Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Ulrike Helmer?

Seit gestern (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2018 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“ Heute beantwortet Ulrike Helmer, Gründerin des “Frauenverlags” Ulrike Helmer, der in diesem Jahr 30-jähriges Jubiläum feierte,  unseren „anderen“ Fragebogen:

Ulrike Helmer
  1. Welcher Tag war Ihr schönster diesem Jahr?

Da gab es gleich mehrere. Zum Beispiel den “Tag der Torte”, als mir auf der Buchmesse meine Mitarbeiterin Sina Hauer zum 30. Firmenjubiläum ein süßes Wunder in Buchform überreichte … außen rotglasiert, innen schokolecker! Oder der 3. September. Da berichtete ARTE Metropol über Olivia Rosenthals Buch “Wir sind nicht da, um zu verschwinden”. Ich saß im Zug von Hamburg, rollte von der Tagung “Krimis 3” zurück nach Frankfurt und hätte am liebsten laut gerufen: Hey, Leute schaut euch das an!

  1. Worüber haben Sie sich 2017 am meisten geärgert?

Darüber, dass im Rahmen ‘Frankreich als Gastland der Frankfurter Buchmesse’ im Vorfeld vieles in Aussicht gestellt wurde, wir aber noch immer auf zugesagte Maßnahmen warten.

  1. Was war 2017 Ihr schönster Erfolg?

Dreißig Jahre Ulrike Helmer Verlag feiern zu dürfen :o))

  1. Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Einzig und allein der, dass mein Jubiläum nicht im gläsernen Belvedersche von Frankfurts höchstem Wolkenkratzer mit pink blinkender Leuchtschrift “HELMER-TOWER” stattfand …!

  1. Ihre schönste Buchhandlung in diesem Jahr?

Es gibt zum Glück viele alte wie neue wunderbare unabhängige Buchhandlungen! Meine schönste ist die Frankfurter Büchergilde mit ihrem Sortiment und ihrer Begeisterungsfähigkeit. Sie hat mit ihrem Einsatz für “Vote for Victoria!” (die Biografie von Amerikas erster Präsidentschaftskandidatin Victoria Woodhull) bewiesen, dass auch ein solches Buch bestverkäuflich ist, sofern man es entdeckt und sich dafür einsetzt. – Wir schicken interessierten Buchhandlungen übrigens gern Leseexemplare.

  1. Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?

Jedes Höchstmaß an Dummheit, gepaart mit einem Höchstmaß an Macht, wird am 1.1.2018 Geschichte sein. Denn an Sylvester 2017/18 werden keine Raketen in den Himmel surren, sondern es wird Hirn auf die Erde regnen, was allerorten für aufklärerische Spontanerleuchtung sorgt! Auch das Thema Sexismus ist dann durch. Weil der sich in dem Moment erledigt, in dem alle kapiert haben, dass verbale und sonstige Übergrifflichkeiten am langen Ende nur Scheingewinne bringen. – Okay. Man darf ja träumen dürfen.

  1. Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Ich will mehr über unsere Bücher lesen! Und zwar in allen Medien, ob gedruckt, gesendet, geschüttelt oder gerührt. (Vielleicht übernähme Adel Tafil ja unsere Pressearbeit und sänge: “Ist da jemand? Ist da jemand?” … Er würde vielleicht erhört!)

Themen wären z.B.: Zukunft und Vergangenheit. Wie wollen und können wir leben? Können und wollen wir lieben? Einsamkeit und Narzissmus der ‘neuen Menschen’. Umgang mit Digitalisierung. Geschlechterdemokratie, Frauenlöhne, Klimaentwicklung, Grundwerte, Menschenrechte. Dass die Reichen immer reicher werden und die Armen immer weiblicher …

Branchenthemen: Die Lust an der Entdeckung der Unabhängigen Verlage. Das Elend mit Urheberrechten. Fehlende Ausschüttungen. Sterbende Feuilletons. Blühende Buchläden. Spitzenlöhne bei Bücherfrauen.

  1. Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Die Ironiefähigkeit und Neugier anderer zu überschätzen. Zu lange den Mund zu halten. Ihn zu schnell aufzureißen. Lesenden Auges ins volle Risiko gehen.

  1. Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Die Ironiefähigkeit und Neugier anderer zu überschätzen. Lesenden Auges ins volle Risiko gehen.

  1. Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Olivia Rosenthals “Wir sind nicht da, um zu verschwinden”. Wie aus meiner Entdeckung eines Alzheimer-Buches eine zweite Geschichte über Rosenthals jüdische Familie in Frankfurt wurde und warum mir dieses Erlebnis wieder einmal gezeigt hat, wie wunderbar es doch ist, Bücher machen zu dürfen.

  1. Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

“100 Jahre Frauenwahlrecht. Ziel erreicht – und weiter?”, herausgegeben von Isabel Rohner und Rebecca Beerheide. Das Buch ist zwar schon 2017 erschienen (da wir es vor der Bundestagswahl herausbringen wollten), das Jubiläum findet aber am 18. November 2018 statt und kann nicht groß genug gefeiert werden. – Die Liste der übrigen wichtigen Bücher 2018 veröffentlichen wir demnächst unter dem Titel “Vorschau”. Versendung via GVA an den Buchhandel und im Rahmen unseres “Vorschauversands der unabhängigen Verlage” an die Presse. Auspacken und durchschauen wäre einfach wunderbar!

  1.      Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Da lasse ich mich überraschen.

  1. Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben,  hätten Sie gern beantwortet?

Frau Helmer, Ihre Energie ist seit dreißig Jahren einfach unerschöpflich! Ebenso wie die Ihrer Finanzen! Wie haben Sie es nur geschafft, sich selbst und Ihr Firmenkapital zu klonen?

  1. Hier können Sie die auch beantworten:

Ähm …

Gestern sprachen wir mit Markus Conrad über sein Jahr 2017. Morgen beantwortet Regina Denk unseren “etwas anderen Fragebogen”

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.