Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Thomas Rathnow?

Seit dem 6. Dezember 2017 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2018 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“ Heute beantwortet Thomas Rathnow, Mitglied der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Random House unseren „anderen“ Fragebogen:

Thomas Rathnow (© Mathis Beutel)

 

  1. Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?

Im vergangenen Sommer war ich mit meiner Familie in New York. Bewegend war der Tag, an dem ich meiner Frau und meinen Kindern erstmals das Viertel zeigte, in dem ich als Junge fünf  Jahre lang gelebt hatte. Vierzig Jahre nach dieser für mich so prägenden Zeit stand ich mit ihnen plötzlich vor meinem früheren Haus, in meinem ehemaligen Schulhof, wo ich mit dem Basketballspielen begann, und wir aßen Burger im „Dirty Pierre‘s“, der Kneipe, die mein bester Kumpel aus jenen Jahren aufgemacht hat.

 

  1. Worüber haben Sie sich 2017 am meisten geärgert?

Ich halte mich nicht lange mit Ärgerlichem auf. Wenn etwas gar nicht klappen will, denke ich an Mascha Kalékos „Rezept“, in dem es heißt: „Zerreiß deine Pläne. Sei klug. Und halte dich an Wunder.“

 

  1. Was war 2017 Ihr schönster Erfolg?

 In der Belletristik habe ich mich besonders über die Anerkennung und den populären Erfolg für Petra Morsbachs Roman „Justizpalast“ (Knaus) gefreut. Im Sachbuch war es schön zu sehen, dass ein großes Stück historischer Aufklärung wie Magnus Brechtkens Buch über Albert Speer (Siedler) so viel Aufmerksamkeit fand und zuletzt auch mit dem NDR-Sachbuchpreis ausgezeichnet wurde.

 

  1. Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Es macht mich immer traurig, wenn ich sehe, dass junge Autorinnen und Autoren, an die wir glauben und die wir mit großer Hoffnung ins Rennen schicken, nicht die Beachtung finden, die sie verdienen.

 

  1. Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Mir geht immer das Herz auf, wenn ich ein paar Stunden im Strand Bookstore in New York verbringen kann. In seinen schier endlosen Regalkilometern kann man sich auf die wunderbarste Weise verlieren. Als Münchner habe ich mich gefreut, dass Hugendubel wieder ein Geschäft am Marienplatz betreibt.
Auf Verlagsseite staune ich nachhaltig über die großartige verlegerische Arbeit bei Matthes & Seitz. Chapeau, Andreas Rötzer! 

 

  1. Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?

 Wir brauchen keine weiteren Abgesänge auf das Buch, das angeblich in Zeiten von Internet, Smartphone und Netflix  seine Bedeutung verloren habe. Das Gegenteil ist der Fall!

 

 

  1. Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Ich würde mir mehr selbstbewusste, kluge, konstruktive und kontroverse Gedanken über die Zukunft des Lesens wünschen, mit aufregenden und innovativen Ideen für den Wandel und die Zukunft einer Branche, die das Leben ihrer Kunden und damit der ganzen Gesellschaft Buch für Buch bereichert.

 

 

 

  1. Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Nachts zu viel zu lesen und zu wenig zu schlafen.

 

 

  1. Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?

Den mit dem Schlaf.

 

  1. Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Nur eins? Gewiss gehören Robin Alexanders „Die Getriebenen“ (Siedler) und Kurt Steinmanns Neuübersetzung der „Ilias“ (Manesse) dazu. Auch Paolo Cognettis „Acht Berge“ (DVA). Und natürlich Salman Rushdies so unterhaltsamer wie politisch kluger Gegenwartsroman „Golden House“ (C. Bertelsmann).

 

  1. Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Die Auswahl überfordert mich, daher sehe ich mal bewusst von den neuen Büchern einiger eingeführter Bestseller-Autoren ab, die 2018 bei uns erscheinen werden, worauf ich mich riesig freue. Besonders gespannt bin ich auf unsere Alexander von Humboldt-Projekte bei Prestel, Manesse und Siedler. Und der Hörverlag bringt mit Hans Well das „Rote Bayern“ der Münchner Räterepublik zu Gehör – ein Revolutionsvergnügen!

 

  1. Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von Andreas Rötzer.
 

  1. Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?

Sind Sie zufrieden, wie der Penguin Verlag seit seinem Start im letzten Jahr bei deutschsprachigen Leserinnen und Lesern angekommen ist?
 

  1. Hier können Sie die auch beantworten:

Ja, sehr sogar! Mich begeistert, wie schnell sich Penguin als feste Größe im Buchhandel etablieren konnte. Ein junges, hochmotiviertes Team hat hier Großartiges geleistet. Und das war erst der Anfang!

Gestern sprachen wir mit  Carsten Pfeiffer über sein Jahr 2017. Morgen beantwortet  Katja Scholtz unseren „anderen“ Fragebogen

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