Das Sonntagsgespräch Der Karl-May-Verlag: Die Legende lebt weiter

Jubiläen feiern macht Spaß – der Karl-May-Verlag rutscht gleich von einem in das nächste: Vom 100. Todestag Karl Mays 2012 zu 100 Jahre Karl-May-Verlag 2013. BuchMarkt sprach mit Verleger Bernhard Schmid über den bekannten Schriftsteller Karl May, Aktionen des Verlages und Veränderungen im Buchhandel.

Buchmarkt: Herr Schmid, Sie kommen aus dem Feiern ja gar nicht mehr heraus?

Bernhard Schmid

Bernhard Schmid: Tatsächlich war das Karl-May-Jahr mit über 500 Veranstaltungen und großer Medienpräsenz sehr erfolgreich.

Und hat es sich auch für Ihren Verlag gelohnt?

Ja, wir haben ein großes Umsatzplus. Es hätte jedoch noch viel mehr sein können. Karl May fand überall statt, nur nicht in jeder Buchhandlung. Viele haben hier leider eine Chance vorüberziehenlassen.

Wird denn Karl May noch gelesen?

Ja, und zwar beachtlich! Nicht mehr so viel wie vor 30 oder 40 Jahren, aber mehr als viele andere Schriftsteller! Über 100.000 Bände pro Jahr und allein zwischen 2.000 und 3.000 Exemplare allein von „Winnetou I“ – das spricht doch eine deutliche Sprache. Und sonst gäbe es wohl auch unseren Verlag nicht mehr, der zwar wie die meisten in der Branche kämpfen muss, aber nach wie vor schwarze Zahlen schreibt.

Aber Jugendliche lesen doch kaum noch Karl May?

Da können wir mit dem erfolgreichen Ergebnis unserer Anfang des Jahres zu Ende gegangenen Aktion „Eine Feder für Winnetou. Schreibwettbewerb ‚Karl May junior‘ für Kids zwischen 10 und 15 Jahren“ dagegenhalten: Über 550 Einsendungen, wovon die besten Geschichten, die von einer hochkarätigen Fachjury ausgesucht wurden, in einem Band veröffentlicht sind. Und die Kinder haben auch bekannt, dass ihnen die Karl-May-Lektüre großen Spaß gemacht hat.

Welche Prominenz war denn an dem Schreibwettbewerb beteiligt?

Schirmherrin war die Ministerin Frau von der Leyen, in der Jury saßen bekannte Autoren wie Tanja Kinkel, Stefan Gemmel, Jörg Kastner und Wolfgang Hohlbein.

Wie konnten Sie diese dafür gewinnen?

Das sind alles Karl-May-Fans! Wie sich überhaupt viele Schriftsteller zu ihrem erfolgreichen Vorgänger bekennen, so z. B. auch Cornelia Funke, Elke Heidenreich, Martin Suter und Martin Walser!

Und ist Karl May auch für das digitale Medienzeitalter gerüstet?

Den Großteil unseres Programms gibt es bereits als eBooks! Durch das fehlende Urheberrecht bei Karl May – die Schutzfrist ist bereits Ende 1962 ausgelaufen – gibt es hier eher Konkurrenz mit den ursprünglichen Texten.

Ihre Bücher sind alle bearbeitet?

Zu einem großen Teil ja, was über Jahrzehnte große Mühen und Anstrengungen kostete. Oft wurde unser Verlag dafür auch angegriffen, obwohl sicherlich gerade das dazu beigetragen hat, dass Karl May zum meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache geworden ist. Manche E-Books werden heute gar kostenlos angeboten. Dabei fürchten wir, dass viele Jugendliche mit einer Sprache des 19. Jahrhunderts nicht zurecht kommen, Karl May wieder zur Seite legen und auch in der Zukunft nicht mehr danach greifen. Welcher 10-Jährige will schon beim Lesen Fremdwörter nachschlagen, wenn Winnetou „rekognosziert“? Wichtig ist auch, dass mit dem ‚richtigen‘ Buch begonnen wird. Karl May hat einige Bücher speziell für die Jugend geschrieben, die wir besonders für den Einstieg empfehlen. Dazu gehört nicht „Winnetou I“, sondern z. B. „Unter Geiern“ und „Der Schatz im Silbersee“.

Viele Buchhändler sagen, nach Karl May werde bei ihnen nicht mehr gefragt!

Auf diesen Satz bin ich zwischenzeitlich allergisch! Die meisten, die heute ein bestimmtes Buch suchen, bestellen dieses direkt online. Warum sollten sie auch in der Buchhandlung fragen, wenn das entsprechende Buch aus unserer Reihe mit 92 Bänden eh nicht vorrätig ist?

Was werfen Sie dem Buchhandel denn vor?

Wir würden es für selbstverständlich halten, wenigstens die wichtigsten 5-10 Bände der Gesammelten Werke im Angebot zu haben – und das in der Jugendbuchabteilung. Es wird immer gesagt, es kauften nur noch ältere Herren Karl May, aber wir sind sicher, dass diese Bücher dann meist als Geschenk für Jugendliche gedacht sind, wie überhaupt Karl May als erstes immer verschenkt wird. – Und Bilderbücher stellt man ja auch nicht zu den Bildbänden, nur weil sie von erwachsenen Müttern gekauft werden! 80 Prozent der Kunden in einer Jugendbuchabteilung wissen vor ihrem Besuch nicht, welches Buch sie als Geschenk kaufen wollen. Diese erreichen wir nun nicht, wenn kein Karl May im Angebot ist. Dabei haben die bekannten grünen Bände doch nach wie vor ein riesiges Potenzial durch ihren Wiedererkennungswert! Wir haben jetzt auch ein wunderschönes Streifenplakat mit allen Gesammelten Werken für die Buchhandlungen, die keinen Platz für alle Bände haben, sich aber das lukrative Geschäft mit Karl May nicht entgehen lassen wollen.

Wie beurteilen Sie die Veränderungen im Buchhandel wie z.B. die Reduzierung der Großflächen?

Ich bin sicher nicht in der Situation, dem Buchhandel kluge Ratschläge zu erteilen. Aber wundern dürfen wir uns schon, wenn hier fast nur noch auf Mainstream und Bestseller gesetzt wird und zu unserem Leidwesen auch oft unser erfolgreicher Longseller-Autor nicht angeboten wird. Ich befürchte, der Buchhandel sägt so an seinem eigenen Ast und treibt immer mehr Kunden zum Onlinehandel.

Haben Sie Konkurrenz zu fürchten?

Ja, einen ganz großen: Ebay und der Gebrauchtbuchmarkt. Uns holen die riesigen Erfolge der Vergangenheit ein, Millionen von Karl-May-Büchern stehen in den Haushalten und kommen teilweise wieder auf den Markt. So gesehen werden vielleicht sogar mehr Karl-May-Bücher gekauft denn je!

…und auch noch gelesen?

Wir verstehen gar nicht, wie viele Journalisten und Buchhändler darauf kommen, Karl May sei heute out und werde nicht mehr gelesen. Wie oben schon ausgeführt, stimmt dies ganz und gar nicht. Viele Verlage und Schriftsteller wären heute froh, noch solche Stückzahlen zu verkaufen wie wir!

Und wie sehen Sie die Zukunft für Ihren Verlag?

Natürlich ist es für uns als kleiner unabhängiger Verlag schwer, im Konzert der großen Verlagskonzerne und Buchhandelsketten zu bestehen.

Haben Sie Angst als Verleger der dritten Generation den Verlag in den Sand zu setzen?

Überhaupt nicht! Jetzt feiern wir erst einmal unser Hundertjähriges – und das mit einem einzigen Autor ist sicherlich einzigartig weltweit! Dazu sind wir wieder sehr optimistisch, dass es mit einer Neuverfilmung von „Winnetou“ klappt.

Gibt es da schon etwas Spruchreifes?

Im November gab es ganz gute Gespräche, aber mehr kann ich heute dazu noch nicht sagen!

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