Sebastian Ganske über seine Initiative "Jetzt helfen, lokal kaufen“ „Die Buchhandlung vor Ort hat etwas, was die großen Anbieter nur schwer und oft gar nicht schaffen: Sie hat eine enge Kundenbindung“

Die Buchverlage der Ganske Verlagsgruppe (Gräfe und Unzer, Hoffmann und Campe, Hatje Cantz) wollen so schnell es geht in allen ihren Medien zur Unterstützung des Einzelhandels aufrufen. Das war Anlass für unser heutiges Sonntagsgespräch mit Sebastian Ganske, dem Mitverleger der Ganske Verlagsgruppe:
Sebastian Ganske mit Anzeigen-Entwurf für die Idee Jetzt helfen, lokal kaufen: „Was Buchhandlungen für unsere Orte und die Gemeinschaft leisten, ist unverzichtbar für unsere Gesellschaft und natürlich existenziell für uns Verlage“
Es wäre ein großartiges Ostergeschenk für uns alle, wenn  das wahr wird: Sie glauben daran, dass unser aller Geschäft dann bald wieder anläuft? 

Sebastian Ganske: Ja, und dafür brauchen wir einen starken Einzelhandel. Auch wenn viele Buchhändler derzeit mit Online-Handel, lokalen Buch-Lieferdiensten und anderen kreativen Ideen neue Umsatzquellen erschließen, so wird dies nach den Einschränkungen wieder zurückgehen. Deswegen wollen wir unseren Synergien nutzen und gemeinsam die Idee „Jetzt helfen, lokal kaufen“ umwerben, in allen unseren Zeitschriften, im Lesezirkel und online. 

Was hat den Anstoß zu Ihrer Initiative gegeben? 
Wir haben in der Verlagsgruppe viele Berührungspunkte mit dem Einzelhandel: Allein der Lesezirkel beliefert tausende von Frisören, Fitnesscenter und andere Geschäfte. Dazu kommen die Buchhandlungen und Kioske der Buchverlage und Zeitschriften. Von unseren Anzeigenkunden der Zeitschriften ganz zu schweigen. Im engen Austausch zu unseren Partnern erkannte ich schnell einen gemeinsamen Nenner: Der Einzelhandel. Und den galt es zu retten. Ideen für Anzeigen und die Bereitschaft zur Umsetzung kamen schnell aus den Unternehmen. Inzwischen gibt es zum Glück viele solcher Kampagnen und die Menschen nutzen die neuen kreativen Angebot ihrer lokalen Geschäfte.
Ihr Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf dem Buchhandel …
… und da sind wir uns doch sicher einig: Was Buchhandlungen für unsere Orte und die Gemeinschaft leisten, ist unverzichtbar für unsere Gesellschaft und natürlich existenziell für uns Verlage.
Ich glaube, das wird auf einmal auch von den Kunden wahrgenommen, die bisher aus Bequemlichkeit zu  Amazon abgewandert waren.
Ja, wir registrieren an vielen Orten, dass den Kunden vor Ort auf einmal bewusst wird, dass auch ihre örtliche Buchhandlung eine Webseite hat, die sich im Grunde mit Amazon messen kann und dass man auch mit einem  Online-Einkauf „lokal“ kaufen  kann.
Trotzdem drängen wir alle auf eine baldige Wiederöffnung der Buchläden …
… und das nicht nur, weil wir von der Überzeugung getragen sind, dass Bücher ein Überlebens-Mittel sind. Denn geschlossene Buchläden gefährden auch die Existenz der Buchverlage – ich schließe mich da Susanne Schüsseler und Lothar Schirmer an, die das hier auch schon deutlich gesagt haben: Unsere Bücher müssen sichtbar werden, brauchen die Inspiration des Entdeckens in unseren Buchhandlungen. Keine Webseite bietet auf einen Blick so viel Krimi-Auswahl wie eine Buchhandlung, eröffnet die ganze Weite eines Reiseziels oder die Lösungsvielfalt der Ratgeber wie eine Bücherwand.
Hoffentlich erreicht diese Botschaft bald die Politik, das Wissen um die Bedeutung von lebendigen Buchhandlungen ersetzt leider keine Liquidität.
Mit solchen Anzeigen will die Verlagsgruppe in ihren Medien dem Einzelhandel helfen (Durch Klick auf Anzeigen-Entwurf mehr Infos)

Umso beeindruckender sind die unterschiedlichsten Aktivitäten, die wir jetzt bundesweit bei den unabhängigen Buchhandlungen am Ort registrieren. Wir wollen gemeinsam durchhalten.

Sie sind ja bereits seit 2015 im Vorstand Ihrer Gruppe für IT und Digitales verantwortlich, aber seit dem Vorjahr auch für das Zeitschriftengeschäft. Wie geht die Verlagsgruppe mit der Krise um?
Covid-1 hat uns wie allen eine volle Breitseite gegeben. Jetzt geht es uns darum, möglichst schnell aus dem Reagieren und Managen der Situation in ein konstruktives Agieren zu kommen. Zum Glück haben unsere Prozesse und die IT Infrastruktur Homeoffice optimal unterstützt. So konnten wir uns schnell um das Wohl unsere Mitarbeiter und Kunden kümmern. Jetzt liegt der Fokus auf dem Meistern der Situation und dem konstruktiven und kreativen Umgang mit der Zeit danach, in einer neuen, anderen Welt. 
In der wir weiter funktionierende Läden haben? 
Die brauchen wir als wichtigstes Asset unserer Arbeit. Auf der Suche nach kompetenten und verlässlichen Informationen zu konkreten Themen bietet das Internet nur selten umfassende Beratung. Die meist einseitigen Informationsquellen verfolgen eigene Ziele und treten in keine Interaktion. Die Buchhändlerin kann nachfragen, im Gespräch das Bedürfnisse der Leser konkretisieren, zeigt eine passende Auswahl auf und bietet unter Umständen eine persönliche, maßgeschneiderte Perspektive. Und was sie sich dabei erarbeiten ist etwas, was auch dem kleinen Laden vor Ort Mut machen sollte: Die Buchhandlung vor Ort hat etwas, was die großen Anbieter nur schwer und oft gar nicht schaffen: Sie hat eine enge Kundenbindung. Das sollte den unabhängigen Buchhandlungen Mut machen. Und wir wollen sie dabei unterstützen. 
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz 
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