Ohne seine kompetente betriebswirtschaftliche Beratung und Hilfe hätte ich den rasanten Wiederaufstieg der Verlagsgruppe in den 90er Jahren nicht bewerkstelligen können. Er hat in dieser schwierigen Zeit in der ostdeutschen Verlagslandschaft vielen Verlegern und Buchhändlern mit Rat und Tat geholfen – auch ohne Honorar. Er war ein zuverlässiger Partner als Berater und Gesellschafter der Aufbau-Verlag GmbH. Die fehlgeschlagene Privatisierung des Aufbau-Verlages durch die Treuhandanstalt hat seinen Glauben an den Rechtsstaat nachhaltig zerrüttet, aber nicht seine Lebensfreude, seinen Humor und sein gutes Herz. Wenn ich an ihn denke, fällt mir als erstes sein großartiges Lachen ein”.

Seine große Leidenschaft galt den Fachbuchverlagen, für die er in den letzten Jahren verstärkt Verlagsverkäufe tätigte und sie beriet. Ob Formelsammlung, Handbuchverlag, Schulbuch- oder gar Kalenderverlag, hier erzielte er viele nennenswerte Erfolge und Transaktionen.
Und als wäre dies noch nicht genug, baute er mit seinem Kompagnon und Freund Paul Kaufmann rund um die Stephanus Buchhandlung in Karlsruhe mehrere Buchhandlungen, u.a. auch ein Versandbuchgeschäft auf. Dabei waren der bekennende Konservative (Kossack) und der intellektuelle und umtriebig-kreative Marxist (Kaufmann) sich am Anfang eher suspekt. Doch wie sagte Kossack: „Ich rechts und Sie links, das kann funktionieren!“. Heute gehört die Buchhandlungsgruppe zu den größten Sortimentern in Süddeutschland.
Mit Dr. Eberhard Kossack gehen viele Erinnerungen an Weggefährten aus über 60 Jahren Verlagsgeschichte, Druckereien, von Unternehmensrettungen, Sanierungen, Pleiten und Hassadeuren, wie man sie heute wohl nicht mehr trifft, verloren. Er hinterlässt seine geliebte Ehefrau, vier Töchter und neun Enkel. Er verstarb im Kreise seiner Familie, die ihm so viel bedeutet hat.

Von all den anderen wird er gleichermaßen vermisst und geachtet werden für das, was er am liebsten getan hat: Pläne schmieden, Verlage oder Buchhandlungen zu beraten, verkaufen oder gar selbst zu kaufen. Wir verabschieden einen Tausendsassa der Branche, der in seinem Leben bewiesen hat, dass man vieles erreichen kann, wenn man rechnen kann.
Die Beisetzung findet am 18.6 (Montag) um 13 Uhr auf dem Gautinger Friedhof statt. Die anschließende Feier findet im engsten Kreis der Familie statt.

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