Der andere Fragebogen Wie war Ihr Jahr, Sebastian Ritscher?

Seit dem 6. Dezember (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2020 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“.  Heute beantwortet Sebastian Ritscher, Inhaber der Agentur Mohrbooks, unseren „anderen“ Fragebogen:
Sebastian Ritscher: „Mehr lesen möchte ich über die Geschichte des Buchhandels, über Typographie und Buchgestaltung. Ich sammle seit Jahren Literatur dazu und warte auf genügend Zeitvorrat, um sie zu lesen“
Worüber haben Sie sich 2019 am meisten geärgert?

Darüber, dass ich mich manchmal tatsächlich über etwas oder jemanden ärgere. Wie nutzlos das ist! Menschen und Dinge verhalten sich oft anders als man es erhofft. Ärger löst nichts, kümmert sich um Vergangenes und verkürzt nur die Lebenszeit.

Was war 2019 Ihr schönster Erfolg?
Als aus der Idee beim Hören des Podcast IM UNTERGRUND die Idee für ein Buch entstand, daraus ein Manuskript und schliesslich das gleichnamige Buch von Patrizia Schlosser im Verlag Hoffmann & Campe.
Und Ihr traurigster Misserfolg war…?

Literaturagenten sind von Berufs wegen optimistisch. Trübe werden wir gelegentlich bei der Lektüre von Honorarabrechnungen. Die waren dieses Jahr aber durchwegs erfreulicher als im Vorjahr.

Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?

Heffers Bookshop in Cambridge gegenüber vom Trinity College. Hier sah ich als frisch gebackener Abiturient erstmals eine mir bis dahin unbekannte Fülle an Büchern und entschied, Anglistik zu studieren. Ein paar Jahre später als Student: Corran Books in Laugharne (Wales), wo mir der Buchhändler eine Dylan Thomas Biografie mitgab, die mir den Weg zur Agentur Mohrbooks wies. Da bin ich heute noch -35 Jahre später- mittlerweile in anderer Funktion.

Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?

Vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten der USA. Leseboykott.

Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?

Über die Geschichte des Buchhandels, über Typographie und Buchgestaltung. Ich sammle seit Jahren Literatur dazu und warte auf genügend Zeitvorrat, um sie zu lesen.

Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?

Nostalgie. Der Fehler, einen idealisierende Blick auf die Vergangenheit zu werfen, unterläuft mir leider hin und wieder. Das nervt die Umstehenden und bringt nichts.

Und welchen Fehler werden  Sie trotzdem wiederholen?Kommafehler. Die ärgern am allermeisten beim Wiederlesen einer eigenen Email, die bereits beim Empfänger ist. Aber halt! Siehe 2)

Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?

Um unter den 500 Neuerscheinungen in diesem Jahr, die wir vermittelt haben, nur eine herauszuheben: DAS LICHT von T.C. Boyle. Alle anderen 499 machen mir auch sehr viel Freude.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?

Auch im neuen Jahr werden voraussichtlich wieder ein paar hundert Bücher erscheinen, die wir an Verlage vermittelt haben. Alle sind wichtig, manche fürs Lesevergnügen, andere für den Geist, manche fürs Geschäft, erstaunlich viele fürs körperliche Wohlbehagen. Jean Zieglers neues Buch über die Flüchtlingskatastrophe erscheint im Januar und ist wichtig für Europa. Hilary Mantels dritter Teil ihrer Trilogie über Thomas Cromwell erscheint im März und ist wichtig für alle, die schon die ersten beiden Bände gelesen haben.

Von wem würden Sie gern auch mal  die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

Von einer jungen Kollegin, die sich gerade erst für diesen Beruf entschieden hat und nach vorne schaut, nicht zurück.

Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben,  hättenGruß und Sie gern beantwortet?

Was ist der neue Trend?

Hier können Sie die auch beantworten:

Fliegenfischen. Wir suchen gerade einen Verlag, der die Werke von John Gierach in deutscher Übersetzung veröffentlichen möchte, dem Jack Kerouac der Fliegenfischerliteratur. Grossartig! Nature writing at its best.

Gestern beantwortete Susanne Stark unseren „anderen Fragebogen“, morgen befragen wir Thomas Schmitz

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